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Wittenburg : Jürgen Baumgarten als „Asylmeister“ beschimpft

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Amtsgericht in Hannoversch Münden eröffnet Verfahren gegen den identifizierten mutmaßlichen Beleidiger von Jürgen Baumgarten

von
erstellt am 14.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Diese Vorladung als Zeuge hat der Wittenburger Unternehmer Jürgen Baumgarten sehr gern gelesen und angenommen. Er soll am 25. Mai vor dem Amtsgericht in Hannoversch Münden gegen einen Verdächtigen aussagen, der ihn anonym in schwerster Weise beleidigt haben soll. Es geht um Baumgartens private Unterkunft für Flüchtlinge in Wittenburg (SVZ berichtete mehrfach).

Für den seit Monaten laufenden Betrieb dieser sehr gut ausgestatteten Unterkunft im Wölzower Weg hatte der 70-Jährige nicht nur Lob bekommen. Er musste auch zahlreichen Beleidigungen und Beschimpfungen ertragen, die sich in den vergangenen Wochen auch häuften. Gegen die schlimmste Beleidigung, die nach einer Sendung im NDR-Sportclub anonym bei ihm landete, setzte sich Baumgarten juristisch zur Wehr.

Sogar in die Nähe eines Zuhälters gerückt

In der Mail, die SVZ vorliegt, wird der ehemalige Motorradartist als „Asylmeister“ beschimpft, der zu viel Geld haben müsse und sich nun auch noch gefälligst um die sexuelle Versorgung der Geflüchteten zu kümmern habe. In der Folge wird Baumgarten in die Nähe eines Zuhälters gerückt und als „toller, marinierter Märchenonkel“ tituliert, der den Unterschied zwischen Kriegsflüchtlingen und reichen Sozialtouristen nicht erkennen würde. Das Ganze gipfelt schließlich in der frechen Aufforderung des Absenders, wann er denn mit seinen Kumpels in eine komfortable 200-Quadratmeter-Wohnung einziehen könne.

Baumgarten, der Derartiges eigentlich lieber direkt klärt, reichte es und er erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Der Staatsanwaltschaft ist es dann offenbar gelungen, den anonymen Hetzer zu identifizieren, und das Amtsgericht in Hannoversch Münden sah in den vorgelegten Fakten ausreichend Anlass, eine Strafsache anzustrengen, wegen Beleidigung. „Mich freut, dass es zu dem Verfahren kommt und sich derjenige, der so einen Schmutz und einen Unsinn verbreitet, erklären muss“, betonte Baumgarten gegenüber unserer Redaktion. Unabhängig von einer möglichen Verurteilung sei ihm wichtig, dass sich niemand hinter der angeblichen Anonymität des Internets verstecken könne. „Ich bin schon gespannt darauf zu erfahren, wieso ein Mann, der weit weg wohnt und den ich gar nicht kenne, dazu kommt, mich so unflätig zu beschimpfen.“

Beschimpfung ist kein Einzelfall

Ein Einzelfall ist die Beschimpfung aber nicht, wie der Unternehmer immer wieder erfahren musste. So wurde er bei den Mini-Kundgebungen der „Reichsdeutschen“, die immer donnerstags auf dem Wittenburger Markt stattfanden, wiederholt als Schlepper beschimpft. „Ich habe mich erkundigt, wer die eigentlich sind. Da lohnt sich nicht mal eine Anzeige, weil die mir einfach nur leid tun. Unabhängig davon, habe ich nicht einen einzigen Flüchtling von der Grenze abgeholt und habe das auch nicht vor“, so Baumgarten.

Was ihn immer wieder irritiert, sind die Ausbrüche ganz normaler Menschen gegen ihn, die ihn auf der Straße oder im Supermarkt offen angehen. Das sei eine Mischung aus Neid und offener Ausländerfeindlichkeit, die ihm da entgegenschlage. Vor allem seit Baumgarten öffentlich dargelegt hat, wieviel Geld er pro Tag und Flüchtling laut einem legalen Vertrag bekommt, kochte die Debatte hoch, die zeitweise auch den Kreistag erreichte.

Im Gegenzug gab es aber auch viel Lob und Anerkennung für die Unterkunft im Wölzower Weg. Vor allem die Stadt Wittenburg und in Person die Bürgermeisterin Margret Seemann hatten wiederholt erklärt, wie froh sie über die Möglichkeit der Unterbringung der Flüchtlinge auf dem privaten Gelände seien.

Dort sind aktuell 124 Frauen, Kinder und Männer untergebracht, die unterschiedlichste Aufenthaltstitel haben. Ob und wann die Unterkunft einmal leer gezogen wird, ist derzeit nicht abzusehen.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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