Hagenow : Heimatlosen eine Stütze sein

Ursula Hase aus Hagenow weiß, was es bedeutet, ein Flüchtling zu sein. Deshalb will die 72-Jährige besonders behinderten Heimatlosen helfen.
Ursula Hase aus Hagenow weiß, was es bedeutet, ein Flüchtling zu sein. Deshalb will die 72-Jährige besonders behinderten Heimatlosen helfen.

Ursula Hase (72) will besonders behinderten Flüchtlingen helfen, beispielsweise, bürokratische Hürden zu überwinden

svz.de von
06. November 2015, 08:00 Uhr

Unterstützung für die Flüchtlinge gibt es allerhand. Sei es die Essenausgabe, Deutschkurse oder auch die Kleiderspenden. Viele ehrenamtliche Menschen helfen derzeit den Heimatlosen, um vorübergehend oder auch dauerhaft in Deutschland wieder auf die Beine zu kommen.

So handhabt  es auch Ursula Hase. Die 72-Jährige bietet ihre Hilfe für Flüchtlinge  mit Behinderung an. „Es müssen jede Menge Anträge gestellt werden, wenn die Flüchtlinge ein Bleiberecht erwirkt haben. Zum Beispiel werden dann erst Hilfsmittel zum Leben, Pflegegeld oder bei Erwachsenen ein Schwerbehindertenausweis beantragt“, schildert die gelernte Erzieherin  und studierte Sozialpädagogin. Den Flüchtlingen, die nur auf der Durchreise seien, könne sie jedoch nur helfen, indem sie Hilfsmittel auftreibe, wie Kleidung, Krückstöcke oder Rollstühle.

Ihr seien die Probleme von Menschen mit Behinderung durchaus bekannt, da ihre Familie selber davon betroffen sei. „Ich verstehe und weiß um die Sorgen und Nöte dieser Menschen“, erzählt die Seniorin im SVZ-Gespräch. Sie selbst sei Flüchtlingskind gewesen und wisse, wie man sich in dieser Situation fühle. „Meine Mutter ist mit uns Kindern im März 1945 aus Breslau geflohen“, verrät Ursula Hase, die schon seit 1963 in Hagenow lebt.

Sie habe bisher Kleidung, Bettwäsche, Wolldecken oder Hygieneartikel an die Flüchtlinge gespendet. Die Veranstaltung der AWO, die vor kurzem stattgefunden habe, in der  über die Flüchtlingsproblematik informiert worden sei, hätte ihr als Denkanstoß gedient. „Mir  kam  spontan der  Gedanke, dass ich auch mal die Flüchtlinge mit Behinderung unterstützen möchte“, offenbart die rüstige Dame, die zugleich  auch Vorsitzende des Vereins „Menschen mit Behinderungen Hagenow e.V“ ist. Und das schon seit 15 Jahren.

Sie habe ihre Bereitschaft zur Unterstützung bereits bei den jeweiligen Anlaufstellen für die Schutzsuchenden angemeldet, erzählt Ursula Hase weiter.  Bis jetzt habe sich aber leider noch keine Flüchtlingsfamilie bei ihr gemeldet. „Ich hätte mir gewünscht, dass schneller Geld in die Hand genommen worden wäre. So wurde den ehrenamtlichen Helfern vieles  überlassen, da die Ämter  anfänglich oft  überfordert  waren“, meint die Wahl-Hagenowerin. Sie habe lange Zeit auch als Ehrenamtliche  gearbeitet und beim Aufbau des Lebenshilfewerks, der Werkstätten sowie ambulantes und betreutes Wohnen in Hagenow mitgewirkt. Hauptamtlich war Ursula Hase als Leiterin der Wohnstätten des Lebenshilfewerkes von 1991 bis 2005 tätig. „Ich finde es  fürchterlich, dass die Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, hier  in Zelten einquartiert werden. Meiner Meinung nach müsste man in den Krisengebieten selbst  mehr machen, dort Hilfe anbieten.“

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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