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Vellahnerin Simone Saggau kämpft für Rehabilitation des Großvaters : Interesse an Stasi-Akten ungebrochen

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"Das Interesse ist nach wie vor ungebrochen. Viele Antragsteller, die jetzt zu uns kommen, interessieren sich für das Schicksal von Familienangehörigen und Verwandten".

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erstellt am 26.Sep.2013 | 11:30 Uhr

Vellahn/Wittenburg | "Das Interesse ist nach wie vor ungebrochen. Viele Antragsteller, die jetzt zu uns kommen, interessieren sich für das Schicksal von Familienangehörigen und Verwandten", sagt Claudia Retemeyer, Sachgebietsleiterin im Archiv der Außenstelle Schwerin des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, kurz BStU genannt. In Zusammenarbeit mit dem Amt Wittenburg hatte die Behörde am Dienstag interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen Infotag angeboten. 78 Männer und Frauen hatten von der Möglichkeit Gebrauch gemacht und Anträge gestellt. Eine von ihnen ist Simone Saggau. Die Vellahnerin kämpft seit Jahren für die Rehabilitation ihres Großvaters Wilhelm Sailer.

Von 1914 bis 1942 als Landapotheker in Vellahn tätig

"Er war von 1914 bis 1942 als Landapotheker in Vellahn tätig", berichtet die 51-Jährige. Seit 1924 habe er sich Tag und Nacht mit Forschungen befasst, um auch in Deutschland Insulin herstellen zu können. "Ihm gelang tatsächlich als erstem Wissenschaftler in Deutschland die Herstellung eines trockenen Insulin-Präparates, dem sogenannten Germano-Insulin", erzählt die gebürtige Wittenburgerin weiter. Nach einem Forschungsaufenthalt von 1929 bis 1932 in den USA habe er sich in Vellahn mit der Herstellung von Fasern aus der bei der Produktion von Gerb- und Faserstoffen als Abfall anfallenden Zwischenrinde der Waldkiefern und Fichten befasst. Daraus könne man nämlich Säcke herstellen.

"Er erhielt mehrere Patente, doch konnte er den Erfolg seiner Arbeit nicht mehr erleben, denn er starb 1942 unter mysteriösen Umständen. Meine Großmutter Berta Sailer schrieb 1964 im August an Walter Ulbricht, den damaligen Vorsitzenden des Staatsrates der DDR. Da war sie 74 Jahre alt und lebte von einer monatlichen Fürsorge-Unterstützung, die gerade mal 94 Ostmark betrug. Es ging ihr finanziell sehr schlecht. Sie bat deshalb um Unterstützung und um Klärung, warum sie keine Witwenrente bekomme", weiß Simone Saggau aus Gesprächen mit den Eltern, Verwandten und einem Originalbrief. Nun versuche sie herauszubekommen, warum ihr Großvater als Nazi abgestempelt worden sei und ihrer Großmutter von dem einstigen Arbeiter- und Bauernstaat jegliche Hilfe zum Lebensunterhalt verweigert wurde. "Ich will endlich Antworten auf meine Fragen. Denn mein Opa hat sein ganzes Leben der Forschung gewidmet, immer im Glauben an einen guten Zweck. Ich würde so gern mehr wissen wollen über ihn und die ganze totgeschwiegene Sache. Mein Sohn hat schon versucht, über das Internet Auskünfte zu erhalten, doch das war alles sehr kompliziert. Deswegen hoffe ich im Archiv der Außenstelle Schwerin des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR etwas zu finden. Denn ich denke, dass die Stasi nach dem Brief meiner Oma an Ulbricht bestimmt nachrecherchiert hat. Vielleicht finde ich ja hier etwas Aufschlussreiches. Mein Opa war ein guter und sicherlich kein schlechter Mensch, wie von der DDR behauptet wurde. Ich will versuchen, seinen guten Ruf wieder herzustellen."

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