Hannelore Hoger las in Konau

Kurzgeschichten und Gedichte von Balzac bis Brecht

svz.de von
10. Dezember 2013, 00:36 Uhr

Eine stimmungsvolle Atmosphäre im Veranstaltungsraum in Konau, fast alle Plätze besetzt und eine gut aufgelegte Hannelore Hoger, da konnte nichts schief gehen bei der letzten Veranstaltung in diesem Jahr in Konau.

Die Theaterschauspielerin und Filmdarstellerin Hannelore Hoger war nicht zum ersten Mal in Konau, sie absolvierte quasi ein Heimspiel. Hoger hatte Kurzgeschichten ausgesucht und begann mit Siegfried Lenz (geb. 1926 in Ostpreußen). Der zeigte sich in allen drei Geschichten aus dem fiktiven Bollerup, ein Dorf an der Ostseeküste irgendwo zwischen Flensburg und Kiel gelegen, von seiner humorvollen Seite. Ob es um den stoischen Jens Feddersen ging, der froh war, dass nur sein „Alltagsholzbein“ in die Mähmaschine geraten war oder um die 92-Jährige, die mit großer List verhindern wollte, dass man ihr die Invalidenrente strich, es gab etwas zu lachen. Und als es um die alte Feindschaft zweier Familien ging, deren Ursprung nicht mehr nachzuvollziehen war, hat vielleicht der eine oder andere im Publikum gedacht: „Bollerup ist überall“.

Es ging weiter mit der Geschichte „Die Geliebte des Königs“ von Honoré de Balzac (1799 bis 1850). Es geht hier um die wunderschöne Tochter eines Goldschmiedes, die von diesem an einen hässlichen Advokaten verheiratet wird. Doch sie denkt nicht daran, ihm eine brave Ehefrau zu sein, sondern häuft als Kurtisane ziemliche Reichtümer an und narrt ihn bis zu seinem Tod, obwohl er sich doch nur eine einzige Liebesnacht mit ihr erhofft.


Lottchen gesteht einen Geliebten


Und dann das Lottchen von Kurt Tucholsky (1890 bis 1935), dass seinem Ehemann(?), der für Wochen verreist war, einen Geliebten beichtet. Hannelore Hoger schmollte und gurrte und wand sich wie ein Aal. „Da war nichts, es war nichts“. Lottchen gibt den Fehltritt nur in ganz kleinen Scheibchen zu, um den Spieß dann umzudrehen, als sie das Bildnis einer Frau beim Ehemann entdeckt. Dann das bekannte Gedicht „Danach“, in dem Tucholsky scheinheilig fragt, warum im Film nach dem Happy End immer ausgeblendet wird. Ja, warum wohl? Im schönsten Berliner Dialekt gab Hannelore Hoger Tucholskys Antwort. Der Alltag ist eben banal und für einen Hollywood- Schmachtfetzen nicht mehr interessant.

Um schließlich mit einer Reflexion von Max Frisch (1911 bis 1991) von der Liebe und dem, was daraus werden kann, zur Sympathie überzugehen. Für Frisch ist sie nämlich ein Schutzengel und trägt die Menschen besser als die Liebe durch ihr Leben.

„Sitzen die Haare noch?“, fragt die aufgeräumte Hannelore Hoger und endet mit einem Gedicht von Bert Brecht (1898 bis 1956), „Die Hoffnung der Welt“, als Hommage an den verstorbenen Nelson Mandela. Warmer und kräftiger Applaus für ihren Vortrag ist der Künstlerin gewiss. Die Zuhörer werden von Saskia Kuntzsch-Zschoch vom Verein Frohe Zukunft gewärmt in den dunklen und nasskalten Abend entlassen.

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