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Hagenower Kreisblatt

22. November 2017 | 14:09 Uhr

Lübtheen : „Ja, das war ein Fehler von uns“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Wasser- und Bodenverband Untere Elde reagiert auf Fehleinschätzung vor Feuerwehreinsatz in Benz. Keller von Anwohnerin überflutet

svz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Im Keller steht das Wasser 25 Zentimeter hoch. Selbst mit Gummistiefeln kann Sophie Pohl, die 80-jährige Dame aus Benz, kaum noch das Untergeschoss ihres Hauses betreten. Kühltruhe und Ofen stehen bereits auf Bohlen, drohen jedoch vom Wasser eingeholt zu werden. Es hilft am Montagabend nur noch ein Großeinsatz der Lübtheener und Jessenitzer Feuerwehr. Insgesamt fünf Fahrzeuge rücken aus, um die Seniorin aus ihrem Elend zu befreien, bevor die teure Technik in Mitleidenschaft gezogen wird. „Es war höchste Eisenbahn, dass etwas getan wurde. Es fehlten ja nur noch ein paar Zentimeter - dann wäre der Ofen vollgelaufen“, sagt die rüstige Rentnerin.

Doch ob es wirklich zu diesem Einsatz hätte kommen müssen, wirft im Nachhinein ein paar Fragen auf. Denn schon am Freitagvormittag hatte Thomas Schimmelpfennig, ein besorgter Bekannter und Polizist aus dem Dorf, beim Wasser- und Bodenverband Untere Elde angerufen und auf den Missstand hingewiesen. Und am Montagmorgen, nachdem über das Wochenende nichts passiert war, noch einmal nachgefragt.

Jetzt begann eine Reaktion. Eine Mitarbeiterin fuhr nach Benz, um sich vor Ort von der Hochwasserlage ein Bild zu machen. Gleichzeitig wurde ein Subunternehmen beauftragt, mit einem Bagger die umliegenden Gräben zu entkrauten. Dieser Bagger jedoch kam nicht. Zusätzlich ist es offensichtlich zu einer falschen Beurteilung der Situation gekommen. Denn an den zugestopften Gräben hatte es gar nicht gelegen wie sich im Nachhinein herausstellte. Sondern ein so genannter Durchlass war geschlossen und staute das Wasser, das dann immer mehr in die Gräben und auch in den Keller der Benzerin drückte.

„Ja, das war ein Fehler von uns. Da gibt es auch gar nichts zu beschönigen“, sagt Walter Jahnke, der Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes. Er hatte gestern einen anderen Mitarbeiter nach Benz geschickt, um sich alles genau anzusehen. Er hatte das Übel schnell entdeckt und konnte die entsprechenden Maßnahmen einleiten. „Natürlich ist es bedauerlich, dass wir das nicht gleich in Ordnung bringen konnten, aber derzeitig sind wir nur damit beschäftigt den vielen Schäden hinterherzulaufen. Wir betreuen in der Region 2000 Kilometer Wasserlauf und durch den vielen Regen und die massiven Sturmschäden wissen wir manchmal gar nicht, wo wir überall gleichzeitig sein sollen. Das ist aber keine Entschuldigung für die Fehleinschätzung in Benz. Letztlich hätte man nur ein paar hundert Meter weiter gucken müssen, dann wäre der Auslöser des Schadens gefunden worden “, sagt Walter Jahnke.

Sophie Pohl ist jedenfalls froh, dass ihr Keller demnächst nicht mehr geflutet wird. Derzeit behilft sie sich noch mit der Saugpumpe. Das Wasser sollte nun abernicht mehr nachdrücken. Besonders bedanken wollte sich die Rentnerin noch für den Einsatz von Thomas Schimmelpfennig. „Das war schon klasse wie er sich für uns eingesetzt hat. Er hat uns nicht einfach absaufen lassen.“

In der Tat - Schimmelpfennig war es nämlich auch, der während des Feuerwehreinsatzes noch mit einem Radlader ein paar Gräben saubermachte, damit nicht noch mehr Wasser in den Keller seiner Bekannten drücken konnte.

„Ich hatte mir beim Bauern kurzerhand die Technik ausgeborgt - so unter Nachbarschaftshilfe“, so der Polizist, der gestern mit 60 Jahren aus dem Polizeidienst ausschied und sich nun auf seine Pension freut. Als guter Nachbar hat er sich jetzt schon bewährt. Quasi als Freund und Helfer.

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