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Täter will sich an die Tat nicht erinnern können : Hagenower Konsummörder vor Gericht

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Die Bluttat vom 20. Juni schockte die ganze Stadt Hagenow und ist noch heute ob ihrer Brutalität in vieler Munde. Am gestrigen Montag begann nun vor dem Schweriner Landgericht der Prozess gegen den 27-jährigen Ehemann.

svz.de von
erstellt am 05.Dez.2011 | 06:04 Uhr

Schwerin/Hagenow | Die Bluttat vom 20. Juni schockte die ganze Stadt und ist noch heute ob ihrer Brutalität in vieler Munde. Gestern begann nun vor dem Schweriner Landgericht der Prozess gegen den 27-jährigen Ehemann.

Wie die Agenturen vorab meldeten, gab der Angeklagte an, "aus panischer Angst vor einer Trennung" seine Frau erstochen zu haben.

Laut Anklage hat er im Juni in Hagenow im Streit 15 Mal auf die 28-Jährige eingestochen, weil sie sich von ihm trennen wollte. Die Frau starb noch am Tatort, einer Baracke der Konsumgenossenschaft Hagenow, wo sie im Büro arbeitete.

Der Mann soll allerdings im Zustand "erheblich verminderter Schuldfähigkeit" gehandelt haben. Der Angeklagte ist einem Gerichtssprecher zufolge im Grundsatz geständig, gebe aber an, sich an die Tat selbst nicht erinnern zu können. Nur, dass er seine sterbende Frau in den Armen gehalten habe, sei in seinem Gedächtnis haften geblieben.

Nächster Gerichtstermin am 9. Dezember in Schwerin

Den Prozess sollen ein psychiatrischer Gutachter und ein Gerichtsmediziner begleiten. Als einziger Zeuge am ersten Verhandlungstag war der Polizist geladen, der den Mann festnahm. Der Täter war selbst schwer verletzt und musste ins Krankenhaus. Das Paar war dem Gericht zufolge sechs Jahre verheiratet. Die 2005 geborene Tochter lebe derzeit bei der Großmutter. Weitere Prozesstermine sind für den 9., 12., 16. und 23. Dezember geplant.

Die SVZ hatte im Sommer groß und in aller Ausführlichkeit über die Bluttat berichten müssen. Und nicht nur unter den Mitarbeitern der Konsumverwaltung war damals der Schock riesengroß über den Verlust der netten jungen Frau, die nach ihrem Praktikum gute Chancen hatte, als Bürokauffrau übernommen zu werden.

Der mutmaßliche Täter Sergei war an jenem Mordttag mit seinem grünen Audi vor die Verwaltung gefahren, um seine Frau Tanja L. zu besuchen. In der Baracke kam es dann wohl zum Streit, der Täter lief aus der Baracke zum Auto und stach sich das Messer selbst in den Bauch. Währenddessen verblutete seine junge Frau auf dem Flur der Baracke. Mitarbeiter des Konsums hatten die Baracke geistesgegenwärtig wieder verschlossen, so dass der verletzte Täter mit seinem Versuch scheiterte, wieder in das Gebäude zu kommen.

Schließlich wollte er fliehen und wurde von der schnell alarmierten Polizei gestellt und ins Krankenhaus gebracht. Für die Frau kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Im Verfahren wird nun zu klären sein, inwieweit Sergei mit einem Tatvorsatz in die Wittenburger Straße gefahren ist. Zeugen für einen ausufernden Streit in der Baracke zwischen den beiden Eheleuten gab es nach der Tat jedenfalls nicht.

Besonders betroffen waren die vielen Hundert Aussiedler, die in Hagenow leben und auch über so etwas wie eine halbwegs geschlossene Gemeinschaft verfügen, über die Tat. Die beiden Eheleute gehörten zur Szene und waren bekannt. Allerdings hatten auch gute Bekannte dem mutmaßlichen Täter diese Tat nicht einmal im Ansatz zugetraut. Bekannt war, dass es zwischen den beiden in dem Zeitraum vor der Tat einigen Streit gegeben hat. Nicht ausgeschlossen ist, dass der Ehemann eifersüchtig war und daher die Emanziptionsversuche seiner Frau mit Argwohn sah.

Zu den positiven Zufällen am Tag der Tat gehörte, dass sich zum Zeitpunkt der Alarmierung zufällig ein Streifenwagen in der Nähe befand und die Polizei so extrem schnell vor Ort sein konnte. Auch die Mitarbeiter des Konsum hatten sehr schnell und vor allem besonnen reagiert.

Tanja L. hätte in dem Unternehmen, so besagen es die der SVZ vorliegenden Informationen, eine gute Zukunft gehabt. Sie stand vor einigen Prüfungen, galt als umgänglich, sympathisch und lebenslustig. Besonders schlimm, nur wenige Minuten nach der Tat war die Oma mit der Tochter der beiden am Tatort erschienen, um Tanja L. von der Arbeit abzuholen.

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