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Biomasseheizkraftwerk in Boizenburg : Hitzige Debatte über heißes Thema

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Ein Investor plant den Bau eines Biomasseheizkraftwerkes auf dem Elbberg in Boizenburg. Doch das schmeckt den Einwohner gar nicht. Sie fordern von der Stadt ein unmissverständliches Nein zu dem Projekt.

svz.de von
erstellt am 19.Dez.2012 | 06:04 Uhr

Boizenburg | Die Nachricht traf die Boizenburger wie ein Blitz aus heiterem Himmel und verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Ein Investor will auf dem Elbberg ein Biomasseheizkraftwerk errichten.

Bei einer solchen Ankündigung beginnt die Boizenburger Seele zu brodeln. Die Stimmung ist bei den Elbestädtern sofort angespannt. Das sollte sich am Dienstagabend auf der Sitzung der Stadtvertreter eindrucksvoll zeigen. Da besetzten die Besucher mehr Stühle, als die Mitglieder des Gremiums und die Anwesenden der Verwaltungsspitze zusammen. Die magnetische Wirkung dürfte niemanden wirklich überrascht haben. Biomasse auf dem Elbberg, das ist ein brisantes Thema, welches die Gemüter der Bewohner erhitzt.

Stimmt es, dass am Stadtpark ein Kraftwerk entstehen soll? Martina Kreußler gelang es, mit dieser Frage die Sorge des Publikums auf den Punkt zu bringen. Ja, es trifft zu, dass die Eigentümerin des ehemaligen Kraftwerksgeländes am Elbberg einen Antrag nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz auf Genehmigung einer entsprechenden Anlage gestellt hat, antwortete Bürgermeister Harald Jäschke.

Projekte wie diese mobilisieren die Boizenburger. Sie haben da ihre Erfahrungen. Die reichen zurück in die zweite Hälfte des Jahres 2005. Da plante die International Utilities Group (IUG) ein Heizkraftwerk an eben dieser Stelle. Im November des gleichen Jahres initiierten die Boizenburger eine Unterschriftensammlung dagegen. Auf die Anfrage der IUG gab es ungefähr 600 Mal Nein, auch von einigen Betrieben. Die Stadtvertreter erteilten für diesen Standort kein Baurecht, so dass der Nachbar des Stadtparks ein so genannter bauplanerischer Außenbereich blieb.

Nun entbrennt um dieses Terrain erneut eine heiße Diskussion. Bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus, dass Hanseaten diese entzündeten. Die Erneuerbare Energie GmbH soll der Hamburg Energie Strom liefern. Die wiederum ist, nach Recherchen von Rainer Wilmer (BfB) eine 100-prozentige Tochter der Hamburger Wasserwerke, und deren alleiniger Eigentümer ist die Freie und Hansestadt. Offensichtlich glauben die Hamburger ein Projekt, dass in ihrer dicht besiedelten Großstadt nicht machbar wäre, am Rande der Metropolregion realisieren zu können.

Wie es heißt, sollen täglich 17 bis 38 Lkw in der Zeit von 7 bis 20 Uhr unbelastetes Altholz, das als Biomasse aufbereitet ist, in den Boizenburger Ortsteil Vier karren, damit das Kraftwerk daraus Strom und Fernwärme erzeugen kann. Der Antrag ist beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Westmecklenburg gestellt, das Verfahren läuft.

Auch die Stadt werde im Rahmen dieses Verfahrens beteiligt und müsse bis Mitte Februar 2013 eine entsprechende Stellungnahme dazu abgeben, die in den Gremien zu erarbeiten ist, sagte der Verwaltungschef und fügte hinzu, dass seines Wissens auch die Untere Bauaufsichtsbehörde des Landkreises diesen Plänen ausgesprochen kritisch gegenüberstehe.

Formulieren Sie unmissverständlich in der Stellungnahme, dass der Elbberg kein Standort für ein Kraftwerk ist, forderte Martina Kreußler. Wir Boizenburger wollen dort keine Biomasse verbrennen, weil es die Lebensqualität der Einwohner und Touristen schmälert, und es wohl kaum eine harmonische Bereicherung für die vorhandene Flora und Fauna des Biosphärenreservates ist.

Wie bleiben wir auf dem Laufenden?, fragte die Frauenärztin, die in Sichtweite des avisierten Biomasseheizkraftwerkes wohnt. Am 22. Januar 2013 berät der Bauausschuss zu diesem Thema. Sicher erhält er für seine Empfehlung an die Stadtvertretung weitere gute Argumente von einer Einwohnerversammlung, zu der der Bürgermeister auf Antrag von der Fraktion "BfB" vorher einladen will. Bei dieser Ankündigung gab es Beifall im Pausenraum der Tarnow-Schule.

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