Neuhaus : „Ich bin ein Niedersachse!“

Die Gemeinde Amt Neuhaus ist der Fusion mit Dahlenburg und Bleckede ein Stück näher gerückt. Die Ratsmitglieder stimmten mehrheitlich dafür.
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Die Gemeinde Amt Neuhaus ist der Fusion mit Dahlenburg und Bleckede ein Stück näher gerückt. Die Ratsmitglieder stimmten mehrheitlich dafür.

Jahrelang diskutierten Neuhauser die Rückgliederung nach Niedersachsen

svz.de von
08. Januar 2018, 12:00 Uhr

Vor beinahe 25 Jahren, am 30. Juni 1993, um genau zu sein, erfüllte sich der Wunsch tausender Neuhauser. Mit dem Staatsvertrag zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen wurde die Gemeinde nach mehr als 45 Jahren vom mecklenburg-vorpommerischen Landkreis Hagenow wieder zum niedersächsischen Landkreis Lüneburg zurückgegliedert.

Vor 1945 gehörte das Amt Neuhaus beinahe komplett zu Niedersachsen. Einzige Ausnahme bildete das Dorf Niendorf, das bereits vor Kriegsende zum Land Mecklenburg zählte. Wie also kam es dazu, dass das Amt Neuhaus überhaupt zum mecklenburg-vorpommerischen Hoheitsgebiet gezählt wurde?

Gehörte das ehemals hannoversche Gebiet nach dem Zweiten Weltkrieg kurzzeitig noch zur britischen Besatzungszone, wurde es bereits im Juli 1945 an die sowjetische Besatzungszone übergeben. Die fehlende Brücke und die dadurch befürchteten Versorgungsschwierigkeiten waren die Gründe dafür.

Zwar zieht sich bis heute keine Brücke als Verbindung beider Gebiete über die Elbe, doch die Einwohner der Gemeinde Amt Neuhaus spürten immer die Verbundenheit zum ehemaligen Königreich Hannover und damit zum Bundesland Niedersachsen. Nach der Öffnung der Grenzen wurde dann der Wunsch nach einer Rückgliederung von Mecklenburg-Vorpommern in das Altbundesland laut.

So berichteten wir: Beinahe zwei Jahre vor der Rückgliederung, fing die Schweriner Volkszeitung an, darüber zu berichten – welche Wünsche gibt es hinsichtlich der Bevölkerung, welche Auswirkungen hat es auf Unternehmen, Wirtschaft und Politik, welche Möglichkeiten gibt es überhaupt, die ergriffen werden können, um dem Wunsch der Gemeinde nach einer Rückgliederung gerecht zu werden. Immer mit dabei – die Redakteure der SVZ, die mit ihren Lesern, Abonnenten und Einwohnern vor Ort über ihre Wünsche, Hoffnungen und Ängste hinsichtlich der Rückgliederung nach Niedersachsen gesprochen und sie dabei begleitet hat.
So berichteten wir: Beinahe zwei Jahre vor der Rückgliederung, fing die Schweriner Volkszeitung an, darüber zu berichten – welche Wünsche gibt es hinsichtlich der Bevölkerung, welche Auswirkungen hat es auf Unternehmen, Wirtschaft und Politik, welche Möglichkeiten gibt es überhaupt, die ergriffen werden können, um dem Wunsch der Gemeinde nach einer Rückgliederung gerecht zu werden. Immer mit dabei – die Redakteure der SVZ, die mit ihren Lesern, Abonnenten und Einwohnern vor Ort über ihre Wünsche, Hoffnungen und Ängste hinsichtlich der Rückgliederung nach Niedersachsen gesprochen und sie dabei begleitet hat.
 

Schritt für Schritt näherten sich das Amt Neuhaus und Niedersachsen wieder an. Bereits vor der offiziellen Rückgliederung am 30. Juni 1993, wurden die Bande gestärkt. So gehörten die Kirchengemeinden des Amtes Neuhaus beispielsweise bereits seit dem 1. Januar 1992 zur evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover. Gefeiert wurde dieser Umstand mit einem besonderen Gottesdienst in der Neuhauser Kirche in Anwesenheit der Landesbischöfe von Schwerin und Hannover. „Die evangelisch-lutherische Kirche hat die Rückgliederung in das Altbundesland bereits vollzogen“, hieß es dazu im Januar 1992 von den SVZ-Redakteuren Dietmar Kreiß und Jürgen Hamann. „Eine Entscheidung auf staatlicher Ebene läßt aber noch auf sich warten.“

Den Neuhausern dauerte die stets präsente Diskussion um die Rückgliederung jedoch zu lang. Sie wollten Ergebnisse sehen, wollten wieder Niedersachsen sein. „Die 6 000 Bürger in diesem Bereich fühlen sich allmählich verschaukelt“, schrieb der damalige Hagenower Lokalchef Reinhard Wiechmann. „Jeder Tag, den das noch dauert, ist ein Tag zu viel“, sagte Bäckermeister Manfred Ickert im damaligen Gespräch mit unserer Zeitung.

„Mit der Rückführung bietet sich für die Landesregierung Niedersachsen die große Gelegenheit, zum Vorreiter für das Zusammenwachsen der beiden Teile Deutschlands auf Landesebene zu werden“, sagte der damalige SVZ-Mitarbeiter Walter Frank in einem Beitrag im Januar 1993. „Begreifen und nutzen die Niedersachsen diese historische Chance, was vor allem den aus Mecklenburg-Vorpommern scheidenden Bürgern zu wünschen wäre, könnten auch wir Mecklenburger sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge ziehen lassen.“ Am 30. Juni 1993 war es schließlich soweit – der Wunsch der Neuhauser wurde erfüllt. Nun konnten auch sie in Anlehnung an John F. Kennedys Aussage behaupten: „Ich bin ein Niedersachse!“

Doch längst nicht alle Einwohner des Amtes Neuhaus standen der Rückgliederung nach Niedersachsen positiv gegenüber. „Das ganze Vertragswerk ist mir zu unsicher. Ich sehe uns Landwirte mit dem schwarzen Peter“, hieß es von dem damals 39-jährigen Gesellschafter des Landgutes Joachim Oelke. Welchen Herausforderungen und Existenzängsten sich die Neuhauser durch die Rückgliederung konfrontiert sahen, erfahren Sie nächste Woche.

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