Heiraten, erinnern oder verkaufen?

Das ehemalige Amtsgericht hat zur Straße hin schon wieder seine gelbe Fassadenfarbe.
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Das ehemalige Amtsgericht hat zur Straße hin schon wieder seine gelbe Fassadenfarbe.

Zur Nutzung des ehemaligen Amtsgerichts gibt es ganz verschiedene Vorstellungen / Ausschussmitglieder wollen sich im Gebäude umsehen

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09. September 2015, 13:19 Uhr

Jeder kann es sehen: die Arbeiten an der Außenhülle des ehemaligen Amtsgerichts schreiten voran. Für den Innenausbau sind im Haushalt (2015) 100  000 Euro eingestellt worden, für das Jahr 2016 noch einmal 80  000 Euro.

Doch wie soll künftig das Gebäude genutzt werden? Darüber gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen, wie während der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur am Dienstagabend deutlich wurde. Der Verein für Bürgerbegegnung hat einen Antrag gestellt, einen Teil des Obergeschosses als öffentlich zugängliches Archiv für vorhandenes, historisches Material zu nutzen. Auch die Verwaltung würde gerne Teile des Obergeschosses für eigenes Archivmaterial nutzen. Für das Untergeschoss hat die Verwaltung die Vorstellung, zwei Räume und das Foyer für Veranstaltungen zu nutzen und in einem Raum ein Trauungszimmer einzurichten, weil derzeit im Haus des Gastes die Bestuhlung jedes Mal hin- und hergeräumt werden muss.

Ganz anders der Vorschlag der Gruppe SPD/BAN/Linke. Joachim Müller stellte die Idee vor, hier ein Museum als zentralen Ort der Erinnerung einzurichten, der die einzigartige gemeinsamen Vergangenheit in den Landkreisen Lüneburg und Ludwigslust-Parchim thematisiert. Und wiederum ganz anders der Vorschlag von Sören Voigt, beratendes Mitglied im Ausschuss, in diesem Gebäude eine Verkaufsstelle für Archeprodukte und andere, ähnlich hochwertige Produkte einzurichten. Es wurde intensiv diskutiert. Saskia Kuntzsch-Zschoch fand die von Joachim Müller umrissenen Idee sehr gut, meinte aber, das für so ein Vorhaben doch das Pforthaus schon vorhanden sei. „Mit so einem Projekt kommen wir an Fördermittel ran, davon bin ich überzeugt“, so Joachim Müller. Es müsse ein professionelles Erinnerungskonzept erstellt werden. Die einmalige historische Vergangenheit und wechselvolle Geschichte seien ein Alleinstellungsmerkmal, das wäre sowohl für Touristen, als auch für einheimische Bürger interessant. Henrich Hauel (CDU) äußerte Zweifel an der Möglichkeit der touristischen Vermarktung und Holger Hogelücht, Betreiber vom Haus des Gastes, wies auf die Folgekosten besonders in Bezug auf notwendiges Personal hin. Außerdem gebe es für einen musealen Zweck ja auch noch den zweiten Stock im Haus des Gastes.

Joachim Müller hingegen bezweifelte, das ein historisches Gebäude geeignet sei für einen Verkaufsladen. Auch die Einrichtung eines Archivs sei wegen der baulichen Bedingungen nicht einfach.

Man tat sich schwer mit der Gemengelage und einigte sich schließlich darauf, keinen Beschluss zu fassen und stattdessen die Sitzung quasi zu unterbrechen, um sie dann am 22. September zusammen mit dem Bauausschuss fortzuführen. Vor der Sitzung soll dann ein Vororttermin im Amtsgericht für mehr Klarheit sorgen.

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