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Ein Dorf baute sich eine eigene Kapelle : In Zweedorf steht ein Wetzel-Altar

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Noch heute schwärmen die Menschen über Albrecht Dürers Altäre. Wer weiß, vielleicht begeistern sie sich später ja auch einmal über den Wetzel-Altar in Zweedorf. Er steht in der Kapelle, die sich ein Dorf selber baute.

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erstellt am 21.Aug.2012 | 10:59 Uhr

Zweedorf | Noch heute schwärmen die Menschen über die von Albrecht Dürer geschaffenen Altäre. Wer weiß, vielleicht begeistern sie sich später ja auch einmal über den Wetzel-Altar in Zweedorf, sagt Horst Schrecke. Er steht in der Kapelle, die sich ein Dorf selber baute und schon deshalb etwas Besonderes ist. Mit Altar und Taufbecken bietet sie ihren Besuchern jetzt sogar zwei einzigartige Kunstwerke als Hingucker. Die Kirche griff in einen speziellen Fördertopf, um das Engagement jener Gemeinde zu würdigen, der es gelang, genau an der Stelle ihres abgerissenen Gotteshauses ein Neues zu errichten.

Das ist die Geschichte, die Barbara Wetzel mit ihren Werken erzählen wollte. Die Schale des Taufbeckens stammt übrigens von der Keramikerin Ute Dreist aus Crivitz. Das Drumherum ist wie auch der Altartisch aus Eiche und eine Arbeit der Bildhauerin aus dem mecklenburgischen Katelbogen. Beides hat sie, wie sie sagt, einzig und allein für die Menschen dieses Ortes entworfen und entwickelt. Und weil jeder Ort seine eigene Geschichte hat, entstanden für Zweedorf auch der eigene Altar und das eigene Taufbecken, wie sie so in keinem anderen sakralen Haus zu finden sind. Ihre Einmaligkeit ist das Besondere, sagt die Künstlerin, die den Gästen der Gottesdienste noch auf ihre Weise zusätzlich Glück bringen möchte. Die sechs Stoffbahnen an den Wänden sind ein Zeichen für die guten Mächte.

Inzwischen glaubt Horst Schrecke, dass die wohl in den vergangenen sieben Jahren häufiger an der Seite der Zweedorfer waren. Das Mitglied des Kirchenvorstandes erntet zustimmendes Nicken, von seiner Partnerin Heidi Huhn wie ebenso von Lori Winter und Horst Humpke. Bei Kathrin Valtin scheint er dagegen die Neugier noch ein wenig mehr angestachelt zu haben. Der NDR interessiert sich für die Geschichte aus Zweedorf.

Daher reiste die Redakteurin mit Kameramann und Tontechniker an, um mit Hilfe von Zeitzeugen über die Jahre von 1978 bis heute berichten zu können. Zur alten Schule steht auf dem Straßenschild, einige Meter von der Kapelle entfernt. Dorthin geht das Fernsehteam mit den Zweedorfern. Hier befand sich der Dorfteich, in dem der Bauschutt der am 18. und 19. November 1978 abgerissenen Kirche landete. Sie war eigentlich stark sanierungsbedürftig, sagt Horst Humpke. Ein altes Foto bestätigt das genauso wie Lori Winter. Es mag ja sein, dass sie nicht mehr repariert werden konnte, mutmaßt sie. Möglicherweise wollte sie vor der Kamera den eigentlich Grund nicht näher schildern. Der entstammte dem politischen Charakter einer Diktatur. Seinerzeit befürchtete die DDR-Führung, dass das Gebäude als Versteck für Flüchtlinge vor ihrem Grenzübertritt in den Westen dienen könnte.

Wie war das Leben damals? Ohne Passierschein ging gar nichts, antworten die Beiden. Und dass sie so manche Stunde auf die Grenzer warten mussten, damit diese endlich das Tor aufschlossen. Zum großen Glück ist das alles vorbei.

Das NDR-Team erfährt, dass 1992 der Traum begann, an der Stelle der abgerissenen Kirche einen neuen Ort des Friedens, der Begegnung und für Gebete zu bauen. Zwei Jahrzehnte später, nach unzähligen, nicht immer einfachen kleineren und größeren Gesprächsrunden war mit Hilfe von Spendengeldern und finanziellen Mitteln der Kirche rund 50 000 Euro zusammen gesammelt. Diese Summe entsprach den Kosten des Materials, welches fleißige Helfer in mehr als 7000 freiwilligen Arbeitsstunden verbauten. Wolfhard Meinck wird als der "Bauherr" dieser Kapelle in Erinnerung bleiben.

Der NDR will den Wetzel-Altar und die Geschichte aus Zweedorf zeigen. Geplanter Sendetermin ist heute Abend um 19.30 Uhr im Nordmagazin.

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