Hobby-Gärtner immer älter : Immer mehr Kleingärten verwaisen

Höchster Garten-Leerstand: 56 Prozent in einem Verein in Ludwigslust. Danach folgen Vereine in Malliß, Hagenow-Land und Boizenburg. Archiv/nien
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Höchster Garten-Leerstand: 56 Prozent in einem Verein in Ludwigslust. Danach folgen Vereine in Malliß, Hagenow-Land und Boizenburg. Archiv/nien

Immer mehr Kleingärten im Landkreis verwaisen. Den größten Leerstand zählen Vereine in Ludwigslust, Malliß, Hagenow-Land und Boizenburg. Vor allem das steigende Alter der Hobby-Gärtner sei ein Grund für diesen Trend.

svz.de von
25. März 2013, 11:23 Uhr

Redefin | Immer mehr Kleingärten im Landkreis verwaisen. Den größten Leerstand zählen Vereine in Ludwigslust, Malliß, Hagenow-Land und Boizenburg. "Absolute Härtefälle" mit zum Teil mehr als 50 Prozent Wildwuchs, so Vorstandsvorsitzender Herbert Werner am Sonnabend auf der Delegiertenversammlung der Gartenfreunde des Regionalverbands Südwest-Mecklenburg in Redefin. Doch die würden das Gesamtbild beeinflussen. Drei Vereine hat der Verband im letzten Jahr verloren, unter anderen die Sparte "Erholung" aus Ludwigslust, weil die Rechtsfähigkeit nicht mehr gegeben war. Zu wenig Mitglieder, zu wenig Kandidaten für einen Vorstand. Letzte Option: Auflösung.

Vor allem das steigende Alter der Hobby-Gärtner sei ein Grund für diesen Trend, sagt Herbert Werner. 60 bis 65 Jahre sind der Schnitt. Tendenz steigend. "Der demografische Wandel hinterlässt auch bei uns seine Spuren." Zudem trage der veränderte Arbeitsmarkt seinen Teil dazu bei. Immer mehr Pendler, die keine Zeit und Muße mehr zum Gärtnern haben.

Probleme, die sich auch auf die Verbandsarbeit auswirken. Neun Vorstandsmitglieder sind am Sonnabend neu gewählt worden. Kandidaten dafür zu finden, werde allerdings immer schwieriger. Denn es müssten alle Regionen abgedeckt werden, um die Nähe zu den Vereinen zu halten. In Dömitz ist das dieses Jahr nicht gelungen. Stattdessen sind zwei Vertreter aus Ludwigslust gewählt worden, um das auszugleichen. Es sei einfach wichtig, die Menschen auf kurzem Wege zu erreichen, so der Verbandschef. "Gerade weil es sich um ehrenamtliche Arbeit handelt." Das sei auch ein Grund, warum man sich nicht an die Strukturen der Kreisreform anpassen wolle. Zumindest noch nicht. "Die Fläche wäre einfach zu weitläufig." Schon jetzt beanspruche das Ehrenamt viel Zeit. Der Parchimer Verband sehe das genauso. Statt auf Fusion setze man auf enge Kooperation. "Wir glauben, das ist derzeit die richtige Entscheidung." Die Zeit werde zeigen, ob und wann ein Zusammenschluss nötig wird. Ausgeschlossen sei er nicht.

Denn mit der Zahl der Kleingarten-Vereine von 53 auf 50 in den letzten beiden Jahren sinkt auch die Zahl der bewirtschafteten Gärten von 2875 auf 2491. Hoffnung setzt Herbert Werner auf die neuen pflegeleichteren Seniorengärten. Bis zu zehn Prozent der Parzellen einer Anlage können demnach als solche ausgewiesen werden, wenn denn der Verein das anerkennt. Bislang würden sich viele aus körperlichen Gründen von ihrem grünen Idyll trennen, sagt Werner. Mit dem neuen Modell könnten sie ihre Gärten behalten, da sie weniger anbauen müssten. Die Vereine seien jetzt in der Verantwortung, den Bedarf in ihren Parzellen zu ermitteln.

Außerdem müsste verstärkt die Werbetrommel für jungen Nachwuchs gerührt werden. "Es gibt zwar schon Lichtblicke im Verbandsgebiet." Etwa in Stadtnähe mit einem größeren Zuzug. Die allgemeine Tendenz sehe aber anders aus. Herbert Werner kennt das aus seinem Verein "Reichsbahn" in Hagenow-Land. Seit 30 Jahren ist er dort Vorsitzender. Seit der Wende schleppe er 29 leere Gärten mit sich, ohne gute Chancen, sie wieder zu vermitteln. Mit Auflösung des ehemaligen Eisenbahnknotenpunktes Anfang der 1990er seien viele weggezogen. Das auszugleichen, sei kaum möglich.

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