Zahrensdorf : Ihr seid willkommen

Amtsvorsteherin Angelika Voss und stellvertretender Bürgermeister Frank Ahlers fühlen sich allein gelassen.   Fotos: Katja Frick
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Amtsvorsteherin Angelika Voss und stellvertretender Bürgermeister Frank Ahlers fühlen sich allein gelassen. Fotos: Katja Frick

Die Unterbringung der Flüchtlinge in Zahrensdorf funktioniert nur durch die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer

svz.de von
10. September 2015, 18:12 Uhr

Amtsvorsteherin Angelika Voss war am Mittwochabend nicht nur mit den Zuständen in Horst äußerst unzufrieden, sondern beklagte auch die Bedingungen in der Notunterkunft in Zahrensdorf. Unisono mit dem stellvertretenden Bürgermeister Frank Ahlers sagte sie der SVZ: „Wir fühlen uns hier mit den Flüchtlingen allein gelassen. Das ist alles sehr schlecht organisiert. Es gibt nur drei Betreuer von der BBS Start, die aber nur für die Versorgung zuständig sind. Die geben ihr bestes, aber sie fühlen sich völlig überfordert.“ Kurze Zeit zuvor waren neue Flüchtlinge in Zahrensdorf eingetroffen, unter ihnen diesmal zahlreiche und kleine Kinder, während von den ersten noch viele da waren. Da mussten Betten neu hergerichtet und bezogen, Hunger gestillt und hygienische Bedürfnisse befriedigt werden. Vor allem musste der Ansturm von Fragen beantwortet werden. „Es gibt hier keinen Dolmetscher. Die Helfer hier sprechen alle weder englisch noch russisch. Bis heute Nachmittag wussten die Menschen hier weder, wo sie sind noch was sie hier sollen oder wie lange sie bleiben werden.“ Dementsprechend machte sich eine Familie mit drei kleinen Kindern zu Fuß auf den Weg nach Hamburg. Doch dann kamen Menschen, die Sach- und Essensspenden brachten und die englisch sprachen. Die SVZ-Redakteurin konnte der Familie mit sieben Kindern aus dem ukrainischen Kriegsgebiet auf russisch sagen, wo sie sind, so dass der Familienvater seinen Boizenburger Freund anrufen konnte. „Es gibt hier auch keine medizinische Erstversorgung“, beklagte Angelika Voss weiter. „Die Menschen, die gestern hier waren, hatten teilweise Wunden oder husteten, aber hier war kein Arzt, nur ganz kurz Leute vom DRK.“ Dafür ist die Hilfs- und Spendenbereitschaft der Zahrensdorfer und der Menschen aus der Umgebung beeindruckend. „Ohne die vielen ehrenamtlichen, liebevollen Helfer würde das hier nicht funktionieren“, sind sich Angelika Voss und Frank Ahlers einig. „Sie schauen, wo geholfen werden muss und packen mit an. Sie packen Kartons aus, beziehen Betten, haben eine Tischtennisplatte in der Mitte der Halle aufgestellt. Vorhin war eine Frau hier mit ihrem Auto voller nagelneuer Bettdecken, die auch sofort gebraucht wurden. Ich möchte diesen Menschen ganz herzlich danken.“ Frank Ahlers berichtete, dass die Gemeindevertreter in einer außerordentlichen Sitzung am Abend zuvor entschieden hatten, dass sie umgehend für die Flüchtlinge WLAN zur Verfügung stellen wollen, damit sie endlich nach Hause telefonieren können. Die SVZ begleitete eine Freundesgruppe aus Boizenburg, die beschlossen hatte, Kuchen für die geflüchteten Menschen zu backen sowie Kleider- und Spielzeugspenden zu sammeln. Vielen von ihnen standen beim Anblick der Menschen in der Halle die Tränen in den Augen. „Wenn man das hier sieht, dann werden die eigenen Probleme ganz klein“, meinte die 22-Jährige Jennifer, die im Pflegedienst ihrer Mutter in Lauenburg arbeitet. Die Schicksale, von denen die hier Gestrandeten erzählen, sind tatsächlich bewegend.

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