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Projekt "Kirchturmuhren in Not" in Melkof : Jetzt schlägts dreizehn für Zeitmesser

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"Ach, die geht doch schon seit den 50er Jahren nicht mehr", sagt ein älterer Mann, der seit 1946 in Melkof wohnt, und blickt auf das leere, zeitlose Ziffernblatt des Gotteshauses. Doch das soll sich bald schon ändern.

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erstellt am 16.Aug.2012 | 09:27 Uhr

Melkof | "Ach, die geht doch schon seit den 50er Jahren nicht mehr", sagt ein älterer Mann, der seit 1946 in Melkof wohnt. Dann wendet er sich wieder seiner Gartenarbeit zu und blickt nur ab und an auf das leere, zeitlose Ziffernblatt des örtlichen Gotteshauses. Das soll sich nach dem Willen von Pastor Christian Lange und seiner rührigen Kirchgemeinde Vellahn-Pritzier bald schon ändern.

"Die Uhr soll nicht nur endlich neue Zeiger bekommen, sondern auch ihr Werk soll gründlich restauriert werden", kündigt der 32-Jährige an, der seit März letzten Jahres die 1020 Seelen seiner Kirchgemeinde betreut. Die Kirche im Dorf Melkof sei eine spätklassizistische Kirche von 1869. Sie bilde mit dem Schloss Melkof ein Ensemble und sei in Mecklenburg einzigartig, betont der Kirchenmann. Die Gesamtinvestition beziffert er auf rund 20 000 Euro. "Bisher haben wir mehr als die Hälfte zusammen von der Kirchgemeinde, der Sparkassen-Stiftung sowie des Projektes ,Kirchturmuhren in Not", berichtet Lange weiter. Landesmittel seien außerdem angefragt.

Das eigentliche Herz des Gotteshauses, die Kirchturmuhr

Wer schon einmal einen Kirchturm bestiegen und dabei auch das eigentliche Herz des Gotteshauses, die Kirchturmuhr, besichtigen durfte, der kommt ins Grübeln: Angesichts der imponierenden Größe eines solchen Uhrwerks möchte man fast meinen, hier wird die Zeit nicht angezeigt, sondern gemacht. Stattdessen aber nagt an den Zeitmessern selbst der Zahn der Zeit - viele Kirchturmuhren in Mecklenburg-Vorpommern sind seit langem defekt und kaum mehr vor dem Verfall zu retten.

Für Uhrmachermeister Hans-Joachim Dikow ist es in diesem Fall ist es nicht fünf vor zwölf: Für ihn schlägt’s jetzt dreizehn! Der Schweriner Klockenschauster will nicht tatenlos zusehen, wie die Jahrhunderte alten Meisterwerke seiner Berufskollegen zu Schrott werden, und so brachte er kürzlich eine Idee auf den Weg. "Kirchturmuhren in Not" heißt das Projekt, das er gemeinsam mit Kirchenbaurat Karl-Heinz Schwarz erstmals öffentlich vorstellte. "Der Gedanke ist sehr einfach", sagt Dikow. "Kleine Uhren helfen großen. Die Grafikdesignerin Julia Külß hat einige Zifferblätter entworfen, auf denen verschiedene Kirchen zu sehen sind." Die Armbanduhren mit diesen Zifferblättern sollen für 29,90 Euro pro Stück verkauft werden, fünf Euro davon jeweils dem Projekt "Kirchturmuhren in Not" zugute kommen. Mittlerweile haben auch Kommunen und Vereine Uhren bereits eigene Motiven angefordert. In Zusammenarbeit mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs will man dann entscheiden, welchen Kirchturmuhren nach und nach aus ihrer Not geholfen werden kann. Der Melkofer Zeitmesser gehört jetzt dazu.

"Es wäre schön, wenn sich noch mehr Kirchgemeinden, Kommunen, und Vereine dieser Initiative anschließen würden, denn durch den Verkauf der Uhren sind allein innerhalb eines Jahres rund 1000 Euro an Spendengeldern zusammengekommen", betont Dikow.

Wer also mithelfen möchte, die Melkofer Kirchturmuhr-Sanierung zu unterstützen, hat am kommenden Sonnabend, dem 18. August, von 16 bis 22 Uhr in und am Gotteshaus Gelegenheit dazu. Denn die Kirchgemeinde und "de Klockenschauster" laden zur großen Benefizveranstaltung, der "Melkofer Sommermusik" ein.

Um 16 Uhr führen die Kinder der Kirchgemeinde Lübtheen das Musical "David und Goliath" auf. Daran schließt sich gegen 17 Uhr die Big Band "AtaXoundZ" aus Schwerin an. Um 18 Uhr gastiert der Jugendchor der Kirchgemeinde Lübtheen, gefolgt vom Lindenquintett, ebenfalls aus Lübtheen. Als Überraschungsgast hat sich ab 20 Uhr Marco Pohl mit seiner Gitarre angesagt. Ihn wird eine Sängerin begleiten.

"Der Eintritt zu dieser Veranstaltung, die einen Picknick-Charakter haben soll, ist frei. Spenden sind jedoch erbeten. Wer mag, kann Campingmöbel und Decken mitbringen, um im Freien die Atmosphäre zu genießen", sagt Christian Lange. Und er hofft auf eine rege Beteiligung. "Schließlich dient die liebevoll vorbereitete Veranstaltung einem guten Zweck."

Dorfkirche Melkof
Melkof ist ein kleines Gutsdorf mit Schloss und einer spätklassizistischen Kirche von 1869, die in ihrer Art einzigartig in Mecklenburg ist. Auf jeder Seite gliedern fünf große Bleiglasfenster das rechteckige Kirchenschiff.

Der dreigeschossige Westturm ist bereits 1999 durch eine Notsicherung wieder instand gesetzt und mit Schiefer gedeckt worden. Hier hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz geholfen. Im Osten schließt ein Sakristeibau mit Gruft das Kirchenschiff ab. Die Sakristei wurde von der Gemeinde bisher als Winterkirche genutzt. Leider war das Dach nicht mehr dicht und musste mit einer Notsicherung wieder instand gesetzt werden. Die Bauarbeiten haben im fünften Bauabschnitt begonnen und werden von „Dorfkirchen in Not“ finanziell unterstützt. Die Baumaßnahmen umfassen die Instandsetzung des Daches, u. a. die Neueindeckung mit Schiefer.

Derzeit entsteht ein Gemeindezentrum direkt im Gotteshaus – mit einem etwa 31 Quadratmeter großen Gemeinderaum und darüber mit einer Winterkirche, die auf 49 Quadratmetern etwa 50 Plätze bietet. Am 8. Dezember soll es eingeweiht werden.

Das Innere der Kirche wird von dem großen Altar aus der Bauzeit beherrscht. Das Altarbild zeigt den auferstandenen Christus.

Die Orgel ist leider nicht mehr bespielbar und stammt wohl von Carl August Buchholz und ist ein außergewöhnliches Werk und einzigartig in Mecklenburg.

Auch im Kirchenschiff hat sich durch eindringende Feuchtigkeit durch das schadhafte Dach, der echte Hausschwamm ausgebreitet. Er ist bereits erfolgreich bekämpft worden, so dass die Putzarbeiten im Innenbereich demnächst abgeschlossen werden können, wie Pastor Christian Lange gestern gegenüber der Schweriner Volkszeitung bestätigte.

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