Hagenow/Ludwigslust : Helios oder doch Hamburg? Klinikum bleibt wählerisch

Kardiologische Untersuchung im Krankenhaus Ludwigslust mit Dr. med. Sefer Abdija, hier herrscht derzeit Hochbetrieb.
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Kardiologische Untersuchung im Krankenhaus Ludwigslust mit Dr. med. Sefer Abdija, hier herrscht derzeit Hochbetrieb.

Schweriner Klinikum: Wir wollen kein Krankenhaus plattmachen

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11. Januar 2018, 05:00 Uhr

Der umstrittene Versorgungsfall einer 59-jährigen Patientin hat nun auch eine Diskussion ausgelöst, ob das Westmecklenburg Klinikum mit den richtigen Partnern unterwegs ist. Entzündet hat sich die Diskussion an der aufgelösten Kooperation mit den Helios-Kliniken Schwerin im Bereich der Herzkatheter-Untersuchungen.

Die hatte über Monate sehr gut funktioniert, bis zu 1000 Patienten kamen so in den Genuss einer Untersuchung, die von den Schweriner Spezialisten in Ludwigslust rund um die Uhr organisiert und sichergestellt wurde. Dann wurde die Zusammenarbeit aber auf Betreiben des Westmecklenburg Klinikums aufgelöst. Stattdessen wird das in Ludwigslust neu aufgebaute Team um Bereichsleiter Dr. med. Sefer Abdija regelmäßig von Spezialisten u.a. aus dem Hamburger Universitätsklinikum unterstützt.

Im Schweriner Helios-Klinikum sieht man die Entwicklung in Ludwigslust mit einer Mischung aus Kopfschütteln und Besorgnis. Geschäftsführer Thomas Rupp: „Es steht ja im Raum, wir hätten unsere Spezialisten abgezogen. Das war so nie der Fall. Ludwigslust hat ein neues Team aufgebaut und dann gekündigt.“

Dem widersprach Jürgen Stobbe, Stiftspropst, aber auch Mit-Geschäftsführer des Westmecklenburg Klinikums, nicht. Am Ende seien es ganz klar finanzielle Gründe gewesen, warum man sich getrennt habe. „Das müssen wir tun, weil wir als kleines Haus im ländlichen Bereich gleich von mehreren Seiten unter Druck stehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir auch mit den Helios-Kliniken Schwerin nicht in anderen Bereichen gut zusammenarbeiten. Im Gegenteil, wir kooperieren sehr eng mit ihnen beim Tumor-Board oder bei der teleradiologischen Ausbildung.“

Prof. Dr. Alexander Staudt, der als Chefarzt der Kardiologie der Helios Kliniken Schwerin die Kooperation mit Ludwigslust maßgeblich gestaltet hatte, brachte im Gespräch mit der Schweriner Volkszeitung auch medizinische Aspekte vor. „Seit Beendigung der Kooperation mit Ludwigslust bekommen wir aus diesem Bereich nicht einen Patienten mehr. Ich halte das für bedenklich, weil wir für große Teile des Kreises das nächstgelegene kardiologische Zentrum sind und nicht etwa Hamburg oder Lübeck.“

Diesen Vorwurf, man würde Herzpatienten gezielt an Schwerin vorbei überweisen, wiesen sowohl Jürgen Stobbe als auch Verwaltungsdirektor Helge Mantzel empört zurück. So etwas gebe es nicht, das Wohl der Patienten gehe immer vor. Und wenn es medizinisch nötig sei, dann werde auch selbstverständlich nach Schwerin verlegt. Auch Mantzel bestätigte, dass die Kooperation mit Schwerin gut gelaufen sei. Am Ende seien aber auch die Zahlen entscheidend. Auch mit der neuen Kooperation sei eine hervorragende kardiologische Versorgung möglich. Genau das wird von Seiten des Helios Klinikums aber angezweifelt, vor allem die Bereitschaft rund um die Uhr. In dem Punkt steht Aussage gegen Aussage.

Die Nachfrage nach kardiologischen Untersuchungen in Ludwigslust ist in den ersten Tagen dieses Jahres jedenfalls stark gestiegen. Das bestätigte der Kardiologe Dr. med. Sefer Abdija beim Besuch unserer Redaktion. „So viel zu tun hatten wir noch nie.“

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