Wittendörp : Hilfen für Notfälle geregelt

Fundtiere aus der Gemeinde Wittendörp sollen künftig im Tierheim Roggendorf versorgt werden.
Fundtiere aus der Gemeinde Wittendörp sollen künftig im Tierheim Roggendorf versorgt werden.

Gemeinde Wittendörp schließt Verträge mit Dienstleistern zu Wohnungsnotfallhilfe und Unterbringung von Fundtieren ab

23-88568010_23-98788417_1529491692.JPG von
05. Dezember 2019, 05:00 Uhr

Et hätt noch emmer joot jejange, zu hochdeutsch: Es ist bisher immer gut gegangen. Das besagt Artikel 3 des Rheinischen Grundgesetzes, eine Sammlung mundartlicher Redensarten aus dem Rheinland. Darauf möchte sich die mecklenburgische Gemeinde Wittendörp künftig allerdings nicht mehr verlassen. Auf ihrer vergangenen Sitzung beschlossen die Gemeindevertreter deshalb, sich für Notfällen abzusichern. Konkret ging es um Hilfe für Einwohner bei drohender Obdachlosigkeit sowie die Versorgung von Fundtieren. In beiden Fällen ist die örtliche Ordnungsbehörde gesetzlich verpflichtet, aktiv zu werden.

So müsste Anwohnern, denen beispielsweise durch Zwangsräumung eine Obdachlosigkeit droht, eine Unterkunft durch die Behörde gewährt werden. „Die Gemeinde Wittendörp hält allerdings derzeit selbst keine eigenen Unterkünfte für derartige Fälle vor“, heißt es von der Verwaltung des Amtes Wittenburg. Letzteres sei bestrebt, „dass die betroffenen Bürger möglichst schnell selbst neuen Wohnraum finden. Deshalb wird den Bürgern Unterstützung bei der Suche nach neuem Wohnraum angeboten.“

Die Stadt Wittenburg hat für diese Hilfeleistung einen Vertrag mit dem Ortsverband Hagenow/Ludwigslust des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) abgeschlossen. Dieser würde die Vorsorge übernehmen, sich beispielsweise nach Bekanntgabe eines Räumungstermins mit den Betroffenen in Verbindung setzen und bei der Suche nach einer neuen Wohnung helfen. So könne Obdachlosigkeit größtenteils vermieden werden. Sollte es dennoch zum Notfall kommen, „kann die Obdachlosenunterkunft in Hagenow bei freien Kapazitäten genutzt werden“, gibt die Amtsverwaltung bekannt. Auch Wittendörp hätte vor Jahren schon einmal so einen Vertrag unterzeichnet.

„Wir haben diesen Vertrag 2012 gekündigt, weil wir pleite waren“, sagt dazu Bernd Frahm, von der Fraktion „Bürger für Wittendörp“. Nun habe die Verwaltung der Gemeinde angeraten die Tätigkeit wieder aufzunehmen, „weil wir in der Pflicht stehen.“ Und deshalb sollte die Gemeinde erneut einen Vertrag mit dem ASB abschließen. Auch wenn Lutz Liebscher vom Aktionsbündnis Zukunft für Wittendörp einwirft, das doch bis jetzt alles auch ohne einen solchen gut gegangen ist. In Notfällen, zum Beispiel einem Brand, seien die Betroffenen bei Familienangehörigen oder Freunden untergekommen.

„Es wurde in den vergangenen Jahren gut geregelt, aber dafür gibt es keine Garantien“, gibt Bernd Ankele (CDU) zu bedenken, und die Mehrheit der Gemeindevertreter schlossen sich seiner Meinung an. Bürgermeister Kurt Bartels kann damit einen Vertrag mit der Wohnungsnotfallhilfe abschließen. Die Kosten dafür belaufen sich derzeit auf 1,51 Euro pro Einwohner im Jahr. Bei 2901 Einwohnern werden somit rund 4380 Euro fällig.

Etwas günstiger fällt die Hilfe für Fundtiere aus. Die Gemeindevertreter gaben dem Bürgermeister grünes Licht, einen Vertrag mit dem Tierheim Roggendorf abzuschließen. Dieses berechnet derzeit einen Euro pro Einwohner im Jahr für die Unterbringung von Fundtieren. „Eine bessere Möglichkeit gibt es nicht“, so Bernd Ankele.

Auch der Bürgermeister zeigte sich mit den Konditionen zufrieden. „Aktuell bitten wir das Tierheim Fundtiere abzuholen, es stellt dann aber auch gleich Rechnungen aus.“ Und das würde im Endeffekt mehr Geld kosten.

Ein Rundum-sorglos-Paket, hat die Gemeinde damit aber nicht erhalten. „Der Vertrag ist nur für Fundtiere zulässig, nicht für herrenlose Tiere“, erläutert Lothar Otto von der Wittenburger Amtsverwaltung. Das sei ein feiner Unterschied und im Einzelfall streitbar. Denn die Definition, wann ein Tier ein Fundtier und wann ein herrenloses Tier ist, sei äußerst heikel.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen