Preten : Im Glück mit tausend Schafen

Martha mit einem echten Osterlamm. Es wurde am Ostersonntag geboren.
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Martha mit einem echten Osterlamm. Es wurde am Ostersonntag geboren.

Martha Loose lernt in der Schäferei Seebürger

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29. März 2016, 21:00 Uhr

Ein Griff an die Hinterläufe, ein beherzter Ruck und – zack – sitzt das verdutzte Mutterschaf auf seinem Hintern. Martha Loose schlingt einen Arm um das Tier, holt mit der anderen Hand ihr Messer aus der Tasche und beginnt mit der Klauenpflege. In einer der Klauen hat sich eine Entzündung angesiedelt und die junge Frau schneidet sie auf. Dann wird noch ein Mittel zur Desinfektion aufgesprüht und das Schaf aus dem Klammergriff entlassen.

Martha ist im ersten Lehrjahr zur Tierwirtin für Schäferei, Schäferin heißt das heute nicht mehr. Ihre Ausbildung macht sie im Betrieb von Klaus Seebürger in Preten. Die 18-Jährige ist kein Dorfkind, sie wuchs in Schwerin auf und ging dort zur Schule. Aber für alle Arten von Tieren konnte sie sich schon immer begeistern und mit Tieren wollte sie auch in ihrem künftigen Beruf zu tun haben. Und die Tiere sollten möglichst artgerecht gehalten werden, wodurch einige Ausbildungsgänge schon mal nicht in Frage kamen. Den Ausschlag gab aber ein Lehrer, als es in der Schule um Berufsfindung ging und er von „ausgestorbenen Berufen“, wie zum Beispiel dem des Schäfers, sprach.

Marthas Neugierde war geweckt. Schafe wurden doch gehalten, wie das wohl heutzutage ablief? Sie machte sich kundig und absolvierte noch in der Schulzeit ein Praktikum in der Schäferei Seebürger. „Ich durfte alles machen, bin überall mitgelaufen und war dann überzeugt, dass das das Richtige für mich ist.“

Die junge Frau kann man sich im schicken Business-Dress auch gut in einer Bank oder hinter einem Empfang im Sterne-Hotel vorstellen, aber Martha selbst kann das nicht. „Ich muss draußen sein!“ Morgens um sieben Uhr ist auf der Hofstelle in Preten Besprechung und dann geht es raus zu einer der Herden. In der Schäferei Seebürger werden die Herden noch gehütet, dass heißt, man zieht langsam über einen Deich oder über Grasflächen. Die Hütehunde halten die Herde zusammen. Der Umgang mit ihnen will auch gelernt sein. „Ganz zu Anfang hatte ich eine alte, erfahrene Hündin, die weiß von alleine, was sie machen muss.“ Die Klauenpflege passiert eigentlich jeden Tag, abends wird eine Koppel gebaut, in der die Tiere über Nacht sind. Jetzt in der Ablammzeit muss besonders auf die trächtigen Muttertiere geachtet werden, die meist mit ihrem neugeborenen Lamm für einige Tage mit zur Hofstelle genommen werden.

Einmal im Monat geht es für Martha eine Woche zur Schule nach Halle, einer von nur noch zweien, die zum Tierwirt für Schäferei ausbilden. Hier geht es um Fachmathe, Tiergesundheit, Betriebslehre und noch so einiges mehr.

Wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, kann sich Martha vorstellen , für eine gewisse Zeit ins Ausland zu gehen, um andere Formen der Schafhaltung kennenzulernen. Vielleicht nach Neuseeland, dem Land der Schafzucht. Und irgendwann möchte sie was „Eigenes“ haben, selbst verantwortlich sein. Aber jetzt kommt erstmal die Ausbildung.

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