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Hagenow : Hier liegen Jahrhunderte im Boden des Kirchturms

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Rettung der ältesten Hagenower Grabplatten hat begonnen. Restaurator stoppte den Zerfall des Sandsteines

von
erstellt am 27.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Es sieht nicht gerade spannend aus, was Restaurator Boris Frohberg aus dem Brandenburgischen da macht. Mittels einer ganz normalen Spritze bringt er eine Flüssigkeit auf zwei Bodenplatten auf. Dort sind zum Teil nur noch mit Mühe Inschriften und Wappen zu erkennen. Das ist auch der Grund für den schon vor Wochen angelaufenen Rettungseinsatz. Damit später überhaupt noch etwas zu erlesen und zu erkennen ist, werden die beiden Platten, die sich im Fußboden des Hagenower Kirchturms befinden, zunächst gesichert, später geborgen, restauriert und dann ausgestellt. Die exakt dosierte Flüssigkeit stoppt den weiteren Zerfall des Steines.

Es geht nicht um irgendwelche Platten, sondern um die vermutlich ältesten erhaltenen Zeugnisse der Hagenower Stadtgeschichte. Die eine Platte ist der Inschrift nach von 1575 und hat mit dem adligen Geschlecht von Pentz aus Toddin zu tun. Weiteres wird man erforschen können, wenn die Platte restauriert und die Inschriften komplett entziffert sind. Über die andere Platte aus dem Jahre 1686 weiß man auch dank Museumsdirektor Henry Gawlick schon deutlich mehr. Es ist die Grabplatte des Glashüttenmeisters Jost Gundlach. „Die Familie Gundlach begründete 1615 mit Daniel Gundlach in Bantin bei Wittenburg die Glashüttengeschichte in Mecklenburg“, schreibt Gawlick. Und weiter: „Seine Grabplatte gehört zu den wenigen erhaltenen in Mecklenburg (weiterhin nur noch in Parum und Karow). Sie ist Ausdruck des Selbstbewusstseins eines frühen Fabrikanten, der mit seinem Wappen einen bürgerlichen Berufsstand demonstriert.“

Durch Salze sei die Platte stark gefährdet, noch 1930 war auf Fotos von der Platte mehr zu erkennen. Um nicht noch mehr an Substanz zu verlieren, entschloss sich die Kirchengemeinde, die Rettung zu starten. Aktuell sind 3000 Euro veranschlagt, für die spätere Sanierung stehen dann noch einmal 7000 Euro zu Buche. In den Boden des Kirchturms, quasi als Teil des Fußbodens, sind die Platten wohl beim Neubau der Hagenower Kirche gekommen. Die alte Kirche war 1874 abgerissen worden, die neue Kirche in heutigem Gewand wurde 1879 geweiht.

Der spannende Teil der Rettungsaktion wird in der kommenden Woche beginnen, wenn die Steine aus dem Boden geborgen werden sollen. Möglichst in einem Stück. Ob das angesichts der Schäden gelingt, ist jedoch nicht sicher.

Sicher ist jedoch, dass beide Platten gut sichtbar ausgestellt werden.

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