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Hagenower Museum : Hinter den Kulissen der Sammler

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Drei Jahre nach dem Auszug aus dem Hagenower Museum kommen nur nach und nach historische Schätze zurück ins sanierte Haus. Einige zum Teil stark beschädigt aus den ungeeigneten Depots.

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erstellt am 19.Jul.2013 | 07:03 Uhr

Hagenow | Im Kopf von Henry Gawlick ist schon alles fertig. Doch drei Jahre nach dem Auszug aus dem Hagenower Museum kommen nur nach und nach historische Schätze zurück ins sanierte Haus. Und das zum Teil stark beschädigt aus den ungeeigneten Depots.

Hinter den Kulissen wartet viel Arbeit: Sammeln, Forschen, Dokumentieren, Inventarisieren. Zum Teil Restaurieren. Erst zum Schluss könne ausgestellt werden, sagt der Museums- und Synagogenleiter. Zwei Ausstellungen sind schon fertig. In der Stube der 1930er Jahre sortiert Henry Gawlick neues Geschirr ein, dass ihm gerade gespendet wurde. "Schön, etwas mit Geschichte ins Haus zu bekommen", sagt er und platziert eine Tasse im dunklen schweren Holzschrank. "Viele Dinge des Alltags sind heute verschwunden. Die Leute haben damals alles entsorgt." Er selbst sei nach der Wende an jedem Müllhaufen hängen geblieben. Doch das "ist vorbei". Heute müsse man gezielt gucken.

Hagenows Vorteil: Die Depots sind voll. "So können wir immer wieder neue Ausstellungen aus dem eigenen Fundus unserer Region zeigen", sagt Henry Gawlick. Das mache es authentisch. Und er verleiht Exponate an andere Häuser. Aber dafür "brauchen wir entsprechende Depots". Schließlich sei das Sammeln die allererste Aufgabe eines Museums. Zur Zeit lagert das historische Gut in mehreren Außenstellen - weit weg und ungeschützt. Optimal wäre ein großes Haus in der Stadt, sagt Gawlick. Denn jetzt würden die Dinge leiden, die seit drei Jahren und länger ausgelagert sind. Die Vitrinen etwa. Ein Wert von mehreren 10 000 Euro. Sie stehen jetzt im Museum, zum Teil schimmlig. Es riecht modrig. Viele Dinge seien 200 bis 300 Jahre alt. "Wir sind dem verpflichtet. Und ich habe eine Erbschaft angenommen von den Museumsgründern."

Er will keine Idealzustände, aber sie müssten akzeptabel sein: beheizt, belüftet, effektiv nutzbar mit hohen Regalen wie im Speicher, der als ein Depot dient. In den anderen suche der Leiter einen Vormittag lang nach einem Stuhl.

Im Rathaus weiß man um dieses Problem. Das sei aber nicht von heut auf morgen zu beheben, sagt Roland Hochgesandt. "Es ist schwer, was zu finden." Seit zwei Jahren ist der Kämmerer fürs Museum zuständig. Die Stadt behalte das Thema im Auge, schaue nach verfügbaren Möglichkeiten. Auch angesichts der Finanzen nicht einfach. Kita-Neubau, Sanierung Europaschule, Straßenbau - "wir haben nur einen Topf und müssen das Dringendste berücksichtigen". Im Finanzplan bis 2016 sei ein Depot nicht drin. Er stehe zwischen den Stühlen, sagt Roland Hochgesandt. "Wir wollen das Beste rausholen, die Ausstellungen interessanter machen, zum Anfassen."

Trotzdem ist jetzt Geld für den geplanten Multimedia-Raum im Erdgeschoss zurückgestellt worden. Über 10 000 Euro weniger für das Haus. Der Kita-Neubau habe die Stadt dazu bewogen, so der Kämmerer, der gleichzeitig die Mitarbeiter des Museums lobt. Sie seien trotz allem sehr bemüht, "Dinge mit geringstem Kostenaufwand zu gestalten." 70 000 Euro stehen 2013 für Restaurationen, Material, Strom und mehr zur Verfügung. 315 000 Euro stellt die Stadt zusammen mit Personal und Abschreibungen in den Haushalt ein.

Was gemacht werden kann, machen Henry Gawlick und seine drei Mitarbeiter neben dem Alltagsgeschäft mit Führungen in Synagoge, Museum und Stadt. Gerade dokumentiert er die Töpferwaren im späteren museumspädagogischen Raum im Obergeschoss, wo auch die Bauernstube und die Schuhmacherei entstehen sollen. "Solche Alltagsdinge müssen sichtbar werden", sagt der Leiter. Vieles könnten sie selbst kompensieren, aber spätestens bei den Infotafeln seien sie auf Hilfe angewiesen. "Dafür brauchen wir einen Gestalter." Und der koste.

Aber immer der Reihe nach, sagt Henry Gawlick. Zuerst soll das Erdgeschoss fertig sein. Mit Multimedia-Raum, der später kleine Filmsequenzen mit Bildern und Infos von jedem Zimmer oben zeigt. Was ursprünglich für gehandicapte Menschen gedacht war, könnte dann auch ein Gewinn für nicht Behinderte sein, so Gawlick. Der Leiter stellt sich vor, dass Kinder und Jugendliche diese Filme in Projekten produzieren. Ebenfalls ins Erdgeschoss sollen die Landschaftsgeschichte der Griesen Gegend, eine exemplarische archäologische Ausstellung, ein slawischer Abschnitt und die historische Gaststube.

Zum 40. Geburtstag des Museums im Mai 2014 sollen dann nicht nur 40 Geschichten fertig sein - für jedes Jahr eine, zum Beispiel über die Glassammlung und die Griese Gegend. Auch die Dampfmaschine aus dem Jahr 1902 könnte bis dahin laufen.

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