Ludwigslust : In den Ferien fährt nur der Rufbus

Ob ein Taxi, das Spezialfahrzeug der Verkehrsgesellschaft oder ein großer Bus kommt, wird von Fall zu Fall entschieden – in Abhängigkeit von der Zahl der Fahrgäste.
Ob ein Taxi, das Spezialfahrzeug der Verkehrsgesellschaft oder ein großer Bus kommt, wird von Fall zu Fall entschieden – in Abhängigkeit von der Zahl der Fahrgäste.

Stefan Lösel im Interview: Paralleler Betrieb von großen Bussen und Rufbus wäre unwirtschaftlich. Auch an Feiertagen wird gefahren

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23. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Die Weihnachtsferien haben begonnen und mit ihnen die Zeit, in der ohne vorherigen Anruf nur noch wenige Busse durch die Region rollen. „In der Ferienzeit ist in der Fläche, also abseits der Hauptverbindungen, der Rufbus tatsächlich das alleinige öffentliche Beförderungsmittel“, sagt Stefan Lösel von der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP). Darüber und über die ersten zwei Wochen Rufbusverkehr zwischen Zarrentin und Neustadt-Glewe sprach SVZ-Redakteurin Kathrin Neumann mit dem Geschäftsführer.

Beim Blick auf den Aushang an seiner Bushaltestelle reibt sich manch’ Fahrgast verwundert die Augen. Es sind doch so einige Touren weggefallen.

Mit der Fahrplanumstellung haben wir das Rufbussystem auf die hiesige Region ausgeweitet. Dadurch können die Fahrgäste sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr von jeder Haltestelle aus mit dem Bus fahren. Im Gegenzug sind eine Reihe von Fahrten mit den großen Bussen weggefallen, insbesondere jene, die bisher nur ein- oder zweimal pro Woche angeboten wurden. Rufbus und große Busse parallel fahren zu lassen, wäre nicht wirtschaftlich gewesen. In der Schulzeit bedeutet das, dass morgens und am frühen Nachmittag große Busse fahren, um die Schüler zur Schule zu bringen, und der Rufbus eine Ergänzung für die Zeit dazwischen und danach ist. In den Ferien ist der Rufbus dann in weiten Teilen der Region das alleinige öffentliche Beförderungsmittel, die Fahrten mit den großen Bussen entfallen fast komplett. Damit erreichen wir aber eine flächendeckende Mobilität, die es erlaubt, ohne Auto zu leben und den öffentlichen Personennahverkehr für den Weg zur Arbeit zu nutzen. Das war mit einer Fahrt pro Woche früher natürlich nicht machbar.

Wird der Rufbus tatsächlich auch für den Weg zur Arbeit genutzt?

Ja. Das sehen wir am Männeranteil unter den Nutzern. In anderen Rufbus-Projekten liegt der Anteil der Frauen bei 95 Prozent. Bei uns sind es 40 Prozent Männer. Dieser hohe Anteil zeigt, dass sich viele Berufspendler darunter befinden. Ansonsten wird der Rufbus vor allem genutzt, um sich im nächsten Grundzentrum zu versorgen, um zum Einkaufen, zum Arzt oder zur Apotheke zu kommen.

365 Tage im Jahr bedeutet, dass Ihre Rufbus-Fahrzeuge auch Heiligabend, Silvester und Neujahr fahren?

Natürlich. Das ist der große Unterschied zu vorher. Wir fahren auch an den Feiertagen den vollen Fahrplan durch – nach Anruf. Wir freuen uns über jeden Fahrgast, der das nutzt. Allerdings gibt es bei der Bestellung des Rufbusses eine kleine Einschränkung. Am 24., 25. und 26. Dezember sowie am 31. Dezember und am 1. Januar sind keine Anrufe möglich. Wer an einem dieser Tage fahren möchte, muss uns das also schon vorher mitteilen. Ansonsten ist die Rufbus-Zentrale montags bis sonnabends von 6 bis 18 Uhr besetzt.

Wer hilft Fahrgästen, die mit dem neuen System noch nicht recht klarkommen?

An den Aushängen an jeder Haltestelle kann man schauen, ob der gewohnte Bus noch fährt oder nicht. Wer Fragen hat oder sich unsicher ist, kann unsere Zentrale (Tel. 03883/ 616161) anrufen. Dort kann man nicht nur den Rufbus bestellen, sondern bekommt auch eine Fahrplanauskunft. Wer keinen der 77 000 Flyer mit den Rufbuszonen bekommen hat, kann ebenfalls anrufen. Unsere Mitarbeiter schicken ihn dann zu, genauso wie den Rufbusfahrplan für den betreffenden Wohnort und erklären alles.

Wie verlief der Start des Rufbussystems rund um Ludwigslust und Hagenow?

Unsere Erwartungen werden voll erfüllt, es läuft sogar etwas besser an als vor gut einem Jahr in der Region Parchim-Plau. In den ersten anderthalb Wochen hatten wir in Hagenow 139 Bestellungen mit einem oder mehreren Fahrgästen, in Ludwigslust 73 und in Parchim 60. Je weiter man Richtung Westen kommt, desto größer scheint die Nachfrage.

Manch’ Fahrgast schreckt vor dem Anruf zurück, weil er nicht für sich allein einen Bus bestellen will…

Das sollte niemand. Wir fahren auch für einen einzelnen Fahrgast und wählen das jeweilige Fahrzeug entsprechend der Zahl der Mitfahrer aus. Das kann dann ein Taxi sein, unser speziell ausgerüstetes Fahrzeug, das auch einen Rollstuhl mitnehmen kann, oder bei größeren Gruppen ein Bus. Wir hatten schon Fälle, wo vier, fünf Fahrgäste unabhängig voneinander ein und dieselbe Rufbustour bestellt hatten und dachten, sie säßen allein im Fahrzeug.

Wann bestellt der durchschnittliche Rufbus-Fahrgast seinen Bus?

Weit über die Hälfte der Fahrgäste bestellt die Tour schon mehrere Tage vorher, Berufspendler zum Beispiel für die ganze Woche. Nicht einmal einer von zehn meldet sich erst zwei Stunden vor der geplanten Abfahrt. Man kann den Bus auch ohne Bedenken frühzeitig bestellen, denn storniert werden kann immer noch, wenn etwas dazwischenkommt. Das passiert etwa bei jeder zehnten Fahrt und ist normal.

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