Panzergrenadiere : Hagenow macht das Heer fit

Zirkeltraining für Kraft und Ausdauer auf dem Sportplatz, das Heer hat extra neue Geräte angeschafft.
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Zirkeltraining für Kraft und Ausdauer auf dem Sportplatz, das Heer hat extra neue Geräte angeschafft.

Modellprojekt soll Rekruten sportlich leistungsfähiger machen. Inspekteur ließ sich erste Ergebnisse zeigen

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19. Juli 2018, 05:00 Uhr

Nicht zum ersten Mal schaut das ganze deutsche Heer, ja die ganze Bundeswehr auf die Panzergrenadiere in Hagenow. Seit sechs Wochen wird dort in der Grundausbildung der Rekruten ein Modellprojekt entwickelt und täglich getestet, das die Soldaten körperlich leistungsfähiger machen soll. Die dem Drei-Sterne-General Jörg Vollmer demonstrierten Ergebnisse sind eindeutig.

„Ich bin total begeistert und werde dieses Programm dem Generalinspekteur vorschlagen, damit es in der ganzen Bundeswehr umgesetzt werden kann“, zeigte sich der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer, am Nachmittag von den Ergebnissen des Hagenower Projektes begeistert.

In der Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne wird seit sechs Wochen mit 46 Rekruten in einer Art Dauer-Trainingslager ausprobiert, was mit systematischem Training zu schaffen ist. Denn die Freiwilligen kommen mit höchst unterschiedlichen Leistungsniveaus zum Bund. Zwar gibt es auch die Trainierten und leistungsorientierten Sportler, doch die Masse der jungen Leute ist längst nicht mehr so leistungsfähig wie noch vor Jahren. Schlussfolgerung: Vor der grünen Grundausbildung im Gelände kommt nun erst mal das Sporttraining für die Rekruten. Und das täglich.

Das beginnt mit dem Sport am Morgen zu Dienstbeginn und setzt sich mit dem eigentlich Training über 90 Minuten am Nachmittag fort. Vom Basis-Fitness-Test (den gab es auch schon vorher) über Kreistraining mit speziellen Hilfsmitteln, normales Lauftraining bis hin zum „Soldaten Grundfitness Tool“ wird dabei einiges verlangt. Hinter letzteren verbergen sich das Tragen von Kanistern, Bewegen und Gleiten im Gelände, Schleppen eines 50-Kilogramm-Sacks bis zum Hochwuchten eines 23-Kilo-Kanisters. Das alles geschieht unter Aufsicht und der Begleitung durch Sportlehrer der Bundeswehr, die extra nach Hagenow kommandiert wurden. Die Rekruten wurden nach Leistungsgruppen eingeteilt. Ziel war es, die Leistungsschwächeren an das Niveau der anderen heranzuführen. „Wir wollen die jungen Leute da abholen, wo sie sind, auch sportlich. Wir können die Rekruten ja nicht mit einem Trainingsplan nach Hause schicken, dann kommen sie nicht wieder“, war General Vollmer realistisch.

Die Ergebnisse nach sechs Wochen übertreffen bisher alle Erwartungen. Sowohl der Kommandeur des Hagenower Bataillons Oberstleutnant Alexander B. Radzko als auch seine Ausbilder und Sportlehrer waren nicht nur von den besseren sportlichen Leistungen beeindruckt. Die jungen Soldaten seien auch motiviert gewesen, und es gab auch kaum Ausfälle. Denn bei allem Druck will die Bundeswehr, gerade in der Ausbildung, ihre Rekruten auch nicht überlasten.

Klar ist auch, dass der Sport mit dem Ende der Grundausbildung nicht beendet sein darf. Die Bundeswehr, das betonten gleich mehrere Beteiligte, sei ja einer der wenigen Arbeitgeber, bei dem man quasi in der Arbeitszeit verpflichtet sei, Sport zu treiben.

Das umzusetzen, liegt dann aber in der Hand der einzelnen Kommandeure. Nach der gestrigen Präsentation vor zahlreichen Pressevertretern wird in Hagenow weiter trainiert, beobachtet und vorbereitet. General Vollmer will dieses Modell dann bis Sommer kommenden Jahres auf das gesamte Heer ausgeweitet haben, mit der entsprechenden sportlichen und wissenschaftlichen Begleitung.

In Hagenow beginnt mit den neuen Rekruten im August bereits der zweite besonders sportliche Durchgang.

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