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Tour entlang Ex-DDR-Grenzen : Ihr Herzschlag gilt Ost-Mopeds

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Verschworene Truppe von Simson- und MZ-Liebhabern will ab 18. Juni einstige DDR in nur einer Woche umrunden

Einst als gängiges Fortbewegungsmittel auf zwei Rädern genutzt, sind Ost-Mopeds heute längst Kult. Und bei unzähligen Liebhabern und unerschrockenen Schraubern, Bastlern und Tüftlern wieder im Alltag angekommen.  Auch wenn der Arbeiter- und Bauernstaat vor einem Viertel-Jahrhundert sang- und klanglos untergegangen ist. Die Vogelserie aus Suhl mit Sperber, Schwalbe, Spatz, Star sowie Mokicks der S 50- und S 70-Serie, Rollern wie auch die Motorräder aus Zschopau namens ES, TS und  ETZ überlebt in der Gunst der Fans bis in heutige Tage. Bis zu 85 000 Maschinen wurden dort pro Jahr gebaut und in rund 100 Länder exportiert. Nach der Wende wurde das Unternehmen privatisiert und noch gerade mal 750 Beschäftigte machten 1991 schweren Herzens das Licht aus. 

Mit Marke Eigenbau den Wald umgepflügt

„Ich bin mit Ost-Mopeds groß geworden. 1988 habe ich  einen KR 50 zur Crossmaschine umgebaut. Das war der Vorgänger der Schwalbe. Wir haben das Blechkleid runtergerissen, einen neuen Sitz drauf gebaut und mit der Zweigang-Handschaltung den Wald umgepflügt“, erinnert sich grinsend  Nico Bösler. Der 40-Jährige ist nie richtig losgekommen von den Zweitaktern, deren Benzin immer noch mit Öl angereichert werden muss. S 70 Enduro und S 70 Komfort, Sperber sowie eine militärgrüne TS 250/1A gehören heute zu seiner erlesenen Sammlung. Auf  der S 70 Komfort will er zusammen mit neun anderen Enthusiasten am Sonnabend, dem 18. Juni, um 8 Uhr vom Lübtheener Lindenplatz zu einer 2000-Kilometer-Tour aufbrechen. „Wir wollen innerhalb einer Woche einmal um die ehemalige DDR“, erklärt der gebürtige Lübtheener.

Und das ohne Begleitfahrzeug, sondern nur mit dem, was in Rucksäcken und Seitentaschen verstaut werden könne. „Das muss reichen“, sagt der Industriemeister entschlossen und spricht selig lächelnd von  „Abenteuer pur“. Er und Alexander Boschek aus Lübtheen hatten übrigens die spleenige Idee, die die Fahrer u. a. durch den Harz, über Eisenach nach Suhl, Zschkopau, Augustusburg, Dresden, Radebeul und schließlich wieder Richtung Küste bringen wird.

Zur Truppe gehört auch Andreas Krakow. Der 39-jährige Vellahner will mit seiner 1989 erbauten ETZ 250 am Rundkurs teilnehmen. Als Glanzstück unter den Kulteisen zählt die 45 Jahre alte ES 250/2 von Torsten Lüth aus Schwerin. „Die Reise wird entschleunigtes Fahren“, so der 44-Jährige.

Liebe zu den DDR-Zweirädern eint

Ähnlich empfindet das auch Jan Reinecke aus Zarrentin. Er wird sich in den Sattel eines S 51 Komfort schwingen. Stück für Stück hat der 35-Jährige seinen rollenden Schatz über den letzten Winter neuaufgebaut und weiß lackiert. So wie sie früher im Orginallack daherkam. „Ich habe Nico vor sechs Jahren kennengelernt. Da ist gleich der Funke für alte DDR-Zweiräder übergesprungen“, verrät der Produktionsplaner, der außerdem davon fasziniert sei, wie robust doch die alte Technik sei.

Sven Lamitschka aus Lübtheen pflichtet ihm nickend bei. Der 40-Jährige ist in seine ETZ 250 vernarrt. „Ich kenne Nico schon aus der Schulzeit. Wir sind mit den Zweitaktern großgeworden. Wir können gar nicht anders. Unser Herz schlägt für diese Technik.“

Ein bisschen Sentimentalität sei schon dabei, diesen Ausflug zu veranstalten, gesteht Nico Bösler. Aber sie seien eben alle auch in der einstigen DDR geboren. „Wir wollen sie zwar nicht wiederhaben, aber sie ist auch ein Stück verlorene Heimat für uns. Mit tollen Landschaften und ganz vielen Sehenswürdigkeiten. Dass wir das Simson-Museum in Suhl besuchen und das DDR-Museum in Radebeul, versteht sich von selbst.“

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erstellt am 08.Mai.2016 | 15:49 Uhr

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