Deichschau : Hochwasser: Boizenburg am stärksten in Gefahr

Der neue Deich ist die durchgehende rote Linie vom Boizenburger Hafen bis nach Gothmann.  Grafik: StALU WM
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Der neue Deich ist die durchgehende rote Linie vom Boizenburger Hafen bis nach Gothmann. Grafik: StALU WM

Minister Till Backhaus stellte den Entwurf für das neue Hochwasserschutzkonzept an der Elbe in MV vor.

svz.de von
12. Mai 2017, 05:00 Uhr

Bei einem nächsten Hochwasser wäre Boizenburg am stärksten gefährdet. Dieser Umstand wurde bei der Frühjahrsdeichschau für den Bereich Boizenburg am Mittwoch bekannt. Bei dieser Gelegenheit stellte Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) den zahlreichen Verantwortlichen von StALU, Naturschutz, Bundeswehr, Polizei, Gewässerpflege, Stadt- und Amtsverwaltung sowie Gästen aus den Nachbarländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein den Entwurf für das neue Hochwasserschutzkonzept für die Elbe in MV vor.

Nachdem bereits 2015 durch neue Berechnungen der Bemessungshochwasserpegel – das ist der derzeit der bei einem Hochwasser als höchstmöglicher angenommene Pegel der Elbe bei Wittenberge – aktualisiert wurde, bei dem 4545 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abfließen müssen, wurden nun auch die Defizitanalyse und das Schadenspotenzial berechnet, eine Prioritätenliste erstellt und es wird an „Maßnahmesteckbriefen“ gearbeitet. Demnach sind die eineinhalb Kilometer Hafendeich und die zwei Kilometer rechter Elbe- bzw. rechter Sudedeich bei Boizenburg um 75 Zentimeter zu niedrig, das heißt, die Deiche haben nur noch 25 Zentimeter Freibord, während Experten einem Meter Sicherheit als zwingend erforderlich sehen. Bei Gothmann ist der Deich 44 Zentimeter zu niedrig und bei Dömitz 61 Zentimeter. Zusätzlich gefährdet ist Boizenburg aber noch, weil sich am Elbberg kurz hinter der Stadt der Bereich, durch den Wasser abfließen kann, von 1000 bis auf 600 Meter verengt.

Der als Variante zwei im Herbst angedachte, zwei Kilometer lange und 8,58 Meter hohe Deichneubau zwischen dem Boizenburger Hafen und Gothmann entlang der Alten Boize und über den Altendorfer Weg, ist nun beschlossene Sache. In Höhe Gothmann wird ein Stemmtor in die Sude gebaut. Der jetzige rechte Elbedeich und der rechte Sudedeich erhalten Schlitzungen, so dass bei Hochwasser die 74 Hektar zwischen alten Deichen und dem neuen überflutet werden können. Till Backhaus übergab für das Projekt am Mittwoch einen Fördermittelbescheid in Höhe von 14,5 Millionen Euro an Clemens Löbnitz, den verantwortlichen Mitarbeiter des StALU. „Wir bringen jetzt das Planfeststellungsverfahren auf den Weg und lassen gerade den Untergrund prüfen“, erklärte dieser.

„Wir sind bei einem Hochwasser froh über jeden Zentimeter weniger“, erklärte Bürgermeister Harald Jäschke in Richtung Till Backhaus am Mittwoch. „Aber wir heißen ja ‚Boizenburg an der Elbe‘ und wollen weiterhin Zugang zur Elbe haben.“ Der Minister sicherte zu, die touristischen Infrastrukturen bei dem Projekt erhalten zu wollen. Auf dem rechten Elbe- bzw. rechten Sudedeich führt einer der schönsten Abschnitte des immer beliebter werdenden Elberadwegs entlang.

Aufsehenerregend waren am Mittwoch auch die zum ersten Mal in der Öffentlichkeit vorgestellten Zahlen zur Entwicklung des Gehölzbewuchses an der Elbe von 1975 bis 2016. Obwohl Michael Lübke, der mit der dafür zu Grunde liegenden Kartierung und ihrer Auswertung befasste Dezernent des StALU, darum bat, die Zahlen mit Vorbehalt zu behandeln, steht nun eine Zunahme allein der Fläche des Gehölzbewuchses für die Region Boizenburg von drei auf 43 Hektar im Raum. Für die Region Dömitz wuchs die Fläche von 7,5 auf 16 Hektar. Wahrscheinliche Ursache für die rasante Zunahme im Boizenburger Bereich dürfte sein, dass hier die Grenze zur BRD verlief, 1990 betrug hier die Fläche mit Gehölzbewuchs nur 13,6 Hektar.

„Wir leben in einer Natur- und Kulturlandschaft“, sagte Till Backhaus. „Doch auch im Biosphärenreservat hat der Hochwasserschutz und der Schutz der Menschen für mich Priorität. Wir werden in den Gehölzbewuchs eingreifen müssen.“ Dabei sei ihm wichtig, dass ein Kompromiss zwischen Hochwasser- und Naturschutz gefunden werde.

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