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Hagenower Kreisblatt

19. November 2017 | 08:15 Uhr

Halber Garten liegt im C-Gebiet

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Johannes Haker stieß nur zufällig darauf, dass er auf einem großen Teil seines Grundstücks massive Einschränkungen hinzunehmen hat

svz.de von
erstellt am 23.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Johannes Haker traute seinen Augen kaum. Wegen einer ganz anderen Angelegenheit war er zur Gemeindeverwaltung gegangen und stellte beim Blick auf ein Luftbild, das ihm ausgedruckt worden war, fest, dass die Hälfte seines Grundstücks in Preten im C-Gebietes des Biosphärenreservats liegt. Er darf hier auf seinem eigenen Grund und Boden also nicht schalten und walten, wie er möchte, sondern muss bei Veränderungen, die er vornimmt, die Biosphärenreservatsverwaltung um Erlaubnis fragen.


„Für uns kommt das einer Enteignung gleich“


„Für uns kommt das einer Enteignung gleich und besonders empört uns, dass wir nie darüber aufgeklärt wurden. Beim Kauf des Grundstücks im Jahr 1992 gab es keinerlei Informationen über eine Beeinträchtigung. Weder im Grundbuch noch im Liegenschaftskatasterauszug steht etwas davon, dass die Hälfte meines Gartens als besonders schützenswertes Stück Natur gilt, in den nicht eingegriffen werden darf. Wenn ich da Kartoffeln anbauen will, wird mir das wahrscheinlich verwehrt“, kann der Pretener es immer noch nicht fassen.

Das ist ganz bestimmt so, denn im C-Gebiet darf man zum Beispiel nur auf befestigten Wegen gehen. Im besagten Gartenteil gibt es keinen Weg. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Familie Haker diesen Teil nicht einmal mehr betreten darf.

Das Ehepaar Haker hat dann auch bei der Flurplanvorlage im Flurbereinigungsverfahren am 26. November in Dellien vorsorglich Widerspruch eingelegt, obwohl die im Rahmen dieses Verfahrens vorgenommenen Grundstückstausche völlig korrekt abgelaufen sind. Auch viele andere Pretener haben das getan.

Auf der Besitzstandkarte vom Juli 2013 des Amtes für Landentwicklung, das die Flurbereinigung durchführt, sind keine naturschutzfachlichen Einschränkungen eingezeichnet. Auf der Besitzstandkarte vom September 2015 sind Grenzen eingezeichnet, die aufzeigen, wo die Schutzgebietskulisse der Natura 2000 -Richtlinie (sie vereint die europäischen Vogelschutzrichtlinie und die Flora-Fauna-Habit-Richtlinie) verläuft“, so Joahnnes Haker. Die deckt sich auf seinem Grundstück ungefähr mit dem C-Gebiet des Biosphärenreservats.


Äußerst kuriose Linienführung


Besonders kurios ist allerdings, dass diese Natura-2000-Linie auf der anderen Dorfseite viele Grundstücke durchschneidet und sogar durch Gebäude durchgeht. Eine Anfrage von SVZ an das Umweltministerium, nach welchen Kriterien damals diese Grenzen gezogen wurden und wie das Beteilgungsverfahren gelaufen ist, läuft noch. Mutmaßen könnte man, dass dort auf Karten mit großem Maßstab mal eben eine Linie gezogen wurde.

Öffnet man das Geo-Portal des Landkreises, finden sich keine Natura 2000-Grenzlinien, aber aufgezeigte Gebietskulissen für den europäischen Vogelschutz, die FFH-Richtline und für das Biosphärenreservat. Vom Biosphärenreservat ist die Dorfseite, die zur Sude zeigt, betroffen, neben dem Hakerschen Grundstück auch noch weitere. Die seltsame Linienführung auf der gegenüberliegenden Seite betrifft den Naturschutz nach FFH-Richtlinie, die sich wohl anlehnt an Natura 2000 und auch wieder durch Gebäude geht.

EU-Vogelschutzgebiet ist quasi die gesamte Ortslage. „Wir waren auf einer Veranstaltung in Hitzacker und da wurde die Frage gestellt, wie es möglich sei, dass Haus-, Hof- und Gartengrundstücke in Ortslage zum Gebietsteil C im Biosphärenreservat erklärt werden können? Die Antwort der Biosphärenreservatsverwaltung lautete: die Feinabstimmung der Biosphärenreservatsgrenzen mit den Grundeigentümern im Landkreis Lüchow-Dannenberg und im Landkreis Lüneburg steht noch aus.“

Johannes Prüter, Leiter des Biosphärenreservats erläutert dazu: „Im Falle konkreter Vorhaben, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Gebietsteil C führen können, wird im Einzelfall auch die Frage geprüft, wie die Grenzziehung großmaßstabmäßig nach Gesichtspunkten der Plausibilität auszulegen ist.“

Soll heißen, es gibt Interpretationsspielraum. Im Gesetz ist vorgeschrieben, dass „Anregungen zur Fortschreibung der Gebietsgliederung“ aufgenommen werden können. Es müssen allerdings gravierende Gründe vorliegen, bevor Gebietsgrenzen geändert werden und es bedeutet eine Gesetzesänderung, was sicher dauert.

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