Zarrentin : Historische Zeitreise in die Bücherwelt

Bernd Schlawer bietet die Zeitreise ins Mittelalter und seine Gutenberg-Presse seit 15 Jahren gratis für Schulen an.  Fotos: Thorsten Meier
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Bernd Schlawer bietet die Zeitreise ins Mittelalter und seine Gutenberg-Presse seit 15 Jahren gratis für Schulen an. Fotos: Thorsten Meier

Zarrentiner Schüler lernen Anfänge der Druckerei und die historische Gutenberg-Presse kennen / Um 1452 entstand erste Bibel in lateinischer Sprache

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18. April 2015, 16:00 Uhr

„Hier wirken beim Druck Kräfte von bis zu 500 Kilo“, berichtet Bernd Schlawer, der in dieser Woche an zwei Tagen zahlreiche Klassen der Fritz-Reuter-Schule die historische Gutenberg-Presse erklärt und die Drei- bis Zehnklässler natürlich auch selbst daran arbeiten lässt.

So bekommt auch Lee Ann den bekannten Psalm 23 auf althergebrachte Art auf Papier verewigt. Die Elfjährige, die die 5b besucht, ist beeindruckt. „Das ist alles neu und interessant für mich“, gesteht die Zarrentinerin im SVZ-Gespräch. Besonders als sie auch noch erfährt, dass 1545 die erste komplette Lutherbibel gedruckt worden sei.

Doch Bernd Schlawer, der aus Eschede bei Celle stammt, hat neben dem Nachbau der Druckerpresse noch mehr tolle Sachen im Gepäck. Beispielsweise eine Original-Lutherbibel aus dem Jahre 1713. Selbst die kleinste Bibel der Welt hat er dabei. Auf Mikrofilm. „Da sind 1245 Seiten drauf. Kaum vorstellbar, aber wahr“, erzählt der 62-Jährige den Heranwachsenden. Die staunen nicht schlecht. Er selber bietet diese Zeitreise ins Mittelalter seit etwa 15 Jahren gratis für die Schulen an. Und versteht es dabei, die Kinder für Technik und Bibel gleichzeitig zu begeistern. Denn das gedruckte Wort hat offensichtlich immer noch einen anderen Wert, als das gesprochene. Das zumindestens muss Religionslehrerin Martina Wößner im Rahmen ihres Unterrichtes angetrieben haben, dieses Projekt an die Schule zu holen.

So erfahren die Mädchen und Jungen, dass die Farbe zu Gutenbergs Zeiten mit einem Stempel auf die Druckplatten aufgetragen wurde, der aus Hundeleder gefertigt war. Um 1450 waren die Versuche von Johannes Gensfleisch zur Laden, wie Gutenberg einst genannt wurde, so weit gediegen, dass er mit dem Druck einzelner Blätter beginnen konnte.

Schlawer: „Die Presse, Metalllegierungen und die Typen hat der um 1400 in Mainz geborene Patriziersohn selbst hergestellt. Zwischen 1452 und 1455 entstand so in seiner Werkstatt das erste Buch: eine Bibel in lateinischer Sprache, die 180 Mal gedruckt und für 60 Gulden verkauft wurde. Man muss wissen, diese Summe entspricht einer heutigen Kaufkraft von etwa 35 000 Euro.“ Reich gemacht habe ihn das zu Lebzeiten dennoch nicht. Der Erfinder des Buchdrucks sei finanziell ruiniert und von der Welt weitestgehend vergessen im Jahre 1468 gestorben.

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