Hagenow : Hilfe: Der Aal wird knapp

Patricia Naumann, leidenschaftliche Anglerin, mit einem ihrer kapitalen Aale. Gebissen hat der „Riese“ auf Wurm.
Patricia Naumann, leidenschaftliche Anglerin, mit einem ihrer kapitalen Aale. Gebissen hat der „Riese“ auf Wurm.

Hochsaison für schlangenförmigen Fisch. Doch Prachtexemplare gibt es selten. Werner Promer erklärt warum

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23. Juni 2017, 21:00 Uhr

Es ist stockdunkel, auf der Wasseroberfläche tanzt nur ein kleiner, leuchtender Stöpsel - eine Pose mit Knicklicht, wie uns Patricia Naumann, leidenschaftliche Anglerin, verrät. Und das Tanzen des Bissanzeigers bedeutet, dass gerade etwas zugeschnappt hat. Was es ist, dürfen wir ein paar Minuten später im Bild festhalten - ein stattlicher Aal von knapp einem Meter Länge. Gebissen hat der schlangenförmige Fisch auf einen Tauwurm. „Es funktioniert aber auch auf kleine Köderfische“, lässt uns die junge Blondine wissen. Es ist Sommer und die Aalzeit sei nun voll im Gange. Ein so großes Exemplar sei allerdings auch nicht alltäglich. Deshalb ist an dieser Stelle nicht verraten, wo das Prachtstück an den Haken ging.

Klar ist jedoch, dass es bei weitem nicht mehr so viele Aale gibt wie noch vor Jahren. Das hat vielfältige Gründe, weiß Werner Promer, der Vizepräsident des Landes-Anglerverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Auch er hat dem Aal in dieser Saison schon nachgestellt und war erfolgreich. Im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten seien die Fänge allerdings weniger geworden. „Das Leben des Europäischen Flussaales steckt nach wie vor voller Rätsel. Sicher ist nur eines: Es ging ihm schon mal deutlich besser. Der Aal hat viele Feinde, und wenn man herausfinden will, wer ihm am meisten schadet, hat man schon ein Problem. Jeder schiebt den Schwarzen Peter für seinen Niedergang weiter“, sagt Promer.

Und der Experte listet direkt die vielen Faktoren auf. „Die Fischer sagen: Der Kormoran frisst zu viel. Die Naturschützer sagen: Die Fischer sollten die Fangmengen beschränken. Fischforscher sagen: Vielleicht liegt es am Golfstrom, der die Aallarven über den Atlantik leitet und offenbar seine Strömung verändert. Die Aalhändler sagen: Die Chinesen sind schuld, weil sie Millionen von kleinen Aalen für ihre Mastbetriebe kaufen. Die Pathologen sagen: Es ist der aus Asien eingeschleppte Aalparasit. Die Angler sagen: Franzosen und Spanier dürfen die winzigen Glasaale nicht länger als Delikatesse verspeisen. Aber alle finden: Es gibt zu viele Wasserkraftwerke, deren Turbinen die wandernden Aale in Stücke häckseln“, sagt der Mann, der sich seit vielen Jahren mit der Problematik auseinandersetzt. Fest stehe nur eines: Dem Aal gehe es schlecht. Die Zahl der kleinen Glasaale, die drei Jahre lang aus ihren Laichgebieten vor Florida über den Atlantik zur europäischen Küste wandern, sei gegenüber guten Zeiten, etwa in den siebziger Jahren, auf ein Hundertstel gesunken.

Der Landesanglerverband besetzt aus Tradition und eigenen finanziellen Mittel seit Jahrzehnten seine Pacht- und Eigentumsgewässer zur Stabilisierung der Bestände mit Glas- und Jungaalen. Seit 2011 gibt er darüber hinaus eine Aalaktie heraus, die es Freunden und Sympathisanten ermöglicht, sich an der Aktion zu beteiligen. „Mit Wohlwollen können wir nach sechs Jahren feststellen, dass auf diesem Wege über 19  000 Euro gespendet wurden. Allein in unserer Region Süd-West-Mecklenburg wurden 2016 über 1000 Euro eingeworben, wofür wir uns bei den Spendern herzlich bedanken“, so Promer.

Dass die hiesigen Angler am Niedergang des Aales Schuld sein könnten, ist eher ausgeschlossen. Im Gegenteil. Viele von ihnen beteiligen sich an Besatzaktionen und lassen die untermaßigen Fische wieder schwimmen - so wie es Vorschrift ist. Und ein schönes Tier für die Pfanne muss ab und an auch mal gestattet sein. So wie der von Patricia Naumann.

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