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Ludwigslust-Parchim : Gutachten: Biotonne oder Komposthaufen?

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Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Flächendeckende Einführung der Biotonne brächte erhebliche Mehrkosten bei geringen ökologischen Vorteilen

svz.de von
erstellt am 14.Jan.2015 | 16:57 Uhr

Geht es nach der Analyse eines renommierten Hamburger Beratungsunternehmens, lohnt sich die flächendeckende Einführung der Biotonne im Landkreis Ludwigslust-Parchim nicht. Derzeit beschäftigt sich der Umweltausschuss des Kreistages mit dem Thema, weil es nach einer Novellierung des Abfallrechts vorgeschrieben ist, Bioabfälle getrennt zu erfassen. Juristen streiten allerdings, ob es dazu der Biotonne bedarf.

Bisher gibt es die braune Tonne nur in Parchim, Crivitz, Lübz, Plau am See, Goldberg, Brüel und Sternberg. Flächendeckend setzt der Kreis auf die dezentrale Erfassung und Eigenkompostierung durch die Bürger. Zur Sammlung von Grünabfällen stehen derzeit im Kreisgebiet 42 Annahmestellen und 23 Containerstellplätze zur Verfügung.

Zwei Aspekte begründen die Einführung der Biotonne: die Einsparung von Restmüll und die Entlastung von CO2. Für beide Bereiche sehen die Experten kaum Vorteile: „Der Landkreis Ludwigslust-Parchim erfasst bereits jetzt mit seinem Bringsystem für Grünabfälle mit 104 kg je Einwohner und Jahr mehr biogene Abfälle als der Mittelwert in Mecklenburg-Vorpommern beträgt (59 kg pro EW und Jahr inkl. Grünabfälle und Bioabfälle)“. Insgesamt wurden 2013 genau 24 839 Tonnen Restabfall im Landkreis gesammelt, was 117 Kilogramm pro Einwohner entspricht.

Entsprechend gering wäre der Entlastungseffekt der Biotonne, zumal die Menge zunehmen würde, weil auch Kompost, der bisher nicht in der Abfalltonne landet, seinen Weg in die Biotonne nehmen würde. 20 Kilogramm kämen aus der Restabfalltonne, 50 Kilogramm aus der bestehenden Grünabfallsammlung und 50 Kilogramm aus der Eigenkompostierung.

So ergeben die Kalkulationen, dass selbst bei der Maximalvariante (80 Prozent Haushalte mit Biotonne der Restabfall um lediglich knapp 3400 Tonnen bzw. 14 Prozent reduziert werden könnte. Die Gutachter: „Somit erreicht offensichtlich die bestehende Grünabfallsammlung bereits jetzt eine sehr hohe Entfrachtung des Restabfalls, was auch durch die im Landesvergleich überdurchschnittliche Sammelmenge belegt wird.“

Ähnlich sieht es bei der Einsparung von CO2 aus. Bei Einführung der Biotonne würden die Emissionen um die Belastung zurückgehen, die derzeit 84 Einwohner erzeugen.

Auch Kostenvorteile negieren die Umweltexperten. Unter dem Strich, also mit Einsparungen beim Restabfall gerechnet, bedeuten zwei Modellvarianten Mehrkosten. Wären 30 Prozent der Haushalte kreisweit mit Biotonnen versorgt, würde der Landkreis 1,4 Millionen Euro berappen müssen. Wären 80 Prozent angeschlossen, kämen Kosten in Höhe von 2,9 Millionen Euro auf den Abfallwirtschaftsbetrieb zu.

Fazit: „In wirtschaftlicher Sicht ist die getrennte Bioabfallerfassung mit beträchtlichen Mehrkosten verbunden, denen keine oder in nur bestimmten Konstellationen geringe ökologische Vorteile gegenüber stehen.“

Einzelne Aspekte der Untersuchung fördern erstaunliche Ergebnisse zutage. Die Verbrennung von Bioabfallgemeinsam mit Restabfall wäre unter dem Klimaschutzaspekt derzeit am günstigsten: „Durch die Entsorgung organischer Abfälle im Landkreis – ohne zusätzliche Einführung der Biotonne – würde die Umwelt  weiterhin um rund 290 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr entlastet.“ Käme die Biotonne mit herkömmlicher Kompostierung und anschließendem landwirtschaftlichem Einsatz, stiege die Belastung sogar noch um 682 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. Andere Verfahren würden allerdings beträchtliche Emissionssenkungen bringen – im günstigsten Fall um 1200 Tonnen CO2-Äquivalente.

Würde man die derzeitige Grünabfallverwertung optimieren (z. B. durch Verbrennung holziger Bestandteile in Blockheizkraftwerken und höherwertige stoffliche Verwertung der Komposte) wäre der erzielbare Vorteil durch die Biotonnenszenarien ebenfalls deutlich geringer bis hin zu entfallend, schreiben die Gutachter.

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