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Gerichtsstrukturreform : Hagenow acht Monate ohne Gericht

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Wie wirkt sich die Schließung des Amtsgerichtes auf die Hagenower aus? Heute: die Betreuer

svz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 17:45 Uhr

Manchmal müssen sie 200 Kilometer und mehr am Tag zurücklegen: Einen Klienten aus Boizenburg abholen, mit ihm in die Klinik nach Hagenow fahren, um mit Ärzten zu sprechen, danach weiter zum Amtsgericht nach Ludwigslust und wieder zurück. „Das sind viele Kilometer und kostbare Zeit“, sagt Christine Lübbe, Geschäftsführerin des Betreuungsvereins in Hagenow, der sich um hilfebedürftige Menschen von Boizenburg bis Neustadt-Glewe kümmert. Zwei Stunden mehr pro Termin, schätzt sie. Dreieinhalb bekommt sie pro Monat und Klient bezahlt. Was sie mehr braucht, macht sie umsonst.

Mitte März dieses Jahres fiel das Amtsgericht in Hagenow der Gerichtsstrukturreform des Landes zum Opfer. Seitdem ist Ludwigslust einziger Standort im Landkreis Ludwigslust-Parchim, mit Parchim als Zweigstelle.

Acht Monate nach der Standortschließung bestätigen sich nun die Befürchtungen der Betreuer, die sie vor der Umsetzung der Reform gegenüber SVZ geäußert haben (wir berichteten). Die sechs hauptamtlichen und vielen ehrenamtlichen Betreuer bemängeln aber nicht nur den gestiegenen Zeitaufwand. Es fehle auch der persönliche Kontakt zu den Gerichtsmitarbeitern in Ludwigslust. „Die Arbeitsweise dort ist ganz anders“, sagt Christine Lübbe. In Hagenow konnten sie jederzeit anrufen oder für eine Frage oder Beglaubigung vorbeikommen. Jetzt sei es mitunter selbst mit Termin schwer, jemanden im Ludwigsluster Gericht zu sprechen.

Die Folgen: Bei den hauptamtlichen Betreuern stapeln sich unbearbeitete Akten; ehrenamtliche Betreuer sind abgeschreckt, dieser Aufgabe noch nachzugehen. „Die Fallzahlen sinken pro Betreuer“, beobachtet Christine Lübbe. Die Ehrenamtlichen geben Fälle ab oder nehmen keine neuen mehr an, sobald einer ausläuft. Und dieser Trend werde anhalten, befürchtet sie.

Susann Kröhnert aus Moraas betreut nur noch zwei ihrer ursprünglich vier Fälle. Sie erinnert sich noch gut an die Zusammenarbeit mit dem Hagenower Gericht und wie unkompliziert alles geklappt hat. „Das war toll, da stand immer die Tür auf“, sagt sie. Was wichtig sei, denn „wir sind keine Fachleute“. Und kein Fall gleiche dem anderen. Da habe man Fragen, die schnell geklärt werden müssten, so die ehrenamtliche Betreuerin. Jetzt müsse man mitunter „ewig auf einen Termin warten“. Längere Bearbeitungszeiten, längere Fahrwege – Susann Kröhnert will keine neuen Fälle mehr annehmen, das steht für sie nun fest.

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