Schmitz Cargobull Toddin : Jetzt beginnt der Arbeitskampf

Tarifkommission ist sich einig: Keine Verhandlungen.
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Tarifkommission ist sich einig: Keine Verhandlungen.

Vorstand will Standort auch weiterhin abwickeln. Gericht könnte Vorhaben vorerst stoppen. Mitarbeiter wollen heute ein Zeichen setzen

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29. Mai 2017, 07:35 Uhr

Wenigstens haben sie eine Antwort bekommen. Und sie können jetzt auch eine geben, auf die Frage, warum der Vorstand von Schmitz Cargobull den Standort Toddin schließen möchte. „Wir sind 900 Euro pro Aufflieger zu teuer“, könnten die Mitarbeiter dann sagen.

Diese Summe wurde laut Jens Kruszona, dem Betriebsratsvorsitzenden, vergangene Woche bei einer Mitarbeiterversammlung genannt. „Der Betriebsrat hatte dazu eingeladen und den Vorstand aufgefordert dort zu sagen, warum er den Standort abwickeln möchte.“ Die Konzernleitung hatte daraufhin erneut Andreas Klein, Leiter des Ressorts Operations, nach Toddin geschickt. Er habe den Arbeitern dann gesagt, dass das Unternehmen 900 Euro an Produktionskosten pro Aufflieger sparen könnte, wenn die Herstellung nach Litauen und Gotha verlagert werde. „Unglaublich!“, so Kruszonas Kommentar. „Das hat die Überprüfung ergeben.“

Ende März hatte der Vorstand mitgeteilt, dass die Produktion auf den Prüfstand kommt. Fast zeitgleich war aber auch ein Dreijahresplan für den Standort präsentiert worden. Dieser wanderte mittlerweile offensichtlich in die Tonne.

Aus der Sicht des Unternehmens sind diese 900 Euro sicherlich viel Geld. In Toddin können laut Jens Kruszona bei optimaler Belieferung 26 Auflieger die Woche produziert werden. Hochgerechnet könnte Schmitz Cargobull pro Jahr also um die 1,2 Millionen Euro mit einer Produktionsverlagerung einsparen.

Bei einem Konzernumsatz von rund 1,8 Milliarden Euro pro Geschäftsjahr sind die Sparpläne für Jens Kruszona und Hans-Georg Frericks, von der Gewerkschaft IG Metall, nicht nachzuvollziehen. Vor allem wenn die Produktionskosten genau aufgeschlüsselt würden. „In dem Produkt stecken gerade einmal sieben Prozent Personalkosten, aber 70 Prozent Materialkosten“, erklärt Frericks. „Da kann man beim Personal nichts mehr herausquetschen.“ Dennoch habe der Vorstand schriftlich per Anwalt mitteilen lassen, dass aus Kostengründen nicht über einen Tarifvertrag, also eine Beschäftigungssicherung, verhandelt werde. Im Gegenteil, der Betriebsrat solle in Verhandlungen zu einer Abwicklung, anders gesagt Schließung, eintreten. „Das haben wir aber abgelehnt“, so Kruszona.

Die Fronten scheinen demnach verhärtet und die Toddiner wollen kämpfen. Dafür haben sie sich auch konzernintern Hilfe geholt. „Dadurch dass die Produktion nach Litauen und Gotha verlagert werden soll, haben wir es mit einer Konzernbetriebsänderung zu tun. Da kann auch der Konzernbetriebsrat eingreifen“, erklärt Frericks. „Und der steht einhunderprozentig hinter uns“, ergänzt Kruszona.

Daneben hofft der Betriebsrat und die Gewerkschaft auf ein Zeichen aus Schwerin. Ein Gerichtsbeschluss könnte die Pläne des Vorstands vorerst durchkreuzen. „Der Betriebsrat hätte im Vorfeld über die geplanten Schritte informiert werden müssen“, so Frericks zum Hintergrund der Verhandlung, die heute um 13 Uhr stattfinden soll. „Da wollen wir ein Zeichen setzen.“ Die Gewerkschaft hat deshalb die Mitarbeiter am Montag zu einem Warnstreik aufgerufen. „Wir wollen uns hier in Toddin treffen und dann in einem Autokorso nach Schwerin fahren.“ 80 Mitarbeiter hätten sich schon vergangene Woche angemeldet. Es könnte also mittags in Hagenow, auf der B321 und in Schwerin zu Verkehrsbehinderungen kommen. Die Aktion sei aber erst der Anfang.

Aufgeben wird in Toddin wohl keiner. Auch die Tarifkommission, die möglicherweise über einen Sozialtarifvertrag verhandeln müsste, gibt sich kämpferisch. Bei einer Sitzung sei abgestimmt worden, dass unter den jetzigen Bedingungen nicht verhandelt werde. „Die Chancen für uns stehen immer noch bei 50/50“, so Kruszona.

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