Wittenburg : In seinen Adern pulsieren Farben

Die alte Kapelle in Waschow lieferte für dieses Kunstwerk teilweise die Steine. Erwin Stahl hat ihnen ein zweites Leben gegeben, sie so vor dem Müll bewahrt.  Fotos: Thorsten Meier
Die alte Kapelle in Waschow lieferte für dieses Kunstwerk teilweise die Steine. Erwin Stahl hat ihnen ein zweites Leben gegeben, sie so vor dem Müll bewahrt. Fotos: Thorsten Meier

Erwin Stahl ist seit seiner Pensionierung Hobbymaler sowie kreativer Gestalter von Steincollagen und Skulpturen

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14. Juni 2017, 12:00 Uhr

Der Mann kann sich so richtig schön in Rage reden, wenn es um seine Bilder und deren Entstehung geht. Dann vergisst er für Minuten die altersschwachen Wehwechen, sprintet die Treppen in seinem Haus hoch und runter, erklärt, schwärmt und freut sich, seine etwa 250 Werke zu präsentieren. In seinen Adern pulsieren Farben, möchte der Beobachter meinen. Kein Wunder, hat das einstige Flüchtlingskind, dessen Lebensstationen über Hülseburg und Waschow letztlich in die Mühlenstadt führten, unter anderem auch als selbstständiger Malermeister und Ausbilder gearbeitet.

„Nach meiner Pensionierung als Frührentner, da war ich 59 Jahre alt, hatte ich endlich Zeit zum Malen. Schon als Kind hatten es mir Farben und Pinsel angetan. Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen, da führt man ein sehr naturverbundenes Leben“, berichtet der 76-Jährige im SVZ-Gespräch. Seine Werke haben Ausmaße von 20 mal 20 Zentimetern bis 1,5 Meter im Quadrat. „Ab September werde ich im Hagenower Rathaus ausstellen“, erzählt der Senior voller Stolz. Auch, dass er im örtlichen Pfarrhaus Bilder mit typisch mecklenburgischen Häusern zeige. In Dreilützow habe er eine kleine Telefonzelle mit Vogelbildern ausgestattet.

„Ich male jeden Tag mindestens anderthalb Stunden, dann muss ich pausieren, weil mich das ganz schön auslaugt“, sagt Erwin Stahl, der aber auch ein kreativer Gestalter von Steincollagen, Marmor- und Holzimitaten sowie originellen Skulpturen ist. Sein Garten und das Grundstück sind beredte Zeugen seines Einfallsreichtums und fast zwanzigjährigen künstlerischen Schaffens. Selbst der Gehweg ums Haus ist mit selbst gestalteten Fliesen gepflastert, die Wappen und Geburtsdaten der Familie zeigen. Auftragsmalerei käme für ihn niemals in Frage, so etwas könne und wolle er nicht. Habe er eine Idee, fertige er eine Skizze an, um den wertvollen Gedanken nicht wieder zu verlieren.

„Manchmal male ich bis spät in die Nacht, besonders, wenn etwas mein Interesse geweckt hat“, gesteht Erwin Stahl, der seine Kunst gern einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen möchte. In seinem Haus in der Dreilützower Chaussee wird es für die Bilder offenbar langsam eng. Sie schmücken fast jeden Raum. Die Staffelei beiseite stellen, das käme für den Hobbymaler niemals in Frage.

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