Abschuss von Wildschweinen : Jäger lassen sich nicht zur „Sau machen“

Dem Schwarzwild soll es vermehrt an den Kragen gehen - gibt Till Backaus vor. Die Jäger aber sehen darin eher eine „Sauerei“.

Dem Schwarzwild soll es vermehrt an den Kragen gehen - gibt Till Backaus vor. Die Jäger aber sehen darin eher eine „Sauerei“.

Waidmänner wehren sich gegen Forderung der Politik, künftig noch mehr Wildschweine abzuschießen

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13. November 2017, 20:45 Uhr

„Die drastische Reduzierung der Schwarzwildbestände ist eine ganz entscheidende Maßnahme zur Verringerung der Gefahr, die von einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest ausgeht“, sagt kürzlich Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus. Bei Ausbruch der von Wild- auf Hausschweine übertragbaren Afrikanischen Schweinepest (ASP) drohten Hausschweinehaltungen, Schlacht- und fleischverarbeitenden Betrieben im Land existenzielle wirtschaftliche Einbrüche. „Ich appelliere an die Jägerschaft, an Landwirte und Naturschützer, sich ihrer Verantwortung beim Thema ASP zu stellen“, so der Minister. Landesmittel für ein auf zwei Jahre angelegtes Sofortprogramm in Höhe von zwei Millionen Euro seien überdies dafür aufgelegt worden.

„Unsere Schwarzwildstrecke wird die des letzten Jagdjahres bereits übersteigen. Aber wir sind doch keine Schädlingsbekämpfer. Es gibt immer noch eine Jagdethik und ein Jagdrecht“, hält Sven Drewke, der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Ludwigslust gegen die Forderung der Politik. Das eine habe doch mit dem anderen auch nichts zu tun, stellt Drewke weiter klar, der seit 2015 das Amt bekleidet und damit für etwa 1100 Mitglieder verantwortlich ist. „Zum Glück ist die ASP hier noch kein Thema, aber die Gründe, warum es zu viele Wildschweine gibt, liegen doch ganz woanders.“ In den letzten milden Wintern beispielsweise.

„Der teilweise Anbau von Monokulturen wie Raps und Mais oder das Greening der Flächen sorgt für einen gedeckten Futtertisch beim Schwarzwild. So haben sie Äsung und Deckung zugleich. Aus einem Rapsschlag von zehn Hektar Größe zum Beispiel bekommt man die Schweine nicht mehr raus. Das erschwert die Jagd, das weiß jeder Jäger“, erklärt Mario Handorf als zweiter Vorsitzender des Kreisjagdverbandes. Man sei sich der hohen Verantwortung durchaus bewusst und ASP schwebe wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Jägerschaft. „Aber ein Großteil der Waidmänner geht in der Freizeit dieser Tätigkeit nach und bemüht sich, das Handwerk, das unterschiedlich beherrscht wird, auszuüben.“ In den vergangenen Jahren habe sich auch die Rottenstruktur bei den Wildschweinen drastisch geändert. „Das ganze Jahr über findet derzeit eine Reproduktion statt. Die Rate liegt bei 300 Prozent und mehr.“ Man bejage im übrigen eine hochintelligente Wildart, stellt Handorf weiter klar. „Die Tiere passen sich einer Bejagung sofort an und verstecken sich. Wenn es sein muss, sogar bis zum Rüssel im Wasser.“

Drückjagden müssten momentan ohnehin verschoben werden, weil niemand aufgrund der Windbrüche nach den Stürmen in den Wald komme, berichtet Sven Drewke.

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