Neuhaus : Hilfe bekommen, Kröten geschluckt

Bürgermeisterin Richter (r.) und die Ortsvorsteher Heidmarie Gaede und Christian Möhring.
Bürgermeisterin Richter (r.) und die Ortsvorsteher Heidmarie Gaede und Christian Möhring.

Interview mit Bürgermeisterin Grit Richter über die Ereignisse im zu Ende gehenden Jahr 2016 und mit Ausblick auf 2017

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30. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Zeit, sowohl zurück, als auch nach vorne zu blicken. Was war in 2016 wichtig? Was kommt in 2017 für die Gemeinde Amt Neuhaus. Maria Nielsen führte ein Interview mit der Bürgermeisterin Grit Richter.

Frau Richter, wie war für Sie das zu Ende gehende Jahr, was hat sie am meisten bewegt?
Ich empfand 2016 als anstrengend. Wir mussten uns mit anspruchsvollen Dingen beschäftigen und Entscheidungen treffen.

Als da wären?
Da war zunächst die Unterbringung und Betreuung von zugewiesenen Flüchtlingen zu bewältigen, die wir in so großer Anzahl noch nicht hier hatten. In Spitzenzeiten waren es mehr als 100 Menschen. Ich denke, das wurde gut gemeistert, insbesondere den ehrenamtlich damit befassten Menschen ist dafür zu danken. Sie haben Patenschaften übernommen, ganz viel Deutschunterricht erteilt, sich gekümmert, wenn es Probleme gab. Ich bin sehr dankbar, mit welcher Intensität die Menschen im Netzwerk die Flüchtlinge begleitet haben. Das etwa die Hälfte der Flüchtlinge noch hier im Amt Neuhaus ist, finde ich sehr bemerkenswert. Es ist insgesamt doch sehr gut gelaufen, auch wenn es für die Neubürger schwierig ist, für die Integrationskurse nach Lüneburg zu kommen.

Uns sonst?
Natürlich zum einen die Kommunalwahl, zu der ja immer umfangreiche Vorbereitungen notwendig sind. Und zum anderen, die Entscheidungen über die Annahme der Stabilisierungshilfe. Darüber musste in den Gremien natürlich ausführlich diskutiert werden, bis eine Entscheidung gefällt werden konnte.

Sind sie mit der Entscheidung zufrieden?
Ich denke, wir hatten keine andere Wahl als Gemeinde mit so einem hohen Schuldenstand. Das Geld ist inzwischen eingegangen, die Höhe der Verschuldung sieht jetzt besser aus, aber fühlbar ändert sich nichts für die Gemeinde, weil ja die Zinsen zurzeit immer noch niedrig sind.
Die Bürger werden die Erhöhung der Realsteuern merken, die ab 2019 greifen. Und die Erhöhung des Abwasserpreises, der ab 2018 greift, auch.
Das war die Kröte, die wir schlucken mussten, und ich kann gut nachvollziehen, dass den Ratsmitgliedern die Entscheidung schwer fiel. Der Beschluss zum Abwasserpreis steht noch aus. Aber dass der Landkreis insgesamt über zehn Jahre uns mit jeweils jährlich 100  000 Euro unter die Arme greift, das freut uns natürlich und ist uns eine Hilfe.

Es wurde vorher eine Potentialanalyse angefertigt, um aufzuzeigen, wo die Gemeinde einsparen und wo sie zusätzliche Mittel herbekommen kann. Wie beurteilen Sie diese Analyse?
Man kann gut nachlesen, in welchem Ist-Zustand sich die Gemeinde befindet, aber den einen großen Vorschlag, wie wir von den Schulden auf Dauer runter kommen, liefert sie nicht und kann sie auch nicht liefern. Wir haben mehr Ausgaben als Einnahmen, so einfach ist die Rechnung. Solange sich daran nichts ändert, werden wir wieder Schulden aufbauen.

Die Analyse sagt aus, dass das Wichtigste sei, dass die Einwohnerzahl nicht noch weiter stark schrumpft. Kann man dagegen etwas tun?
Ja, wir müssen eine gute Kinderbetreuung gewährleisten, damit die Eltern beruhigt ihrer Arbeit nachgehen können. Und wir dürfen die Belastungen durch Steuern und Abgaben nicht zu hoch schrauben. Wir müssen unbedingt das, was wir hier haben - eine gute Kinderbetreuung, eine gute Grundversorgung und eine ausreichende Versorgung mit Ärzten und möglichst bald eine Versorgung mit einem schnellen Internet erhalten beziehungsweise in Bezug auf das Internet endlich bekommen.

Auf einiges haben wir Einfluss auf anderes nicht. So steht als nächste, wichtige Aufgabe an, die Anzahl der Betreuungsplätze anzuheben. Das zieht wieder Kosten nach sich, aber hier dürfen wir nicht am falschen Ende sparen.

Was sagen sie zum Ausgang der Wahl?
Das habe ich nicht zu kommentieren. Dazu nur so viel: Ich hoffe, dass wir uns darauf verständigen können, was die Gemeinde voranbringt und dass wir alle zusammen danach handeln. Ich arbeite mit allen zusammen, wie sich das gehört, das ist selbstverständlich. Es ist auch schön, dass im neuen Rat Bürger mitarbeiten, die vorher nicht dabei waren. Das spricht dafür, dass man sich für die Geschicke der Gemeinde interessiert und daran mitarbeiten möchte, alles in gute Bahnen zu lenken. Das finde ich gut und ich bin gespannt, wie es weitergeht. Wir müssen nach vorne blicken und kontinuierlich zusammenarbeiten. Alles andere dient dem öffentlichen Wohl nicht.

Was steht für das nächste Jahr an?
Ich nannte ja bereits die Erweiterung der Kita, das steht ganz vorne an. Sehr interessant ist auch das angedachte Vorhaben eines Investors, in Neuhaus eine Seniorenanlage zu bauen. Da müssen wir nachhaken und unterstützen. Beim Thema „Garagen“ ist es mein Wunsch, beide Interessen unter einen Hut zu kriegen und ich hoffe, dass es uns gelingt. Es gibt immer was zu tun, auch wenn unsere Finanzlage nicht rosig ist. Trotzdem ist das Leben hier lebenswert. Da denke ich an das große kulturelle Angebot, an die Arbeit der Vereine, an das Miteinander. Dass das alles erhalten bleibt, dafür will ich mich einsetzen.

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