Stipelse : Ihr Lieblingsplatz ist auf dem Deich

Das Leben hinterm Deich von Stiepelse ist der Lebenstraum von Regina Byell.
Das Leben hinterm Deich von Stiepelse ist der Lebenstraum von Regina Byell.

Regina Byell hat sich in Stiepelse Lebenstraum erfüllt Gebürtige Neuhauserin lacht für ihr Leben gern und hasst Arroganz und Gier

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08. April 2017, 12:00 Uhr

Gastgeberin zu sein, sei immer ihr Lebenstraum gewesen, gesteht Regina Byell und nimmt genießerisch einen tiefen Schluck aus ihrem Kaffeebecher. Die gelernte Schaufensterdekorateurin hat sich eben diesen großen Wunsch vor gut einem Jahr erfüllt. Nach einer recht turbulenten Karriere, u. a. als Fährfrau, Selbstständige, Angestellte, Servierkraft auf einem Fahrgastschiff, „Mädchen für alles“ in einer Schäferei und Mitarbeiterin des Wasserbeschaffungsverbandes Sude-Schaale. Zusammen mit ihrem Lebenspartner Peter Hoenow schuf sie im einstigen Strandhaus im 80-Seelen-Ort einen gemütlichen Anlaufpunkt für Einheimische wie Auswärtige. Mit Erfolg. Und einem Lächeln auf den Lippen. Das hat sie sich bewahrt, trotz vieler krummer Lebenswege, Irrlichter und einiger recht bitterer Erfahrungen. Zur Not male sie sich ein Schmunzeln ins Gesicht, sagt sie. Denn die gebürtige Neuhauserin lacht für ihr Leben gern. Weiß auch, dass viele Menschen um sie herum von diesem Lachen leben. „Wer aus seinen Niederlagen nichts lernt, wird niemals Sieger sein“, betont die Weltoffene, der besonders Zeitgenossen suspekt sind, die von Macht, Arroganz und Gier besessen seien. Die dafür stattdessen versucht, das Wertvollste zu verschenkten, was sie besitzt, nämlich Zeit. Die nimmt sie sich oft für andere, kann zuhören, trösten oder einfach nur in Verbundenheit schweigen. Gegen den Lärm der Welt.

SVZ-Redakteur Thorsten Meier beantwortet die 51-Jährige die beliebten Fragen zum Wochenende. In ihrem Cafe „Plan-b“, gleich hinterm Deich. Dort, wo das Elbewasser niemals ruht und immer im Fluss ist. Wie das Leben eben.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Schenkt dir das Leben Zitronen, mache Limonade daraus.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Auf dem Deich gleich hinter der Haustür. Den Ausblick liebe ich, diese Weite des Flusses und des Himmels.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Ich habe zu Hause einen Gartenzaun gestrichen mit weißer Farbe. Dafür habe ich von meinem Vater dann Geld bekommen.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Das weiß ich noch ganz genau. Nämlich für eine Kleinbildkamera. Mit ihr habe ich gelernt, das Besondere zu sehen. Das muss nicht immer gewaltig sein. Sondern findet eher im Kleinen, Unscheinbaren statt.
Wo findet man Sie am ehesten?
In meinem Kaffee, außer mittwochs und donnerstags, bin ich hier immer ab 12 Uhr anzutreffen. Am Wochenende sogar bis 20 Uhr.

Was stört Sie an anderen?
Och, da gibt es eine Menge: Beispielsweise Arroganz, Unfreundlichkeit, Gier und Verlogenheit. Ich bin leider manchmal etwas zu vertrauensselig. (zuckt entschuldigend mit den Schultern)
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Da steht für mich eigentlich Udo Kühn. Er ist ein Nachbar und Freund, dem im letzten Jahr beide Beine oberhalb der Knie amputiert wurden, als Maßnahme für eine anschließende Herzoperation. Er hat die OP überlebt und spiegelt mein Lebensmotto mit der Zitrone wider. Er geht mit mutmachendem Beispiel voran, ohne, dass er gehen kann. Sitzt ja nur noch im Rollstuhl und freut sich dennoch seines Lebens.

Was ist das Schönste am Morgen für Sie?
Mit der Kaffeetasse den Tag auf dem Deich begrüßen.
Was bedeutet Ihnen persönliches Glück?
Gesundheit und Liebe.
Sind Sie ein Kopf- oder eher ein Bauchmensch?
Ganz klar bin ich Bauchmensch. Mindestens zweimal.
Wonach suchen Sie im Leben?
Nach Harmonie, denn ohne sie gibt es keinen inneren Seelenfrieden.
Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Käse, Joghurt, Saft. Ich kaufe immer frisch ein, je nach Lust und Geschmack. So landet weniger im Mülleimer.
Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?
Zuhause die umgebaute Scheune so ausbauen, dass Fenster ins Dach kommen. Von der Sonne geweckt zu werden, ist das Schönste, was es gibt. Da startet man gleich ganz anders in den Tag.
Wen würden Sie gern mal auf einen Becher Kaffee treffen?
Ina Müller, Moderatorin, Entertainerin und Sängerin. Die Frau ist so herzerfrischend authentisch, geradeheraus und verstellt sich nicht. Sie lacht gern, so wie ich auch.
Können Sie sich mit nur einem einzigen Wort beschreiben?
emphatisch
Wo ist für Sie Heimat?
In Stiepelse an der Elbe.
Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer ersten Reise?
Mit Jugendtourist nach Ungarn an den Balaton. Ohne Eltern natürlich, denn damals war das ganze Leben eine große Party. (grinst verschmitzt)
Wenn Sie kochen oder Essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Ich liebe arabische Küche, diese Gewürzvielfalt, lecker. Mediterranes folgt als Zweites. Im Winter darf es aber auch Grünkohl mit Kohlwurst sein.
Worauf könnten Sie niemals verzichten?
Auf die Zuneigung und Liebe meiner Kinder und Enkel.
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
1. Gesundheit. 2. Weltfrieden.

3. Mein Auskommen haben.

Welches Buch lesen sie gerade?

Ein Backbuch, weil ich gerne Neues ausprobiere.

Wem sollen wir ebenfalls diese Fragen stellen?

Heidemarie Gaede, sie ist Ortsvorsteherin, ehemalige Lehrerin, und kämpft sich alleine durchs Leben. Sie hat ihre demenzkranke Mutter gepflegt und sich bisher niemals unterkriegen lassen. Für das Dorf ist sie eine große Bereicherung.

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