zur Navigation springen
Hagenower Kreisblatt

24. November 2017 | 16:20 Uhr

Amt Neuhaus : Jeder Quadratmeter heiß umkämpft

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

VSKE besorgt darüber, dass nach Rückschnitt an der Elbe zu viele Ausgleichspflanzungen an falscher Stelle gefordert werden

von
erstellt am 14.Jan.2015 | 13:11 Uhr

Eigentlich steht auch dem Vorsitzenden des Vereins zum Schutz der Kulturlandschaft und des Eigentums (VSKE) das Thema Verbuschung und Rückschnitt bis zum Hals - jedenfalls bekannte Jürgen Siems das während der Jahreshauptversammlung der Ortsgruppe Bleckede/Neuhaus. Aber natürlich war die Verbuschung während der Jahreshauptversammlung der Ortsgruppe Bleckede/Neuhaus des VSKE das bestimmende Thema. Deichverbände, der VSKE und die Menschen, die an der Elbe leben, fordern seit Jahren einen umfassenden Rückschnitt, die Behörden berufen sich auf die bestehenden Gesetze und die Umweltverbände glauben sowieso nicht, dass ein Rückschnitt für den Wasserabfluss was bringt.

Etwas Schwung in die Sache war gekommen, als die Staatssekretärin im niedersächsischen Umweltministerium, Almut Kottwitz, mit einer Delegation nach Brüssel reiste und mit dem Ergebnis wiederkam, dass auch im besonders geschützten Weiden-Auenwald in ausgesuchten Bereichen als Pilotprojekt zurückgeschnitten werden dürfe. Das ist auf niedersächsischem Gebiet zum überwiegenden Teil geschehen.


Vorgabe aus Brüssel wieder „aufgeweicht“?


In Brüssel wurde vorgeschlagen, dass Ausgleichsmaßnahmen im Verhältnis 1:1,3 stattzufinden haben (also für einen Quadratmeter geschnittenen Busch soll an anderer Stelle etwas über einen Quadratmeter neu gepflanzt werden). Außerdem können die Pflanzungen an Nebenflüssen der Elbe erfolgen, damit man nicht an der einen Stelle den Aufwuchs schneidet und an der anderen Stelle im Elbvorland wieder neu anpflanzt. Das scheint alles wieder „aufgeweicht“ zu werden, wie Jürgen Siems darlegte.

„Wir sind sehr beunruhigt, dass nun das Ausgleichsflächenverhältnis größer als 1:2 sein soll und doch auch wieder im Deichvorland gepflanzt werden soll. Ich bin von mehreren besorgten Landwirten, die Flächen im Elbvorland bewirtschaften, angesprochen worden. Wir haben Sorge, dass das nationale Hochwasserschutzprogramm durch die Verbuschung untergraben wird“ so der Vereinsvorsitzende.

Siems oder sein Stellvertreter Karsten Röhr nehmen an den Sitzungen der Projektgruppe „Abflussverbessernde Maßnahmen an der Unteren Mittelelbe“ teil. Der Rückschnitt ist nur eine von mehreren vorgesehenen Maßnahmen, die aber nicht so schnell umgesetzt werden können wie dieser. Karsten Petersen vom Niedersächsichen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) leitet die Projektgruppe. Das NLWKN begründet das erhöhte Ausgleichflächenverhältnis mit dem Ergebnis einer FFH-Verträglichkeitsuntersuchung.


Es dauert, bis Pflanzung gleichwertig ist


In der Antwort auf eine Nachfrage heißt es: „Der Mehrbedarf für die Ersatzpflanzungen wird zum einen damit begründet, dass ein Teil der Anpflanzungen erfahrungsgemäß nicht erfolgreich sein wird und zum anderen, dass bis zur Herstellung der Gleichwertigkeit der Anpflanzungen einige Jahre verstreichen werden. Nach Abschluss der Rückschnitte wird nochmals geprüft werden, ob der Umfang der Kohärenzmaßnahmen verringert werden kann.“
Hatte es zunächst geheißen, Neuanpflanzungen sollen an den Nebenflüssen der Elbe erfolgen, wird auch das wieder in Frage gestellt. „Sollten an den Nebenflüssen der Elbe in Niedersachsen und in Mecklenburg nicht ausreichend geeignete Flächen gefunden werden können, werden möglicherweise auch Kohärenzmaßnahmen im Elbvorland vorgesehen werden müssen“, so die Antwort vom NLWKN.

Hans Ebeling, Deichverbandsvorsteher aus dem Amt Neuhaus, bezweifelt, das es nicht genügend Fläche an den Nebenflüssen gibt und sagte das auch während der Versammlung.

Viele Mitglieder des VSKE meldeten sich zu Wort, alle äußerten die große Sorge über den Aufwuchs. Einer hatte sich durch alte Zeitungen gelesen und war auf eine öffentliche Bekanntmachung des Landkreises Lüneburg gestoßen. In einer Allgemeinverfügung wurden die Grundstücksbesitzer aufgefordert, im Elbvorland für einen ordnungsgemäßen Rückschnitt des Buschwerks zu sorgen. Das war im Jahre 2003.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen