Raubtier oder ungefährlicher Streuner : Jäger fordern die Jagd auf den Wolf

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Rückkehr des Raubtiers bestimmt Diskussion auf der Versammlung der Jäger des Altkreises Ludwigslust / Weidmänner warnen vor Gefahren

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12. April 2015, 16:06 Uhr

Ludwigslust So richtig stand er eigentlich gar nicht auf der Tagesordnung, und dennoch bestimmt der auch in unsere Region zurückgekehrte Wolf vor allem die Diskussion auf der Kreisversammlung der Jägerschaft des alten Kreises Ludwigslust. Mit deutlicher Mehrheit stimmt die Vertreter der 1137 Jäger dafür, dass ihnen in Sachen Wolf zumindest zeitweise ein Jagdrecht zugestanden wird. Ein Ansinnen, das derzeit nicht die Spur einer Chance auf Verwirklichung hat. Denn der Wolf ist eines der Tiere, das in Europa besonders streng geschützt ist.

Ausgangspunkt der eigentlich nicht geplanten Abstimmung war ein Antrag des Hegeringes Dreilützow. Danach soll den Politikern empfohlen werden, eine flächendeckende Wolfspopulation im Lande nicht zu akzeptieren. Zudem sollte den Jägern zeitlich begrenzt eine gewisse Jagdausübung zugestanden werden.

Kreisvorsitzender Wilfried Röpert will diesen Beschluss nun in den Landesvorstand zumindest zur Diskussion mitnehmen. Er verwies seine Jagdkollegen darauf, wie Streng der der Schutz des Wolfes sei und niemand solle auf die Idee kommen, auf ihn zu schießen, auch nicht mit Gummigeschossen. Offizieller Stand sei, dass es im Land zwei Rudel und drei oder vier streunende Einzelgänger gäbe. Die Erfahrungen viele Jäger im Kreis sind da offenbar ganz anders. Fast jeder weiß inzwischen von Sichtungen zu berichten. Für großes Interesse sorgte auch die Schilderung von Birgit Eckart aus Karenz, die einen Augenzeugenbericht eines Jägers vorlas, der von einem Wolf angegriffen wurde und sich nur mit einem Schuss in die Erde unmittelbar vor dem Tier retten konnte. Jan Ebert aus Hagenow Heide und andere verwiesen darauf, dass man in der aufgeheizten Diskussion sehr sachlich mit dem Thema umgehen müsse. Dazu gehöre, dass man jede Sichtung und jeden Riss eines Tieres sehr sorgfältig registrieren und melden müsse.

Fazit: Die Jäger sehen in dem Wolf am Ende ein noch immer unberechenbares Raubtier, das in unserer Kulturlandschaft keinen Platz hat. Und sie halten die Positionen einige Natur- und Wolfsschützer für naiv und sehr gefährlich.

Nicht nur in der Wolfsfrage sehen sich die Jäger als Prügelknabe vor allem in der veröffentlichten Meinung. Die Hegearbeit der Weidgenossen, die sich auch und gerade um den Schutz seltener Arten kümmern, werde kaum wahrgenommen. Nicht umsonst gibt es immer wieder Appelle, die Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern. Doch dabei ist es bisher geblieben. Im letzten Jahr hatte der Kreisverband dafür 5000 Euro eingeplant. Das Geld wurde nicht abgerufen, es fehlte schlicht  an Ideen aus den Hegeringen.

Ein weiteres Problem ist die noch immer zunehmende Vergreisung der Jägerschaft, deren Durchschnittsalter im Kreis derzeit um die 65 Jahre pendelt. Dabei hat der Kreisverband eine erfolgreiche  Nachwuchsarbeit zu bieten, derzeit läuft z. B. ein Jungjägerlehrgang mit 14 Teilnehmern. Doch das reicht nicht, um die Überalterung zu stoppen. Nun gibt es den Aufruf an die Jäger, möglichst viele Interessierte einfach als Gäste mit auf die  Jagd zu nehmen. „Ladet Freunde und Bekannte ein, nehmt sie mit auf den Hochsitz, zeigt ihnen, was Jagd wirklich bedeutet und räumt mit Vorurteilen auf“, appellierte Röpert an seine Jagdkollegen. Die Zukunft der Jagd hänge entscheidend von ehrenamtlicher  Tätigkeit ab. „Jagd ist Tier-  und Artenschutz, sie ist unverzichtbar für unserer Region. Und sie ist weniger Hobby als vielmehr Leidenschaft.“

Die Strecke des vergangenen Jagdjahres:


Fallwild erreicht beachtliche Größe
Wieviel Wild gibt es eigentlich in unseren Wäldern? Eine Antwort auf die Frage geben die Zahlen über die im vergangenen Jagdjahr erlegten Tiere. Für den Altkreis Ludwigslust sah das so aus:

Beim Rotwild wurden 1637 Stück erlegt, davon waren 75 so genanntes Fallwild (meist durch Autounfälle gestorben). Ein Jagdjahr zuvor wurden 1548 Stück erlegt. Im ganzen Land waren es im letzten Jagdjahr 7275.

Beim Damwild waren es im Altkreis 2064 Stück (111 Fallwild), gegen 2337 im Jahr zuvor. Landesweit kamen 10 080 Stück zusammen.

Beim Schwarzwild wurden im Altkreis 5465 Stück (Vorjahr 6704) erlegt, im ganzen Landkreis waren es 9917, im Land 27 682. 268 Stück wurden im ganzen Landkreis zum Fallwild gezählt.

Rehwild: 12 438 Stück zu 12 112 im Vorjahr. Beachtlich hier ist die Zahl des Fallwildes, es waren 970 Stück.

Die Strecke des Jagdjahres vervollständigen 233 Hasen, 1129 Gänse und 1669 Enten.  Dazu kommen beim Raubwild   3509  Füchse,  565 Dachse, 1878  Marderhunde sowie   1078 Waschbären.

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