zur Navigation springen

Ernst-Moritz Arndt als Namenspatron? : Hagenows Kaserne soll Namen verlieren

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Großes Unverständnis in der Stadtpolitik. Bataillon bestätigt und gibt sich reserviert

von
erstellt am 20.Mai.2017 | 05:00 Uhr

Die von ganz oben angeordnete Aufräumaktion der Bundeswehrführung in Sachen angeblich falscher Traditionen hat jetzt auch die Hagenower Kaserne erreicht. Der Name „Ernst-Moritz Arndt“ steht zur Disposition. Das bestätigten sowohl Oberstleutnant Jan-Friedrich Tilman, als Bataillonskommandeur 401 auch Kasernenkommandant in Hagenow als auch Bürgermeister Thomas Möller. Es gäbe eine Tendenz dahin, dass sich die Standortältesten Gedanken machen sollten. Tilmann bestätigte nur offizielle Überlegungen, die an ihn herangetragen wurden. Er selbst machte im Gespräch mit der Schweriner Volkszeitung keinen Hehl daraus, dass er von dem Gedanken nicht viel hält. Die Diskussion um den Namen kam schon einmal im Zusammenhang mit der Diskussion um die Aberkennung des gleichen Namens für die Greifswalder Universität auf. Hauptvorwurf: Arndt sei Antisemit gewesen. Das will Hagenows Bürgermeister Thomas Möller von den Linken gar nicht in Abrede stellen. „Wie man Arndt jedoch mit den Nazis und den Rechten in Zusammenhang bekommen will, das kriege ich für mich noch nicht zusammen.“ Auch seine Fraktion kann das Ansinnen der Berliner Politik nicht verstehen.

Kopfschütteln gab es gestern auch bei der größten Fraktion in der Stadtvertretung, der CDU. „Wir halten das Ansinnen die Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne umzubenennen für unsinnig, überzogen und nicht zielführend. Wir verurteilen seine rassistischen und antisemitischen Äußerungen, erkennen aber auch seine historischen Leistungen als Freiheitskämpfer an. Rassistische und antisemitische Äußerungen sind zu keiner Zeit zu tolerieren. Verbote und Gleichmacherei helfen bei der Überwindung solcher Äußerungen aber nicht weiter. Nur mit Information, Diskussion und einer aktiven Auseinandersetzung mit diesen, können wir zur Überwindung beitragen.“
Schon beim Umzug 1982 von Prora nach Hagenow brachte das damalige Mot. Schützenregiment MSR 29 diesen Namen von der Insel Rügen mit. Dort war er dem Verband wohl zum Jahrestag der Republik im Jahre 1969 verliehen worden. Im Gegensatz zu anderen Namen galt Ernst-Moritz Arndt, deutscher Schriftsteller, Historiker, Freiheitskämpfer und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, als unverdächtig. Die Diskussionen um dessen rassistischen und antisemitischen Äußerungen kamen erst später auf. Da konnten sich die Hagenower immer mit dem Verweis auf eine Rommel-Kaserne trösten. Kasernenkommandant Tilmann bestätigte, dass er von der Gemeinde klare Signale erhalten habe, dass sie eine Umbenennung nicht wolle. Derzeit gibt es im Rahmen der Überprüfungsmaßnahmen durch das Bundesministerium nur den Hinweis, sich auch über den Namen Gedanken zu machen, neue Namen kursieren bisher nicht. Insofern ist nicht zu erwarten, dass eine Initiative zur Umbenennung von Hagenow ausgehen wird. Ute Lindenau Bürgermeisterin Lübtheens, das auch eine enge Bindung an den Standort über eine Patenkompanie hat, sieht das Thema klar bei den Hagenowern. „Arndt war eine Person in der Zeit, in der er gelebt hat. Man kann sicher über vieles nachdenken aber hier müssen die Hagenower wissen, was sie wollen.“

Die Kaserne, die in der Wende von der NVA übernommen wurde, beherbergt derzeit nicht nur das Panzergrenadierbataillon 401, sondern auch große Teile des Versorgungsbataillons 142 sowie ein Sanitätszentrum. Alles in allem sind das derzeit mehr als 1500 Dienstposten. Formal wäre es so, dass der Standortälteste eine Umbenennung beim Inspekteur des Heeres beantragen müsste. Diesen Antrag gibt es bisher nicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen