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Spezialbetrieb für Obstgehölze verdelt Triebe einer seltenen Apfelsorte

: In Pommau wächst Brasilapfelbaum

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Der Brasil Apfel gilt als ausgestorben, auch in der an alten Obstbeständen so reichen Elbtal-aue. Nur ein einziger echter Brasilapfelbaum hat in Pommau die Kriegs- und Sperrgebietszeiten bis heute überlebt.

svz.de von
erstellt am 10.Apr.2013 | 11:30 Uhr

Pommau/Pinneberg | Roter Brasilapfel, da läuft einem bereits bei seinem wohlklingenden und an ferne Länder erinnernden Namen das Wasser im Mund zusammen. Eine tiefrote, glänzende Schale, sattgelbes und saftiges Fruchtfleisch mit angenehmem, leicht säuerlichem Geschmack. Wenn der Brasil seine volle Reife erlangt hat, dann verfärbt sich seine Schale zu einem schillernden Violett. Kein anderer roter Apfel kann es mit dieser Färbung aufnehmen.

Leider gilt diese uralte und bewährte Apfelsorte als ausgestorben, auch in der an alten Obstbeständen so reichen Elbtal-aue. Und wenn rote Apfelbäume unter diesem Namen bei Baumschulen angeboten werden, handelt es sich nicht um einen echten Brasil.

Aber … ein einziger echter Brasilapfelbaum hat in Pommau Kriegs- und Sperrgebietszeiten überlebt. Er steht seit Marianne Sühr denken kann zwischen anderen uralten Apfelsorten auf der Streuobstwiese vor ihrem Haus direkt am Elbdeich. Die 79-jährige Pommauerin schwört auf ihren Brasil: "Das ist ein wunderbarer Apfel. Wenn man daraus Apfelmus kocht, bekommt das Mus eine rosa Farbe. Ein Gedicht! Ein Klecks Sahne darauf und schon hat man einen Nachtisch, von dem die Gäste immer schwärmen."

Bei einer Obstbaumtour durch das Amt mit Sabine Wittkopf im vergangenen Herbst ist Hermann Stolberg auf den Brasilapfel in Pommau aufmerksam geworden. Hermann Stolberg ist Hobby-Pomologe und Mitglied im Streuobstwiesenverein Lüneburg. Er hat in seinem alten Bauerngarten in Neu-Darchau selbst viele alte Obstsorten kultiviert. Gemeinsam mit der Baumschule Cordes aus Pinneberg möchte er den Brasilapfel der Nachwelt und insbesondere dem Amt Neuhaus erhalten. Die Baumschule Cordes ist ein Spezialbetrieb für Obstgehölze und Mitglied der Deutschen Genbank Obst, ein dezentrales Netzwerk, das sich seit 2008 darum bemüht, das Genmaterial alter Obstsorten zu bewahren. Die Baumschule hat bestätigt, dass der Brasilapfel aus Pommau der einzige sicher zuordbare und noch bekannte Standort dieser Sorte ist.

An einem der wenigen schönen Wintertage Ende Dezember 2012 hat Hermann Stolberg Neutriebe vom Brasilapfelbaum in Pommau geschnitten. Die Wetterbedingungen für den Schnitt - leichte Minusgrade - waren an diesem Tag ideal. Noch am gleichen Tag hat Hermann Stolberg die Triebe nach Pinneberg gebracht. Um die Triebe zu veredeln, werden sie in der Baumschule auf Sämlingsunterlagen gepfropft. Die Baumschule Cordes bevorzugt hierfür den "Graham Jubiläumsapfel", damit kräftige Halb- und Hoch-stammbäume daraus gezogen werden können. Um ganz sicher zu gehen, dass es genügend verwertbares Apfelmaterial in der Baumschule gibt, wurden Anfang März nochmals Schnitte am Brasil vorgenommen. Dieses Mal hat Hermann Stolberg gemeinsam mit seiner Frau Ute und Sabine Wittkopf ganze Äste aus der Krone des stattlichen Baumes genommen. Der Baum soll so an diesen Stellen zu kräftigen Neuaustrieben angeregt werden. Aus diesen neuen Trieben können dann im kommenden Sommer mit Hilfe der so genannten Okulationstechnik - das Veredeln mit einem Auge - neue Brasilbäume gezogen werden. Ein bisschen muss man sich noch gedulden, etwa zwei bis drei Jahre, bis es die ersten in Pinneberg vermehrten Brasilbäumchen geben wird und der Bestand des Brasilapfels gesichert ist. Der erste Baum soll übrigens als Geschenk an die Gemeinde Amt Neuhaus gehen. Marianne Sühr freut sich, dass ihr Apfelbaum so viel Beachtung bekommt. "So etwas muss man doch der Nachwelt erhalten" sagt sie und wartet schon ganz ungeduldig auf die Meldung aus Pinneberg, dass die Veredelung gelungen ist.

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