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Hagenower Kreisblatt

18. Dezember 2017 | 15:55 Uhr

Inkassobüro setzt Seniorin unter Druck

vom

svz.de von
erstellt am 07.Mai.2010 | 06:26 Uhr

Ein Rat, den Luise W.* (*Name der Red. bekannt) überzeugend herüber bringt. Die 70-Jährige steht seit Wochen unter Druck: Zahlreiche Glücksspielunternehmen buchen in aller Regelmäßigkeit Beträge zwischen 20 und 120 Euro von ihrem Konto ab. „Mit Unterstützung meiner Hausbank erfolgt umgehend die Rückbuchung“, sagt die Lützowerin. In der weiteren Folge flattern Briefe der Pro-Inkasso GmbH in ihr Haus. Sie fordert die alte Dame jetzt zur Zahlung von 227,21 Euro auf. „Der jüngste Brief kam Ende April. Ich weiß gar nicht, was die von mir wollen. Ich habe mich nie an den aufgeführten Glücksspielen beteiligt“, meint die Luise W.

Joachim Geburtig, Jurist der Neuen Verbraucherzentrale Mecklenburg, ist die Pro-Inkasso keine Unbekannte mehr. Er rät dennoch zur Geleassenheit: „Grundsätzlich sollten die Leute keine Angst vor solch einem Inkasso-Büro haben. Ist ein Schreiben nicht nachvollziehbar, am besten die Inkasso-Vollmacht und einen Nachweis über die Hauptforderung schriftlich vom Inkassobüro anfordern.“
Luise W. sieht die Angelegenheit mittlerweile etwas ruhiger: „Ich war bei der Polizei und habe sogar mit dem Inkasso-Büro telefoniert.“ Während die Ordnungshüter sich den Fall notierten, fand W. über die kostenpflichtige Inkasso-Telefonnummer kein Gehör: „Die haben gesagt, dass sie mein Anliegen nicht interessiere. Ich solle nur zahlen.“

Selbst von den vermeintlichen Glücksspielunternehmen musste sie sich Beschimpfungen am Telefon anhören. Wie ihre Daten letztlich in die Öffentlichkeit gelangten, bleibt aus Sicht von W. ein Rätsel. „Ich habe vor Jahren über meine Fernsehzeitung dreimal kostenlos Lotto gewonnen. Den habe ich meine Kontonummer wegen der Gewinnauszahlung mitgeteilt“, erinnert sich die Rentnerin. Aus heutiger Sicht sei sie dabei wohl Betrügern aufgesessen. Zumindest erwecken die jüngsten Geschehnisse den Eindruck, dass die Daten von Luise W. verkauft wurden.

Jurist Geburtig macht in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, „dass ein Ja am Telefon ausreicht, damit ein Vertrag zustande kommt“. Mit dem Zusenden der Unterlagen und der Widerufsbelehrung können Betroffene innerhalb von 14 Tagen solche Verträge widerrufen. Kommt es im weiteren Verlauf zu Kontoabbuchungen, liegt nach Ansicht von Geburtig ein Straftatbestand vor.
Die Verbraucherzentrale hat massenweise fragwürdigen Verträgen zu tun. Erfahrungsgemäß werden Personen angerufen, die über 70 Jahre, meist aber 80 Jahre und älter sind.

Sie würden regelmäßig Gewinnspiel-Anrufe erhalten. Es gebe Leute, die haben 30 Verträge. Geburtig sowie seine Kollegen kennen diverse juristische Mittel, mit denen solche Verträge wieder rückgängig gemacht werden können. Doch schon vorgestern flatterte bei Luise W. in Lützow wieder ein Schreiben von Pro-Inkasso in den Briefkasten, erneut werden von ihr rund 131 Euro gefordert.


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