Neuenkirchen : In ihrer Welt regiert das Fröhliche

Künstlerin Ines Bargholz liebt es, mit Collagen zu experimentieren.
Künstlerin Ines Bargholz liebt es, mit Collagen zu experimentieren.

Künstlerin Ines Bargholz veröffentlicht bereits seit 12 Jahren ihre Jahreskalender, deren Ursprung aus echten Blütenblättern besteht

svz.de von
28. Dezember 2016, 12:00 Uhr

„Ich wurde als Künstlerin geboren und habe es glücklicherweise auch geschafft zu bleiben“, verrät Ines Bargholz bei einer Tasse Tee. Sie sitzt auf der gemütlichen Ledercouch am Küchentisch und blättert den von ihr gestalteten Elfenkalender für das kommende Jahr 2017 durch. Bereits seit 12 Jahren könne man den Kalender in der Camli-Edition bei ihr in der Elfenschule direkt oder über ihre Homepage erwerben. Auch der Postversand sei möglich.

„Der Name der Edition hat keine besondere Bedeutung. Vor einigen Jahren habe ich einfach mit meinem Künstlernamen ,Cami’ und den einer guten Freundin namens ,Lilie’ herumgezaubert und heraus kam diese Bezeichnung. Außerdem steckt in diesem Wort eine Blumensorte und das hat wiederum mit meiner Kunst zu tun“, erklärt die gebürtige Sachsen- Anhaltinerin im SVZ-Gespräch. Sie habe in ihrem Atelier in Neuenkirchen unzählig getrocknete und gepresste Blüten- und Pflanzenblätter, mit denen sie ihre Werke vollende. Bevor sie beginne zu arbeiten, ließe sie das Chaos regieren.

„Das sieht tatsächlich so aus, dass ich alle Schubladen und Kästen, die voll mit getrockneten Blüten sind, auskippe und vor mir ausbreite. Das mache ich, um einen guten Überblick zu bekommen. Ich habe vorher nie ein Motiv, welches ich gezielt gestalte. Das entwickelt sich durch die unterschiedliche Anordnung und das Umher-Arrangieren ganz von selbst“, schildert sie. Einen bestimmten Platz in der Natur habe sie allerdings nicht, um die vielfältigen Blüten zu entdecken, die sie anschließend selber trockne. Sie pflücke dort, wo sie gerade spazieren gehe. Auch die unterschiedlichen Stadien, in denen die Pflanzen sich zu gewissen Jahreszeiten befänden, seien für sie dabei nicht ganz unerheblich.

Die gelernte Porzellanhandwerkerin wisse zwar nicht, wie viele Sorten ihr Sammelsurium an Blättern exakt umreißen würde, doch sie erkenne jede von ihr verwendete Art wieder. „Diese Beine hier sind aus getrockneten Maisblättern. Und die Arme des Paares bestehen aus Tulpen“, weiß sie und zeigt auf das vordere Motiv ihres Kalenders. Zu sehen ist ein Liebespaar, das eng umschlungen auf einer Wiese steht und sich küsst. Erst bei näherer Betrachtung fällt auf, dass das gesamte Bild tatsächlich nur aus Pflanzenteilen besteht.

Der zukünftige Kalender zeige ein „Best of“, aus den bereits zuvor erschienenen Werken. „Meine Lieblingsbilder, sowie die der Kunden sind dort auf insgesamt zwölf Seiten festgehalten“, erzählt Bargholz, die bereits seit 16 Jahren die Unikatgalerie betreibe, weiter. Unter anderem seien am Rand des Kalenders selbstgeschriebe Zitate zu finden.

Alles in allem habe sie einen guten Monat für die sorgfältige Auswahl an Collagen für den neuen Kalender gebraucht. Danach scanne sie die angefertigten Bilder ein, um sie anschließend zu bearbeiten und zu layouten. Dabei sei es ihr enorm wichtig, dass die Helligkeit nicht übertrieben unrealistisch wirke.

„Wenn ich arbeite, lasse ich alles los und handele intuitiv. Da steckt kein Druck oder keine Angst hinter. Ich empfinde dabei Fröhlichkeit und Friedfertigkeit. Das spiegelt sich hinterher auch in meinen Collagen wieder“, sagt die studierte Künstlerin. Experimentierfreudig sei sie schon immer gewesen, was Collagen beträfe. Ihre Motive seien sehr zart und eher ruhig, behauptet sie. Daher fänden ihre Kalender auch keinen Platz in Buchhandlungen. „Ich habe es einmal ausprobiert, aber meine Werke kommen dort gar nicht zur Geltung. Neben all dem Bunten und Grellen, das heutzutage auf anderen Kalendern oder Büchern gedruckt ist, hat so etwas Zartes einen schweren Stand“, erklärt die Frau, die seit 1982 wegen des Studiums in den Norden gezogen ist. Aber das fände sie nicht schlimm, so Ines Bargholz. Ihre Kunst sei nun einmal einfach das Gegenteil von schrill und laut. Das müsse es auch geben. Außerdem stehe der Profit für sie nicht an erster Stelle, sondern die Steigerung der Auflagen. „Ich plane stets die Anzahl der gedruckten Kalender so, das am Ende keiner mehr übrig bleibt“, bemerkt sie. Es fänden sich jedes Jahr immer wieder neue Abnehmer und Liebhaber, die das Verspielte und Leichte ihrer Arbeit schätzen würden. „Blumen sind für mich einfach eine vollendete Schöpfung der Natur“, stellt sie freudig fest. Und blättert noch einmal in ihrem neuen Kalender.

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