Zarrentin : Harsche Kritik am Marktplatzumbau

<strong>Zankapfel Marktplatz: </strong> Auf ihrer letzten Sitzung hat die örtliche Stadtvertretung einen Umbau beschlossen. Geschätzte Kosten, mindestens 300 000 Euro. Doch das stößt offensichtlich nicht bei allen Zarrentinern auf Gegenliebe. <fotos>Thorsten Meier</fotos>
1 von 2
Zankapfel Marktplatz: Auf ihrer letzten Sitzung hat die örtliche Stadtvertretung einen Umbau beschlossen. Geschätzte Kosten, mindestens 300 000 Euro. Doch das stößt offensichtlich nicht bei allen Zarrentinern auf Gegenliebe. Thorsten Meier

Nicht bei allen Zarrentinern stößt die geplante Maßnahme der Stadt, den Marktplatz umzugestalten, auf Gegenliebe. Der Marktplatz als geplante Ruhezone ist völliger Quatsch, sagt selbst der Stadtvertreter Jürgen Schröder.

svz.de von
19. Juni 2012, 10:25 Uhr

Zarrentin | "Der Marktplatz bildet längst nicht mehr das Zentrum der Stadt, in dem sich die Bürger und Besucher von Zarrentin aufhalten. Diese Funktion hat das Klosterumfeld übernommen", ist sich Jürgen Schröder sicher. Deshalb halte er die geplante Umgestaltung dieser Fläche für völlig unangemessen. "Einschränkung der Parkplätze, an den unmöglichsten Stellen Bänke aufstellen, neue Pflasterung, den Bürgersteig mit Granitplatten auszulegen, statt mit roten Klinkern, das alles ist dem Charakter der Stadt und der Lage völlig unangemessen", moniert der 66-Jährige weiter. "Der Marktplatz als geplante Ruhezone ist völliger Quatsch. Links und rechts ist Verkehr, und es gibt außerdem keinen Schatten", so der gebürtige Zarrentiner.

Hintergrund seines Unmutes ist die Tatsache, dass die Stadt Zarrentin kürzliche eine Bürgerbeteiligung durchgeführt hat. Drei Varianten zum Ausbau des örtlichen Marktplatzes lagen öffentlich im Amt aus. "Bisher wurde auf keiner Stadtvertretersitzung mehrheitlich über die Notwendigkeit einer gänzlichen Umgestaltung beraten und beschlossen. Nur, dass der Bürgersteig am Marktplatz als Gefahrenquelle unbedingt neu gestaltet werden muss, das wurde vereinbart. Doch dafür allein gibt es angeblich keine Fördermittel", erinnert sich Schröder, der selbst Stadtvertreter ist und der örtlichen SPD als Fraktionsvorsitzender seit acht Jahren vorsteht.

Auf der erweiterten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bau, Wege, Verkehr und Umwelt am 24. April dieses Jahres wurden verschiedene Varianten zur Gestaltung und zum Ausbau des Marktplatzes diskutiert und erarbeitet. Der Ausschuss hat weiterhin empfohlen, dass zur weiteren Entscheidungsfindung eine Bürgerbeteiligung durchgeführt werden soll. Für die Zarrentiner bestand die Möglichkeit, vorbereitete Formblätter auszufüllen und somit eine bestimmte Variante zu favorisieren. Weiterhin war es möglich, in den Formblättern kurz stichpunktartig Anregungen, Hinweise und Begründungen vorzunehmen. Ziel war es, die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung zur letzten Stadtvertretersitzung, diese fand am 24. Mai statt, ausgewertet vorzulegen, erklärte Dirk Schiewer, Fachamtsleiter für Bau, Regionalentwicklung und Ordnungsangelegenheiten, unlängst gegenüber der SVZ. "Wir wollen dieses Jahr noch zum Zug kommen. Der Idealfall wäre, dass die Marktplatzgestaltung bis Ende 2012 fertig würde, um Kostensicherheit zu haben. Um zu wissen, wieviel Geld noch das ist, um private Sanierungsmaßnahmen zu unterstützen."

Hintergrund: Die Stadt Zarrentin wurde 1991 in das Städtebauförderungsprogramm des Landes MV aufgenommen. Das Sanierungsgebiet umfasst den historischen Stadtkern von rund 43 Hektar. Zwischenzeitlich wurden 17,8 Millionen Euro aus verschiedenen Förderprogrammen eingesetzt. Ziele und Zwecke der Sanierung sind in großen Teilen schon erreicht. Mit diesem Zeitpunkt entstehen die sogenannten Ausgleichsbeträge. Rund eine Million Euro könnten durch sie zurück in das für die Sanierung gebildete Sondervermögen gespült werden. Geld, das noch für anstehende Projekte verwendet werden soll. So wie eben den örtlichen Marktplatz. Außerdem liegen 20 Fördermittelanträge für private Sanierungsmaßnahmen vor. Weitere Fördermittel vom Land gibt es angesichts klammer Kassen nicht mehr, teilte jüngst das Innenministerium den Zarrentinern mit. Im Rahmen einer Freiwilligenvereinbarung wurde den Bürgern deshalb die Möglichkeit gegeben, ihren Ausgleichsbetrag vorfristig zu entrichten. Das sind Zahlungen, die spätestens ab 2014 jeden Anwohner des historischen Ortskerns betreffen werden. Bisher sind über diese Freiwilligenvereinbarung 612 000 Euro zurückgekommen. Etwa 300 000 Euro dieses Geldes, das ist jedoch nur eine erste Schätzung, will Zarrentin in den Marktplatz stecken.

Jürgen Schröder: "Es liegen noch für etwa 800 000 Euro Anträge von privaten Sanierungsträgern aus dem Sanierungsgebiet vor. Wenn der Marktplatz umgestaltet wird, bleibt nicht mehr viel Geld übrig. Da werden viele der bis zu 30 Antragsteller wohl leer ausgehen. Und es kann nicht sein, dass ein Teil der Bürger Sanierungshilfen erhalten hat und ein anderer Teil diese nicht bekommt, da diese Mittel für eine zur Zeit völlig unnötige Großsanierung verschwendet werden sollen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen