Der Ton wird schärfer : (K)ein Pflegeheim im „Paradies“

Bauausschussvorsitzender Detlef Schlüter versuchte geduldig, jede Frage zu beantworten.
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Bauausschussvorsitzender Detlef Schlüter versuchte geduldig, jede Frage zu beantworten.

Hagenow-Heide: Investor will sieben Millionen Euro verbauen

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22. Februar 2014, 11:21 Uhr

In der Debatte um einen möglichen Bau eines Pflegeheimes im Stadtteil Hagenow-Heide ist der Ton spürbar schärfer geworden. Ein Informationsabend,  zu dem die Bürgerinitiative  „Für Dorfleben und Eigenheimbau Hagenow-Heide“   eingeladen hatte,  endete leider nicht mit einem Konsens, wie ihn sich etwa  Carsta Benzien erhofft hätte. „Wir sind dafür gewählt, ehrenamtlich die Interessen der Bürger zu vertreten und hier, um zu erfahren, was Hagenow-Heide will“, erklärte die Vorsitzende der CDU-Fraktion in der Stadtvertretung. Auf keinen Fall ein Pflegeheim für an Demenz erkrankten Menschen im Zentrum ihres Ortes, lautet die Antwort, die auch ihren Fraktionskollegen  Detlef Schlüter  nicht wirklich überraschte. Die Bewohner von Hagenow-Heide, so wurde es am Freitagabend im Heidehaus mehrmals betont, haben nichts gegen alte und kranke Menschen. Sie sollen natürlich ihre Pflege erhalten, aber bitteschön nicht  in einer Einrichtung vor ihrer Haustür, wo laut bestehendem B-Plan 22 Eigenheime entstehen sollen. Mit einer paar formellen Änderungen, wäre der Weg für ein Projekt mit einem Investitionsvolumen von sieben Millionen Euro frei, erklärte Bauausschussvorsitzender Detlef Schlüter. Damit fürchten  die Gegner aber, dass es mit der Ruhe in ihrem idyllisch gelegenen Wohngebiet vorbei sei, zugleich die Grundstückspreise sinken könnten, und ihr kultureller und sportlicher Mittelpunkt den Bach runter geht. Die erschienenen Stadtvertreter, die nicht auf Unterstützung  seitens der Verwaltung bauen konnten, weil keiner aus dem Rathaus anwesend war, mussten sich eine Menge anhören.    Die Art und Weise, wie die Gegner des Pflegeheimes argumentierten und vor allem die Wahl ihrer Worte, bekam einen derart faden Beigeschmack, dass Ursula Hase sich mit einer Bitte an die Runde wandte. Die Stadtvertreterin und SPD-Fraktionsvorsitzende, die lange in der Pflege tätig war, erinnerte daran, dass das DDR-Regime  Behinderte in einer Villa mit vergitterten Fenstern  unter menschenunwürdigen Bedingungen  in Glaserhorst versteckte, weil sie wohl nicht in das Bild des sozialistischen Staates passten. „Wir haben sie 1990 da endlich herausgeholt, sie leben jetzt als gute Nachbarn in Hagenow.  So etwas darf sich nie wieder wiederholen“, so ihr Appell.

Fakt ist, wie Detlef Schlüter zusammenfasste, dass speziell dieses Vorhaben  schon häufig in den öffentlichen Sitzungen des Bauausschusses auf der Tagesordnung stand. Dies sei kein Geheimnis. Fragen zum Projekt könnten auf der  Sitzung der Stadtvertreter am 27. Februar gestellt werden. Der Punkt ist zurück in den Bauausschuss verwiesen worden, weil es noch Fragen zum Standort, zur Zuwegung und bezüglich der Finanzierung des Projektes gebe. Die Stadtverwaltung erhielt den Auftrag, sich nach weiteren machbaren Grundstücken umzusehen. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass der Investor sich bei zu viel Gegenwind zurückzieht und am Ende seine sieben Millionen Euro in einer anderen Stadt verbaut.

Kommentar: von Dietmar Kreiss

Typisch  für Mecklenburger?

Hagenow-Heide scheint in drei Lager gespalten: Da sind die Gegner des geplanten Pflegeheimes, die in ihrer Argumentation kein Blatt vor den Mund nehmen, sicher auch  Befürworter und die schweigsame Mehrheit, die bei einem sehr gut besuchten Informationsabend im Heidehaus zu Hause blieb, um vielleicht Olympia zu gucken. Der Versuch von Stadtvertretern auf dieser Veranstaltung  Antworten zu erhalten, um einen Kompromiss erreichen zu können, ist gescheitert. Eine Unterschriftensammlung unter den 850 Einwohnern dieses Stadtteiles könnte zeigen, was die Leute denn nun wollen. Die will die Bürgerinitiative durchführen. Auf das Ergebnis dürften alle Seiten gespannt sein. Jedoch stellt sich auch die Frage, woraus der emotionsgeladene Widerstand eigentlich seine Nahrung bezieht. Ist es die Angst vor Neuem? Natürlich kann niemand im Vorfeld wirklich sagen, was  Veränderungen so alles mit sich bringen. Dagegen weiß  freilich jeder, was man hat. In Hagenow Heide ist das derzeit ein Wohngebiet, das seit 20 Jahren darauf wartet, von Häuslebauern entdeckt, gewollt und bebaut zu werden. So war es, so ist es, und so soll es bleiben…?  Typisch für Mecklenburger? Vielleicht. Indes gibt es auch viele andere Beispiele.

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