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Rostocker Drittliga-Fußballer laufen erstmals in Boizenburg auf : Hansa-Benefizspiel nach Elbe-Flut

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Wie alle Boizenburger Fußballfans freute sich auch der Vereinsvorsitzende der SG Aufbau Karl-Heinz Kruse über den ersten Auftritt der Profis des FC Hansa Rostock im Stadion an der Fliesenfabrik. 5000 Euro kamen zusammen.

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erstellt am 24.Jun.2013 | 11:46 Uhr

„Eine absolut gelungene Veranstaltung für einen guten Zweck. Das würden wir jederzeit gerne wiederholen“, fasste Karl-Heinz Kruse seine Eindrücke und Emotionen nach dem Schlusspfiff zusammen. Wie wohl alle Boizenburger Fußballfans freute sich auch der Vereinsvorsitzende der SG Aufbau riesig über den ersten Auftritt der Profis des FC Hansa Rostock im Stadion an der Fliesenfabrik, der mit einem standesgemäßen 9:0-Sieg für den Drittligisten endete. Aber das sportliche Ergebnis spielte keine große Rolle. Viel wichtiger war der Anlass für diese Premiere. Die kurzfristig auf die Beine gestellte Partie stand unter dem Motto „Benefizspiel Elbehochwasser 2013“ und war von Axel Schulz angeregt worden. Der Teammanager der Hanseaten hatte Anfang der Woche telefonisch bei Aufbaus Fußballabteilungsleiter Jens Anderson angefragt – „die Bilder von der Flut und dem großen Einsatz so vieler Helfer haben unsere Spieler sehr beeindruckt. Wir möchten mit zwei Benefizspielen zur Unterstützung der Flutopfer beitragen“ –, brauchte allerdings schon für den nächsten Tag eine Antwort. Die fiel positiv aus. Die Boizenburger setzten alle Hebel in Bewegung. Bis zu 40 Leute packten mit an, um die Vorbereitung zu stemmen. Die Mühen hatten sich gelohnt: Rund 850 Zuschauer wollten den FC Hansa live in Aktion erleben und sorgten so dafür, dass man nach Einschätzung von Karl-Heinz Kruse insgesamt sicher auf eine Summe von 5000 Euro kommen werde.

Auf dem Platz versuchten die Drittliga-Profis die Vorgaben von Andreas Bergmann umzusetzen. Der neue Hansa-Trainer wollte schnellen Kombinationsfußball sehen. Die gastgebenden Landesliga-Kicker hielten immerhin eine Viertelstunde das 0:0, gerieten dann aber bis zur Pause durch Tore von Halil Savran (15.), Manfred Starke (18./41.), Johan Plat (23.) und Maximilian Rausch (35.) doch schon mit 0:5 ins Hintertreffen. Wenn sich die Boizenburger spielerisch aus der Abwehr zu lösen versuchten, brachten sie sich mehrfach schon am eigenen Strafraum selbst in höchste Bedrängnis. Deshalb lief es meist auf lange Bälle hinaus, die selten einen Abnehmer fanden. Hansa-Keeper Jörg Hahnel verlebte einen ausgesprochen geruhsamen Nachmittag. Dagegen standen die drei eingesetzten Boizenburger Torhüter immer wieder im Mittelpunkt und bekamen für einige erstklassige Paraden kräftigen Beifall auf offener Szene. Da nicht jeder Schuss ins Ziel fand, waren auch die zehn Balljungen konditionell gefordert. „Der ist weg“, lautete der lapidare Kommentar an den Kollegen, als gleich der erste Versuch der Profis als Luftnummer selbst die hohen Fangnetze überwandt. „Hansa war hier glaube ich noch nie. Das ist das beste Spiel, was ich mit den Boizenburgern gesehen habe“, urteilte Justin Lehmitz (14 Jahre) von Aufbaus B-Junioren. Das Boizenburger Fußball-Urgestein Wilfried Prüfer sah das etwas kritischer: „Natürlich haben die Rostocker von der ganzen Athletik her, oder auch im Kopfballspiel und Antritt enorme Vorteile. Ich denke aber, das müsste alles viel schneller gehen.“ Dem 76-Jährigen, der bei Aufbau immer noch im Hintergrund mitarbeitet, war ein anderer Aspekt allerdings wichtiger, als die rein sportliche Betrachtung: „Wenn man sich hier einmal umschaut. Es geht alles so locker zu, und es sind auch so viele Frauen und Kinder im Stadion. Das ist eine tolle Atmosphäre.“

In der zweiten Halbzeit wurde fleißig durchgewechselt. Martin Pett nutzte gleich seinen ersten Ballkontakt zum 6:0 (48.). Dieses Ergebnis konnten die Aufbau-Kicker lange halten, bis in den Schlussminuten Halil Savran (86.), der als Stürmer gebrachte zweite Torwart Johannes Brinkies (87.) und Ronny Marcos (90.) doch noch einen Dreierpack nachlegten. Andreas Bergmann gab allen 17 Spielern, die mit an die Elbe gereist waren, die Chance, sich zu empfehlen: „Wir hatten noch zu viele leichte Ballverluste im Spiel. Unter dem Strich war es aber ein ganz anständiger Auftritt. Die Jungs waren viel in Bewegung und haben Tore erzielt. Und was für mich das wichtigste ist, die Mannschaft ist aufnahmefähig und will.“ Sein Gegenüber brachte sogar 22 Akteure zum Einsatz. Bernd Helbing-Saß hätte sich keinen schöneren Abschied als Boizenburger Trainer vorstellen können. Seine letzte Analyse fiel gewohnt schnörkellos aus: „Wir wollten nicht zweistellig untergehen. Das haben wir geschafft, wobei wir uns drei Dinger in der ersten Halbzeit ja praktisch selbst reingelegt haben. Ein bisschen erschrocken habe ich mich über unsere Offensive, die null Entlastung schaffen konnte.“ Sein Kapitän Patrick Alisch, der als Abwehrchef annähernd durchgespielt hatte, zog Vergleiche zu einer anderen Sportart: „Ich fühl mich wie nach einem Marathon. Das war in jedem Fall eine feine Sache, auch weil die Hansa-Spieler alle wirklich nett waren.“

Für die Gäste begann nach dem Abpfiff die dritte Halbzeit. Die Autogrammjäger hatten nicht umsonst auf ihren Auftritt gewartet, auch alle Foto-Wünsche erfüllten die Profis gut gelaunt, wobei neben Trainer Andreas Bergmann besonders Kapitän Sebastian Pelzer und Torwart Jörg Hahnel hoch im Kurs standen. Mit einem gemeinsamen Essen im Vereinsheim klang ein stimmungsvoller Fußballnachmittag aus. Auf ausdrücklichen Wunsch der Hanseaten gab es – Nudeln mit Tomatensauce.

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