Kraft : Halali: Jägern fehlt der Nachwuchs

Weidmännische Jagd beginnt mit einem sauberen Schuss auf das Wild, um ihm unnötige Qualen zu ersparen.
Weidmännische Jagd beginnt mit einem sauberen Schuss auf das Wild, um ihm unnötige Qualen zu ersparen.

Immer weniger junge Leute wollen Strapazen des „Grünen Abitures“ auf sich nehmen. Kreisjagdverband gibt Unterstützung bei Kurs

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31. August 2016, 21:00 Uhr

„Dem Wild mit einem sauberen Schuss jegliche Qualen zu ersparen, darum geht es bei der weidmännischen Jagd“, fasst Sven Drewke die ethische Grundregel seiner Leidenschaft zusammen. Doch dafür bedürfe es einer fundierten Ausbildung, nicht nur der Liebe zur Natur und Interesse an Wald und Tieren. Der 44-Jährige ist Vorsitzender des Kreisjagdverbandes des Altkreises Ludwigslust und damit zuständig für etwa 1100 Mitglieder. „Davon sind etwa 1000 aktive Jäger unter ihnen rund zehn Prozent Frauen, die immer mehr diese Passion als Hobby für sich entdecken.“

Zur Vorbereitung auf die Jägerprüfung, die auch „Grünes Abitur“ genannt werde, finde ab 25. September eine sogenannte Jungjägerausbildung statt, betont der Grünrock weiter. Verantwortlich für diesen etwa sechsmonatigen Kurs sei Mario Handorf aus Püttelkow, berichtet Drewke, der selbst auch schon Nachwuchs fit gemacht habe. Doch der werde immer weniger. „Auf diesen Lehrgängen haben wir in der Regel 15 bis 20 Teilnehmer. Deren Alter liegt im Durchschnitt bei 40 Jahren. Jugendliche sind höchstens ein oder zwei dabei, wenn überhaupt. Das Durchschnittsalter unserer Jäger beträgt um die 55 Jahre. Das ist schon sehr besorgniserregend“, sagt Drewke nachdenklich. Als große Herausforderung der Zukunft sehe er die Aufgabe, in den Herzen junger Menschen die Liebe und Zuneigung zur freilaufenden Kreatur sowie zu weidgerechtem Jagen frühzeitig zu verankern. Jagd und Weidwerk seien eine nachhaltige Kraft, die dazu beitrage, menschliche, tierische und pflanzliche Lebensräume zu gestalten und zu erhalten. „Die Jugend hat heute aber wohl andere Interessen. Wir leben zu naturfern in unserer Konsumgesellschaft.“ Viele junge Leute wollten heutzutage auch keine Verantwortung übernehmen, vermutet Drewke weiter im SVZ-Gespräch.

Vom Landesjagdverband und dem Kreis organisierte Veranstaltungen für Kindergärten und Schulen wie „Lernort Natur“, seien oft nur im ländlichen Raum durchführbar. In der Stadt werde dieses Angebot nur allzu oft von überbesorgten Eltern boykottiert oder gar negativ bewertet.

„Kinder und Jugendliche brechen uns deshalb weg. Ihnen Brauchtum zu vermitteln, wird immer schwieriger. Sie haben ja erfahren, dass sie nur in den Supermarkt oder Wildhandel zu gehen brauchen, wenn sie Fleisch kaufen wollen. Wo es herkommt, interessiert offenbar schon nicht mehr.“ Dabei seien besonders die Jäger auf die gesellschaftliche Legitimation angewiesen.

Von den sogenannten Crash-Kursen, in denen notwendiges Wissen binnen einiger Wochen vermittelt werde, halte er selber nicht viel, bekennt Drewke. „Dort wird weniger praktisch ausgebildet, weil die Zeit fehlt, in die Tiefe zu gehen. Das Ergebnis erleben wir dann nicht selten in der Praxis, wo es bei Jungjägern große Defizite gibt.“

Die Jagd stelle heute große Anforderungen an die Weidmänner und -frauen. Ökonomische, ökologische und juristische Belange seien in weit höherem Maße zu beachten, als früher. Auch hätten sich Wildbestände, Bejagungsmethoden und Sicherheitsstandards geändert. Dafür brauche es sehr gut ausgebildete Jäger.

„Wenn wir nicht gegensteuern, werden wir in einigen Jahren mächtig Schiffbruch erleiden“, befürchtet Drewke. Und spricht darüber, dass man Jungjägern auch helfe, z. B. mit der Ausrüstung.

Nähere Infos zur Ausbildung und zur Anmeldung erteilt:

Weidmann Mario Handorf unter 0157-74012227 oder auch Sven Drewke, Telefon 0174-9360565

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