Landtagswahl 2016 : „Ich setze auf Sieg, nicht auf Platz“

Dr. Till Backhaus, der neue alte Direktkandidat der SPD im Wahlkreis 017 für die Landtagswahl 2016.
Foto:
1 von 2
Dr. Till Backhaus, der neue alte Direktkandidat der SPD im Wahlkreis 017 für die Landtagswahl 2016.

Till Backhaus (57) will auch bei diesem Test seinen Wahlkreis direkt gewinnen und weiter von Schwerin aus gestalten

von
21. August 2016, 16:47 Uhr

Nein, mit Rückenwind aus Berlin rechnet er wirklich nicht. Er braucht ihn auch nicht, in seinem Wahlkreis. Den will er gewinnen, wieder einmal. Daran lässt er bei allen sorgenvollen Blicken auf die derzeitigen Umfrageergebnisse keinen Zweifel. „Ich setze auf Sieg, nicht auf Platz“, stellt der 57-jährige Till Backhaus beim Gespräch in Zarrentin klar. Und dann berichtet er von Wahlveranstaltungen in den vergangenen Tagen, die reihenweise gut besucht waren. Und auf denen offen geredet wurde. Backhaus: „Dabei habe ich immer wieder gehört, dass die Menschen sich hier Sorgen machen. Sorgen wegen der Flüchtlingssituation. Ich habe dazu immer gesagt: Menschen, die in Not sind, denen müssen wir helfen. Wir erwarten aber auch von ihnen, dass sie sich an unser Grundgesetz und unsere Gepflogenheiten halten. Und wer das nicht macht, der hat hier nichts zu suchen.“

Der kleine Minister, der aus dem Gebiet des Amtes Neuhaus kommt und der als Abteilungsleiter der damaligen Lübtheener LPG zur Wendezeit in die Politik kam, liebt bei allen ausschweifenden Reden auch die klaren Worte. „Ich bin ganz klar für ein Einwanderungsgesetz, das muss jetzt kommen. Und das Flüchtlingsproblem muss auf die Dauer europäisch gelöst werden. Anders geht es nicht.“ Es gibt ein paar Schlagworte, die der Landwirtschafts- und Umweltminister in seinen vielen Reden neben seinen gelben Karteikarten gern verwendet: „Dienstältester Minister, schönster und süßester Landkreis, Heimatverbundenheit.“ Alles stimmt. Er wohnt zwar bei Rostock, ist aber oft im Wahlkreis, er ist der Kümmerer, für nicht wenige in der Verwaltung ist er der wichtigste Kontakt zur Landesregierung. Und er ist der Mann, der Zugang zu den wichtigsten und größten Fördertöpfen hat. Besonders sichtbar ist das in den vergangenen Jahren in Redefin geworden, die Sanierung des Landgestütes und dessen gesicherte Zukunft als Landeseinrichtung gehen ganz wesentlich auf ihn zurück.

Er will gestalten, formen, er hat schon jede Menge Termine für den Herbst im Kopf, und er ist einer von zwei Landwirtschaftsministern bundesweit, die noch vom Fach sind.

Im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern sitzt Till Backhaus seit es den gibt. Zuvor war er als Ur-Sozialdemokrat, der mit den damaligen „Blockflöten“ nicht konnte und nicht wollte, auch in die letzte Volkskammer gewählt worden. „Ich denke, dass ich meiner Heimat rund um Neuhaus immer verbunden geblieben bin und auch immer das Ohr an der Masse habe und dass ich diesen Wahlkreis immer gut in Schwerin vertreten habe. Für mich sind die Wahlen alle fünf Jahre ein Test. Ich neige nicht zur Überheblichkeit. Gerade ein Minister hat ein Diener des Volkes zu sein. Und ich möchte weiter gestalten, das, was wir hier alle angefangen haben, fortsetzen.

Er meint seine beiden Biosphären, die Kernzone auf dem alten Truppenübungsplatz Lübtheen, die ländlichen Räume, die Förderungen für Wege, Dorfgemeinschaftshäuser. Er meint die bevorstehenden Umbrüche in der Landwirtschaft. „Wir haben viele Strukturen geschaffen, auch wenn ich nicht verstanden habe, warum ausgerechnet Hagenow sein Gericht aufgeben musste. Seitdem wir als SPD das Sagen im Land haben, führten wir das Land aus der Verschuldung, die uns die CDU hinterlassen hatte. Wir hätten die Kreisgebietsreform umfassender gestaltet, wir haben dafür gesorgt, dass große Mengen an EU-Geldern in die Region geflossen sind. Ich hoffe, das alles zählt am Wahltag. Wir hatten ja leider bei vielen Wahlen im Land die Situation, dass uns die Bundestrends nicht geholfen haben.“

Gedanken über ein Aufgeben oder Scheitern macht Backhaus sich nicht. Er wisse schlicht nicht, wie viele Bezüge er durch seine Mandate oder das Ministeramt schon angehäuft habe. Das interessiere ihn auch nicht.

Wer ihn in den letzten Wochen erlebt hat, der weiß, dass der kleine Mann mit markanter Stimme das Kämpfen noch lange nicht verlernt hat.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen