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Mehr Hagenower ohne Obdach : Jung, verschuldet, obdachlos

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Jung, keine Arbeit, verschuldet: Immer mehr junge Erwachsene in der Hagenower Region finden keine Wohnung. Sozialberater appellieren an die Vermieter.

svz.de von
erstellt am 25.Aug.2012 | 02:20 Uhr

Hagenow | Jung, keine Arbeit, verschuldet: Immer mehr junge Erwachsene in der Hagenower Region finden keine Bleibe. Eine erschreckende Bilanz, die die Interessengemeinschaft für Wohnungsnotfälle des ASB in Hagenow jetzt zieht. Betroffene leben auf der Straße, in Abbruchhäusern oder kommen bei Freunden und Bekannten unter. Oder im Haus für Wohnungslose in der List-Straße. Allein 2011 leben dort acht Bewohner unter 27 Jahren - drei mehr als 2010. Tendenz steigend.

Doch bis Menschen sich Hilfe suchen und dort einziehen, ist es ein weiter Weg. Auch Sven S. aus Hagenow scheut zunächst diesen Schritt. Bis er sich dann doch an Sozialberater Christian Schindel vom ASB wendet. Trotzdem hagelt es Absagen von Vermietern. "Hilflos und gedemütigt" habe sich Sven S. gefühlt. Der 26-jährige ist nach der 8. Klasse von der Schule gegangen, mit 17 von zuhause ausgezogen - ohne Abschluss, Ausbildung und Job. Dazu kommen Strafsachen und Schulden. Fakten, die Vermieter abschrecken, weiß Christian Schindel. Er hilft Sven S., eine Wohnung zu finden. Elf Monate dauert der Kampf, bis ein Vermieter in der Innenstadt Vertrauen zum jungen Mann fasst.

Doch: Je früher Betroffene sich Hilfe suchen, um so größer seien die Erfolgsaussichten, sagt Christian Schindel. 76 Klienten aus Hagenow haben sich seit Anfang 2012 an ihn gewandt. 152 an seine Kollegin Regina Retzlaff, die für den Lübtheener, Wittenburger und Zarrentiner Bereich zuständig ist. "Die meisten kommen allerdings erst zu uns, wenn es brennt." Auch junge Erwachsene, die noch eine Bleibe haben, aber mit den Mieten im Rückstand sind. Nahezu alle haben Probleme: mit Drogen, Süchten, Schulden und in der Familie, beschreibt Christian Schindel die jungen Menschen. Und: "Sie dürften erst mit 25 Jahren bei den Eltern ausziehen." Vom Amt gebe es vorher nichts.

Doch der ASB unterstützt und vermittelt Hilfen: Wo können Gelder beantragt werden, wo gibt es Suchthilfen und Schuldnerberatungen. Und er appelliert an die Vermieter: "Jeder hat eine Chance verdient", sagt Regina Retzlaff. "Man sollte die jungen Leute nicht auf ihre Vorgeschichte reduzieren", ergänzt Christian Schindel. Der Weg zu ihnen falle vielen schwer. "Wer ihn geht, will etwas ändern." Auch Sven S.. Er möchte sein Leben auf die Reihe bekommen, eine Ausbildung als Maler oder Maurer machen. Nur so könne der gebürtige Hamburger seine Schulden angehen.Fragen beantwortet der ASB unter Telefon 03883-623156 oder -729079.

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