zur Navigation springen

Im Jahre 2017 sollen Arbeiten abgeschlossen sein : Hagenow saniert jüdischen Friedhof

vom

Die Stadt Hagenow saniert in Zusammenarbeit mit dem Landesverband der jüdischen Gemeinden und mit finanzieller Unterstützung des Innenministeriums in Schwerin den jüdischen Friedhof in Hagenow.

svz.de von
erstellt am 10.Okt.2012 | 12:13 Uhr

Hagenow | Die Stadt Hagenow saniert in Zusammenarbeit mit dem Landesverband der jüdischen Gemeinden und mit finanzieller Unterstützung des Innenministeriums in Schwerin den jüdischen Friedhof in Hagenow. Das geschieht in Abschnitten. Der einstige jüdische Friedhof befindet sich unmittelbar neben dem Autohaus Lindemann und soll als eine schlichte Stätte des Erinnerns hergerichtet werden, ist aus dem Hagenower Rathaus zu erfahren. In einer ersten Arbeitsphase wurde das einstige Gelände der ehemaligen Stadtwirtschaft, wo sich der Friedhof befand, bereits beräumt (SVZ berichtete). Dabei wurden Grabsteine gefunden, u. a. auch von Samuel Meinungen, dem letzten auf dem jüdischen Friedhof im Jahre 1937 beerdigten jüdischen Gemeindevorstehers.

"Der Landesverband der jüdischen Gemeinden hat uns gegenüber den Wunsch geäußert, dass wir die Sanierung des Geländes in unsere Hand nehmen. Gleichzeitig war der Verband bereit, die entsprechenden finanziellen Mittel dafür beim Land zu beantragen. Die Mittel stehen zur Verfügung und werden abschnittsweise, je nach Arbeitsstand, ausgereicht", ist von Hagenows Bürgermeisterin Gisela Schwarz zu erfahren. Die Gesamtkosten für das Vorhaben, das im Jahre 2017 abgeschlossen sein soll, belaufen sich nach ihren Worten auf rund 85 000 Euro, die zu 100 Prozent gefördert werden.

Friedhof ist für die Juden ein ewiger Ort

Das Gelände des Friedhofes von dem heute nicht mehr als eine Brache zu sehen ist, wird eingezäunt, bekommt eine Rasenfläche sowie Begrünung und einen Stein des Erinnerns. Die Gesamtfläche beträgt rund 1700 Quadratmeter. Gisela Schwarz informierte auf der jüngsten Stadtvertretersitzung darüber, dass die Maßnahmen zum Errichten des Zaunes jetzt in Vorbereitung seien.

Für die Menschen jüdischen Glaubens hat der Friedhof eine sehr große Bedeutung. Er ist nach den Worten von Henry Gawlik, dem Hagenower Museums-Chef und ausgewiesenen Kenner des jüdischen Lebens in der Region, noch wichtiger als eine Synagoge. "Der Friedhof ist für die Juden ein ewiger Ort. Aus den Quellen, die uns zur Verfügung stehen, ist ersichtlich, dass der Friedhof im Jahre 1806 angelegt wurde. Die jüdische Gemeinde gibt es dagegen schon seit 1764. Es muss rund 120 Beerdigungen gegeben haben. Die Namen der Verstorbenen liegen uns vor. Ich könnte mir vorstellen, dass auf einem Stein diese Namen nachzulesen sind", erzählt Henry Gawlik, der im Gespräch mit SVZ einen Einblick in das Leben der jüdischen Gemeinde in Hagenow gibt.

1764 kamen Einwanderer mit jüdischen Glauben in unserer Region, die dann ihre Gemeinde gebildet haben. Als 1828 die Synagoge gebaut wurde, waren es zwölf jüdische Familie, zu besten Zeiten um 1840 waren es 18 Familien mit 19 Haushalten, das sind maximal 120 Menschen mit jüdischem Glauben bei bis zu 3000 Einwohner in Hagenow, ist von Henry Gawlik weiter zu erfahren. Im 19. Jahrhundert ging die Einwohnerschaft in Hagenow zurück, viele wanderten aus. Anfang des 20. Jahrhundert gab es zehn bis 15 Juden in der Region Hagenow. Das religiöse jüdische Leben hörte in Hagenow im Jahre 1906 auf. "Während des Nazizeit gab es zahlreiche Repressalien für die jüdischen Bürger. Ich erinnere an die Pogromnacht, in der die Synagoge im Inneren zertrümmert wurde. Da sich das Gebäude inmitten der dichten Wohnbebauung befand, wurde die Synagoge nicht angesteckt. In der Pogromnacht brannten aber die Viehstallungen von Familie Meinungen, die sich in der heutigen Poststraße befanden.

In diesem Jahr vor 70 Jahren begann die Deportation der Juden. Damals wurden die schwangere Käthe Meinungen, ihr Mann Hermann Meinungen und die kleine Hanna deportiert. "Wir wissen nicht wo es hinging. Aber der Koffer eines Mitreisenden ist in Auschwitz im Museum zu sehen. Also können wir davon ausgehen, dass die Familie Meinungen dort umkam", erzählt Gawlik weiter.

Zu DDR-Zeiten wurden Gebäude der Stadtwirtschaft auf dem jüdischen Friedhofes errichtet, das Gelände nach den Worten von Henry Gawlik zuvor eingeebnet. Grabsteine wanderten in diesem Zusammenhang in Fundamente, wo sie 2010 bei der Beräumung geborgen wurden. Nach der politischen Wende war der Weg hierzulande bereitet, das Gelände des jüdischen Friedhofes zu sanieren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen