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Hagenower Kreisblatt

16. Dezember 2017 | 06:17 Uhr

Picher : Held für einen Unbekannten

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Candy Krenz aus Picher spendete lebensrettende Stammzellen an seinen genetischen Zwilling. „Es tut nicht weh und rettet Leben“

von
erstellt am 04.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Candy Krenz ist ein Held. Ein Held für einen Unbekannten. Für jemanden, den er  noch nie in seinem Leben gesehen oder gehört hat. Denn der Mann aus Picher rettete mit seinen Stammzellen ein Leben. Er half seinem genetischen Zwilling.  

Vor rund acht Jahren ließ sich Candy Krenz typisieren.  Damals wurde für einen kleinen Jungen in Ludwigslust, der an Blutkrebs erkrankt war,  zur Typisierung aufgerufen. Er, seine Familie und Freunde haben sich registrieren lassen, wollten dem kleinen Mann helfen. „Ich habe selbst auch zwei Kinder“, so der 39-Jährige. Da denke man gar nicht lange nach und hilft. Ein  passender Spender für den kleinen Jungen war   Candy Krenz nicht, lange Zeit hörte er gar nichts vom  Zentralen Knochenmarkspende-Register. „Doch dann kam die Nachricht, da passt jemand“, erinnert er sich noch an den Moment.

Der Mann aus Picher stand nun vor der Entscheidung, ob er dafür bereit war, den Eingriff  zur Blutstammzellentnahme an sich vornehmen zu lassen.   Doch lange musste er darüber nicht nachdenken, „es tut nicht weh und rettet Leben“. Entscheidet sich ein passender Spender für diesen Schritt, wird er weiteren Untersuchungen unterzogen und Feintypisierungen werden durchgeführt. Der Empfänger wird in dieser Zeit entsprechend auf seine Spende vorbereitet. „Ab da gibt es dann kein zurück mehr“, so Krenz.

Im August 2015 spendete Candy Krenz seine lebensrettenden Stammzellen seinem genetischen Zwilling. Für jemanden der passende Spender zu sein, „das ist wie ein Sechser   im Lotto“, ist sich der 39-Jährige bewusst.

Ein passender Spender ist ein Sechser im Lotto

Alle 45 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Leukämie. Nur ein Drittel der Patienten findet innerhalb der Familie einen geeigneten Spender. Der Großteil benötigt einen nicht verwandten Spender. Die Wahrscheinlichkeit, seinen genetischen Zwilling  außerhalb der eigenen Familie zu finden, liegt bei Eins  zu 20000 bis Eins zu mehreren Millionen. Unter Umständen findet sich auch unter mehreren Millionen niemand. „Auch wenn das Glück besteht, dass vielleicht fünf Spender auf einen Patienten passen, heißt das noch nicht, dass auch alle in Frage kommen“, erklärt Grit Gröbel, Pressesprecherin der Deutschen Stammzellspender-Datei (DSD). Die Spender müssen   gesund sein, spenden dürfen, es freiwillig machen und auch genau zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung stehen.

Candy Krenz befand sich zur Zeit seiner Spende in seiner zweiten Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher. Probleme, dass er für einige Tage ausfallen wird, gab es keine. „Es haben alle mitgemacht.“ Der Familienvater fuhr dafür  nach Hamburg-Eppendorf. Einen Tag hin, dann die Entnahme und dann ging es auch schon wieder nach Hause. „Völlig unspektakulär.“ Bei der peripheren Blutstammzellentnahme werden dem Spender die Zellen  ähnlich wie bei einer Dialyse ambulant entnommen. Dieses spezielle Verfahren wird Stammzellapherese genannt.  Diese Art der Stammzellgewinnung dauert etwa drei bis vier  Stunden. Um die benötigte Menge an Stammzellen  zu erhalten, muss sie in einigen Fällen   am folgenden Tag wiederholt werden. „Bei mir hat eine Entnahme aber ausgereicht.“ Auch „unters Messer“ musste der 39-Jährige nicht, wie bei  der klassischen Knochenmarkspende, die heutzutage aber immer seltener durchgeführt wird. Hier wird   unter Vollnarkose   Knochenmark aus dem Beckenknochen  entnommen. „Dem hätte ich aber auch zugestimmt.“

Einmal typisiert, weltweit registriert

Wer sich einmal typisieren lassen hat, wird in das Zentrale Knochenmarkspende-Register Deutschland (ZKRD) in Ulm aufgenommen.  Hier laufen alle für die Suche nach einem passenden Spender relevanten Daten aus ganz Deutschland und auch weltweit zusammen. Möglichkeiten, sich typisieren zu lassen, gibt es dabei mehrere. „Es gibt einmal die Blutprobenentnahme und die Speichelprobe“, erklärt Grit Gröbel. Diese werden entweder beim DRK-Blutspendedienst, beim Arzt oder bei Aktionen in öffentlichen Einrichtungen durchgeführt. Sogar ein Test für zu Hause könne bei der DSD bestellt werden.

Die Typisierung ist anonym. Nach der Spende besteht eine Frist von zwei Jahren, in denen sich Spender und Patient nicht kennenlernen dürfen.

Nachdem Candy Krenz im vergangenen Jahr   ein zweites Mal mit einer Lymphozytenspende geholfen hat, möchte er seinen genetischen Zwilling nun unbedingt kennenlernen. Im anonymen Briefkontakt stehen sie bereits.

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