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Hagenower Kreisblatt

18. Dezember 2017 | 10:12 Uhr

Serie : „Ich sehe das Zimmer wie ein Gast“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Ein Tag als: Zimmermädchen/Volontärin Jacqueline Worch half beim Housekeeping in der Dömitzer Hafengastronomie

Schon von der Rezeption aus sieht man das imposante Schiff, das in der Dömitzer Hafengastronomie als Restaurant genutzt wird. Es ist riesig, hat viele Nischen und kleine Ecken, doch es ist blitzblank. Dafür sorgt das Team vom Housekeeping der Dömitzer Hafengastronomie. Heute werde ich, Volontärin Jacqueline Worch, sie begleiten.

Manja May ist bereits seit zehn Jahren im Housekeeping der Dömitzer Hafengastronimie tätig. Heute ist sie die Leiterin des Teams. „Wir haben heute einiges zu tun“, sagt sie vorbereitend. Denn zum Housekeeping gehört weitaus mehr, als das Beziehen der Betten mit frischer Bettwäsche und das Säubern des Badezimmers.

Am Wochenende findet im Hotel eine Hochzeit statt. Der große Festsaal ist bereits hergerichtet, die Tische eingedeckt. Doch damit die Gäste auch den atemberaubenden Blick auf den Hafen und das Wasser genießen können, müssen die Fensterfronten und Decken noch von Spinnweben gereinigt werden. Dazu bedient sich Claudia Hacker eines riesigen Geräts, das einem Staubwedel ähnelt. Er lässt sich soweit ausfahren, dass die junge Mutter die etwa 25 Meter hohen Decken erreicht. Vorsichtig geht sie die Balken und Fensterfronten entlang.

Claudia Hacker ist erst seit wenigen Monaten beim Housekeeping, beherrscht jedoch schon jetzt jeden Handgriff. In kürzester Zeit entfernt sie Spinnweben und Schmutz, ohne die eingedeckten Tische auch nur ansatzweise zu beschmutzen.

Dann geht es zum gläsernen Fahrstuhl - Fingerabdrücke und Verschmierungen entfernen. Gar nicht so einfach, wenn sich das zu putzende Objekt immer wieder bewegt, sich die Türen öffnen und schließen und man hin und wieder plötzlich und unfreiwillig die Etage wechselt. Doch auch das gehört zu den Aufgaben des Housekeeping, denn schließlich befördert der Fahrstuhl tagtäglich Dutzende Gäste, ist permanent im Einsatz.

Ein Blick auf die Uhr verrät, dass die Damen bereits seit Stunden im Einsatz sind und doch ist es nicht mal mittags. Zu viert sind sie für gewöhnlich im Hotel unterwegs. Nicht viel, wenn man die Größe der Dömitzer Hafengastronomie bedenkt. Und doch strahlt alles vor Sauberkeit. „Ein kleiner Putzfimmel hilft dabei“, verrät mir Claudia Hacker mit einem Lachen.

Da Gäste bis 11 Uhr die Möglichkeit haben auszuchecken, können Manja May und ihre Kollegen erst anschließend in die Zimmer, um sie zu säubern und für neue Gäste herzurichten. Eine halbe Stunde haben sie pro Zimmer Zeit. Betten beziehen, Badezimmer reinigen, Staub wischen, Fußböden saugen. „Wenn ich ein Zimmer betrete, sehe ich es wie ein Gast“, erklärt mir Claudia Hacker. Sie würde schauen, was sie als Gast stören oder was ihr gefallen würde und richtet es dementsprechend her. Ob sie sich beim Reinigen der Zimmer nicht manchmal ekeln würden, frage ich sie. Schließlich müssten sie den Schmutz, die Haare und den Unrat fremder Leute beseitigen. So dürfe man nicht an die Arbeit herangehen, sagt mir Manja May, die in ihren zehn Jahren im Housekeeping bereits einiges erlebt hat. „Nach einer Weile denkt man nicht mehr darüber nach“, bestätigt mir auch Claudia Hacker.

Ich sehe mich im Zimmer um und versuche zu denken wie Claudia Hacker - als Gast würde ich mich hier wohlfühlen, hätte nichts zu beanstanden Bewaffnet mit Handtüchern und Bettwäsche geht es zum nächsten Zimmer, im Auftrag für den nächsten Gast.

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