Unterzeichnung auf dem Elbberg : Hochwasserschutz wächst zusammen

Blau sind die 6 Sudepolder gekennzeichnet, die bei Hochwasser geflutet werden können. Grafik: StALU
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Blau sind die 6 Sudepolder gekennzeichnet, die bei Hochwasser geflutet werden können. Grafik: StALU

27 Jahre nach der Wende haben es Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen geschafft, ein gemeinsames Sudepolder-Management zu erarbeiten

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01. Juni 2017, 05:00 Uhr

Erstaunlich, dass es bis jetzt trotzdem immer funktioniert hat. Das fanden auch die Verantwortlichen für den Hochwasserschutz aus Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen am Mittwochnachmittag auf dem Elbberg bei der Unterzeichnung der Bedienvorschrift für das Sudepolder-Management in der Region. Die Sude ist ein Nebenfluss der Elbe und hat damit im Wortsinne einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung des Wasserpegels im Ernstfall. Immerhin 4  100 Hektar Überflutungsfläche in sechs Poldern betrifft die Verwaltungsvereinbarung. „Die bisherige Bedienvorschrift war von 1964“, erklärte Frank Müller, Leiter der Abteilung Naturschutz, Wasser und Boden im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Westmecklenburg den Anwesenden. Sechs Jahre habe es gedauert von der Idee zur Erarbeitung der neuen Vorschrift bis zu ihrer Unterzeichnung, erläuterte Amtsleiterin Regina Rinas.

Wilhelm Siefert, ehrenamtlicher Vorsteher des Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverbandes, erinnerte daran, dass die Reihenfolge der Flutung der Polder bei Hochwasser bis zur Wende durch die gemeinsame Polderleitstelle von DDR und BRD geregelt wurde und sich die unterschiedlichen Verantwortlichen nun erstmals seitdem so zusammengefunden hätten, dass das Polder-Management wie zur Zeit der Leitstelle funktionieren könne.

Alle Beteiligten gaben zu, dass ihnen dieses Polder-Management zu Beginn der gemeinsamen Erarbeitung nach dem Hochwasser 2011 ein Buch mit sieben Siegeln war. Im Ernstfall habe die Flutung der Sudepolder bisher nur funktioniert, weil die Abläufe dafür in den Köpfen langjähriger Mitarbeiter abgespeichert waren. „Leider gehen jetzt so viele gleichzeitig in den Ruhestand“, bedauerte Landrat Rolf Christiansen, der den Landkreis Ludwigslust-Parchim vertrat. Deshalb sei es sehr wichtig, dass dieses Wissen nun dokumentiert wurde, weil es sonst verloren ginge.

Alle Beteiligten waren sich auch darüber einig, dass erst die gemeinsame Erarbeitung der Vorschrift zu einem gegenseitigen Verstehen der Strukturen für den Hochwasserschutz in den beiden betreffenden Bundesländern geführt habe. „Bei Ihnen in MV ist die Unterhaltung der Deiche beispielsweise Landesaufgabe, bei uns im Landkreis Lüneburg Aufgabe des Deich- und Unterhaltungsverbandes“, erläuterte Lüneburgs stellvertretender Landrat Wolfram Kallweit.

„Schön ist auch, dass dass Wasser nun nicht mehr an der Landesgrenze halt macht“, witzelte Frank Müller und meinte damit die gemeinsame Karte für alle Sudepolder, von denen einige sich teilweise über beide Bundesländer erstrecken. „Bisher war auf den Karten jedenfalls immer an der Landesgrenze Schluss.“

„Wir sind sehr mit der Bedienvorschrift zufrieden“, fasste Birgit Hellinger aus dem niedersächsischen Umweltministerium zusammen und sprach damit ausnahmslos die Meinung aller Anwesenden aus.

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