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Zarrentin : Jedes Jahr geht ein Modellschiff zu Wasser

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Seit 1961 baut Herbert Fehring aus Zarrentin in seinen "zwei Werften" Modelsegelschiffe aus allen Jahrhunderten und Herrenwelten. Jedes Jahr lässt der rüstige Rentner eines seiner bisherigen 50 Modelle zu Wasser.

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erstellt am 08.Feb.2013 | 04:24 Uhr

Zarrentin | Seit 1961 baut Herbert Fehring aus Zarrentin in seinen "zwei Werften" Segelschiffe aus allen Jahrhunderten und Herrenwelten haargenau nach - Bereits über 50 Schiffe entstanden seither unter seinen geschickten Händen - Das Kolumbusschiff "Selipe" ist sein aktuelles Modell.

Als Herbert Fehring am 11. März 1938 geboren wurde, war die Welt fast noch in Ordnung. Da konnte der kleine Mann in der Wiege noch nicht ahnen und spüren, dass ein neuer Weltkrieg, angezettelt von Deutschland, bevorsteht. Doch der Krieg ging an der Familie Fehring nicht spurlos vorüber. Als kleiner Junge musste er erfahren, dass sein Vater an der deutschen Front in Russland gefallen ist. Und so ging das Leben nach dem Krieg weiter. Der gebürtige Zarrentiner lernte seine Lisa aus dem nahen Kogel kennen. Am 20. Dezember 1958 stand man unter dem Traualtar. Eine Ehe, die bis heute hielt. Es wurde die "Goldene" gefeiert. Inzwischen ist man 55 Jahre zusammen. Mit von der Partie waren da die vier Kinder und zehn Enkel.

Doch bei allem privaten Glück nach dem Krieg verfolgte Herbert Fehring immer wieder auch die Liebe zu den Segelschiffen, den großen und kleinen. Die Großen konnte er leider zu DDR-Zeiten nicht so in Augenschein nehmen. Da entstanden unter seinen geschickten Händen fünf Segelschiffe. Auch das Schippern auf dem nahen Zarrentiner See fand schließlich am 13. August 1961 ein jähes Ende. Man lebte von nun an im Sperrbezirk. Was ihn natürlich traurig stimmte, war aber, dass von nun an keine Boote mehr auf den See kamen.

Aus der Not machte Fehring eine Tugend. "Wenn man schon nicht aufs Wasser kommt oder ein Segelschiff besteigen kann, so soll doch die Vorstellung darüber weiter leben. Vorlagen über historische Segelschiffe konnte der gelernte Landwirt auftreiben. Und er wagte sich heran. Wenn man den kräftigen Mann erlebt, traut man ihm zunächst nicht den Bau von solch lütten Schiffsmodellen zu, denn da steckt eine Menge filigrane Arbeit, fast die eines Uhrmachers, dahinter. Doch dieser Eindruck täuscht gewaltig. Jahr für Jahr hat es der rüstige Rentner inzwischen geschafft, ein Modell zu "Wasser zu lassen".

Dass schließlich sein Wunsch in Erfüllung ging, auch selbst mal auf einem Original mitschippern zu können, muss unbedingt erwähnt werden. So begab er sich nach Amsterdam, um die Fregatte "Aust" in Augenschein zu nehmen. Gesehen hat er in Glasgow den einstigen schnellsten Teeklipper "Cuttysark", einen Dreimaster, der vor Jahren leider abgefackelt wurde und den man vor sechs Jahren wieder herrichtete. Die "Seemannsaugen" des Zarrentiners leuchten auch, wenn er von der "Passat" in Travemünde oder von seinen Erlebnissen bei der Hanse-Sail in Rostock schwärmt.

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