Boissow : „Ich habe mich durch mein Leben gemalt“

Besonders mit seinen Bleistiftzeichnungen hat sich Udo Beschoner aus Boissow der Schönheit des Unauffälligen verschrieben.
Besonders mit seinen Bleistiftzeichnungen hat sich Udo Beschoner aus Boissow der Schönheit des Unauffälligen verschrieben.

Udo Beschoner aus Boissow (77) arbeitet derzeit an einer neuen Serie von Bleistiftzeichnungen. Verwitterte Bäume sind sein immer wieder bevorzugtes Motiv.

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16. Januar 2018, 12:00 Uhr

Zurück zu den Wurzeln sei er gekehrt, bekennt der Maler, Zeichner und Fotograf Udo Beschoner, der seit 2003 im Ort lebt und arbeitet. „Bleistift und Papier, mehr braucht es eigentlich nicht, um festzuhalten, was und wie ich es sehe“, sagt der 77-Jährige, der sich der Schönheit des Unauffälligen verschrieben hat. Der gebürtige Lausitzer hebt in seinen Bildern bevorzugt Dinge hervor, die nach unseren Maßstäben gar nicht zu zählen scheinen. Abgestorbene Weiden, verwitterte Bäume, windgeformte Kiefern und natürlich der fast unendlich wirkende Himmel in Mecklenburg-Vorpommern.

Bäume als  bevorzugtes Motiv

„Bäume sind mein bevorzugtes Motiv, ihnen fühle ich mich verbunden. Denn ich bin seit Kindesbeinen an ein großer Fan der Natur“, gesteht der Künstler, der sich in seinem doch recht bewegten bisherigen Dasein bereits als Speditionsbote, Hilfszimmermann, Tapezierer, Schaufenstergestalter, Hafenarbeiter und Theatermaler durchschlug, um die Familie durchzubringen. Auf den Bühnen der Hansestadt Lübeck, des Deutschen Schauspielhauses sowie des Thalia-Theaters in Hamburg habe er gelernt, richtig groß zu malen, erzählt Beschoner. Bilder von 15 mal zehn Metern seien keine Seltenheit gewesen, ebenso Rundhorizonte bis zu 30 Metern. Das kleinste von ihm je gemalte Werk habe gerade mal Postkartengröße.

Er, der in der märkischen Heide großgeworden ist und 1957 in den Westen „rübermachte“, studierte auch Malerei in Hamburg und Berlin. Heute arbeite er immer noch gerne nachts, bis in den Morgen hinein, verrät Beschoner im SVZ-Gespräch. „Ich habe mich durch mein Leben gemalt“, sagt er schmunzelnd. Zeitweise auch als „malende Hure“, wie er selbstkritisch gesteht. „Das war während meiner Galeriezeit, als ich Geld verdienen musste, um Brot auf den Tisch zu bekommen.“ Jahre, zu denen er dennoch stehe, auch wenn er nicht sonderlich stolz auf sie sei. „Ich war innerlich kaum noch beteiligt, habe nur abgeliefert“, erinnert sich der Maler, der seine Arbeiten nur noch mit Boissow signiert. Zur Zeit arbeitet er unterm Dach der alten Schule an einer neuen Serie von Bleistiftzeichnungen, allesamt mit weichen Linien und einer Unaufgeregtheit, der neben herber Schönheit auch verlässliche Beständigkeit innewohnt.


Camera Obscura fängt Besonderes ein
 

Mit seiner Camera Obscura fängt Beschoner überdies seltene Momentaufnahmen ein. Fotografie und Malerei sind für den Wahl-Boissower untrennbar miteinander verbunden. Denn schon Maler des 17. Jahrhunderts nutzen die Lochkamera dazu, naturgetreue Abbildungen zu erzielen. „Man erhält wunderbare Fotos mit einzigartiger Stimmung“, schwärmt der Künstler, der die Ergebnisse dieser doch recht seltenen Technik immer wieder gern auch in seinen Ausstellungen zeigt und die Betrachter zum Staunen bringt. „Diese Bilder wirken ein bisschen wie aus der Zeit gefallen. Sie strahlen eine Ruhe aus, wie sie in unserer hektischen Zeit kaum noch zu finden, geschweige denn zu erleben ist. In ihnen kann man nachvollziehen, wie etwas zeitlos wird.“

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